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Wie eine Allergie entsteht

Enstehung einer Allergie

Das Immunsystem hat die Aufgabe alle Fremdstoffe, die in den Körper eindringen,abzuwehren und unschädlich zu machen. Dazu ist eine Armada von verschiedenen Immunzellen und Botenstoffen notwendig. Das Immunsystem hat außerdem wie ein Computer die Fähigkeit sich einmal gesehene körperfremde Substanzen, so genannte Antigene zu merken. Kommt der Körper dann ein zweites Mal mit dem selben Fremdstoff in Berührung, läuft die Abwehrreaktion sofort nach dem bereits gespeicherten Programm ab.
Bei der Allergie, die 1906 von dem österreichischen Wissenschafter Clemens P. von Pirquet ihren Namen bekam, handelt es sich eigentlich um eine Überreaktion des Immunsystems. Beim ersten Kontakt mit dem Fremdkörper, auf den man dann letztendlich allergisch reagiert, läuft eine völlig normale Immunreaktion ab. Das Immunsystem erkennt den Fremdstoff, reiht ihn aber in die Reihe der für den Körper unschädlichen Stoffe ein. Bei einem wiederholten Kontakt mit dem selben Fremdstoff allerdings erkennt ihn das Immunsystem zwar wieder, es kommt aber zu einer überschießenden Immunreaktion. Die Abwehrmechanismen schießen weit über das angebrachte Maß hinaus. Zu viele Antikörper werden gebildet, die sich dann auf den Eindringling stürzen, sich an ihn binden und so unschädlich machen. Es gibt verschiedene Klassen von Antikörpern.
Je nachdem ob Antikörper gebildet werden und mit dem Antigen reagieren, oder ob es zu einer direkten Auseinandersetzung von Immunzellen mit dem Allergen kommt, unterscheidet man auch die verschiedenen Typen der Allergie. Der häufigste Allergietyp ist aber sicher die Typ-I-Allergie, auch Allergie vom Soforttyp genannt. Sie hat ihren Namen daher, weil sie innerhalb weniger Minuten nach dem Kontakt mit einem allergieauslösenden Stoff auftritt.
Die dafür verantwortliche Antikörperklasse ist Immunglobulin-E (Immunglobuline). Sie können auch bei einer Blutuntersuchung im Rahmen eines Allergietestes nachgewiesen werden. Diese Antikörper können nicht nur an den Fremdkörpern (= Allergene), sondern auch an körpereigenen Zellen, den Mastzellen, andocken. Wenn ein Allergen, zum Beispiel ein Pollenkorn, an zwei verschiedenen Antikörpern, die an einer Mastzelle hängen, bindet, ist das das Signal für die Mastzelle, Histamin und andere Stoffe freizusetzen. Auf der Oberfläche einer Mastzelle können über eine halbe Million Antikörper sitzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Allergen gleich zwei Antikörper erwischt ist also recht hoch. Das freigesetzte Histamin ist u.a. für die sichtbaren allergischen Reaktionen verantwortlich. Gefäße werden durchlässig, Blutplasma tritt aus und typische Quaddeln bilden sich. Das Blutgefäßsystem kann sich sogar so weit erweitern, dass das Blut in der Peripherie versickert. Ein so genannter anaphylaktischer Schock mit Kreislaufzusammenbruch und starkem Blutdruckabfall ist die Folge. All das sind die für den Allergiker sehr bekannten und typischen Symptome.
Warum manche Menschen ein in dieser Weise überreagierendes Immunsystem haben und andere wiederum nicht, ist medizinisch noch nicht geklärt. Einen wichtigen Faktor dabei scheint auch die Vererbung zu spielen. Sind schon die Eltern Allergiker, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese Fehlfunktion des Immunsystems auch auf das Kind übertragen wird, sehr hoch.
Leider ist die Anzahl der Menschen, deren Immunsystem auf an sich harmlose Substanzen allergisch reagiert, in den letzten Jahren deutlich gestiegen. In den fünfziger und sechziger Jahren neigten etwa zwei bis fünf Prozent der Kinder zu allergischen Reaktionen. Nach neueren Studien betreffen Allergien aber bereits bis zu 25 Prozent der Bevölkerung in den verschiedenen Industrieländern. Daran, dass dieser Umstand in engem Zusammenhang mit erhöhter Umweltverschmutzung steht, zweifelt inzwischen kaum ein Mediziner. Doch es gibt auch zahlreiche Studien, die belegen, dass übertriebene Hygiene im Kindesalter die Reifung des Immunsystems verhindern und damit Allergien und Autoimmunerkrankungen begünstigen.

Behandlung einer Allergie

Die einfachste Behandlung bestünde darin, das auslösende Allergen konsequent zu meiden. Nur lässt sich dieser gut gemeinte Rat meist nicht in die Tat umsetzen, weil man vielen Allergenen, so zum Beispiel dem Hausstaub oder verschiedenen Nahrungsmitteln, nicht so einfach entgehen kann. Daher beschränkt sich die Behandlung der Allergie bis heute immer noch auf nur zwei Methoden. In den meisten Fällen werden überhaupt nur die Symptome behandelt. Antihistaminika, Beta-2-Sympathomimetika und Kortison sind dabei die Mittel der Wahl.
Die einzige Behandlung, bei der die Ursachen der Allergieentstehung behandelt werden, ist die Hyposensibilisierung, auch Allergie-Impfung genannt. Dabei werden die allergieauslösende Substanzen in regelmäßigen Abständen und steigender Dosierung verabreicht. Dadurch wird die Empfindlichkeit des Allergikers diesen Stoffen gegenüber herabgesetzt. Die Impfstoffe, Extrakte von Naturprodukten in hochgradig gereinigter Form, werden in einmonatigen Abständen unter die Haut gespritzt. Es ist aber auch eine Schluckimpfung möglich. Die Behandlungsdauer von drei Jahren ist zwar für den Betroffenen nicht nur lange, sondern auch mühsam, lohnt sich jedoch, denn bei 90 Prozent der Allergiker führt sie zum Erfolg. Bei extrem hoher Allergenbelastung muss man jedoch dennoch weiter vorsichtig sein. Eine Menge von klinischen Studien beweist aber, dass auch noch Jahre nach der Behandlung die allergischen Symptome nicht mehr wieder kommen beziehungsweise nur mehr sehr schwach auftreten.
Alternativ zu diesen schulmedizinischen Methoden werden allergische Erkrankungen auch mit Akupunktur bekämpft. Die Akupunktur ist eine chinesische Naturheilmethode. Der Patient bekommt bei der Behandlung dünne Nadeln unter die Haut gesteckt, die eine Stimulierung des Immunsystems an den richtigen Stellen bewirken sollen. Harte und gesichterte Daten zur Wirksamkeit gibt es aber noch nicht. Gleiches gilt auch für viele andere alternative Methoden.
Für die Zukunft hofft man, mit der sogenannte Anti-IgE-Therapie ganz spezifisch gegen die Allergie vorgehen zu können. Die Antikörper, die zu viel gegen die allergieauslösenden Stoffe gebildet werden, können mit dieser Methode aus dem Körper "gefischt" werden. Die allergischen Reaktionen sollten also gar nicht auftreten, und die Symptome sollten ausbleiben. Derzeit sind diese Medikamente allerdings noch in klinischer Prüfung. Für das allergische Asthma ist die Datenlage inzwischen so gut, dass die Therapie unter strenger Kontrolle eingeleitet werden kann. Bei der allergischen Rhinitis ist die Datenlage sehr gut, die Zulassung auf Behördenebene aber noch nicht gegeben. Für die Neurodermitis ist die Datenlage noch nicht ausreichend, um eine Empfehlung aussprechen zu können.
Zusammenfassend betrachtet stehen heute für die Behandlung allergischer Erkrankungen viele unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Allerdings ist immer ein individueller Ansatz zu wählen, und die Maßnahmen müssen immer auf einer gesicherten Diagnose beruhen. Der Versuch, die Allergie auslösenden Stoffe zu meiden, ist oberstes Gebot.


Experten:

Univ. Prof. Dr. Günter Weiss (Innere Medizin, Immunologie) Univ. Prof. Dr. Werner Aberer (Dermatologie, Allergologie)

Zuletzt aktualisiert am:

2007-03-13

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.