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Eisenmangel-Anämie

Fehlt dem Körper Eisen, können nicht ausreichend große rote Blutkörperchen gebildet werden. Die Folge ist Eisenmangel-Anämie. Betroffen sind vor allem Frauen im gebärfähigen Alter. Die Ursachen dieser Form der Anämie sind chronischer Blutverlust, zum Beispiel bei starken Regelblutungen oder blutenden Geschwüren. Auch während einer Schwangerschaft kann durch eisenarme Ernährung eine Eisenmangelanämie entstehen, weil in dieser Zeit ein erhöhter Eisenbedarf besteht.
An der Notwendigkeit einer generellen Eisenbehandlung in der Schwangerschaft mit Tabletten bestehen mittlerweile Zweifel. In den meisten Fällen und zur Vorbeugung ist eine Ernährung mit eisenreichen Nahrungsmitteln zu empfehlen.
Beschwerden bei Eisenmangel-Anämie sind unter anderem Blässe, Müdigkeit und Schwindel bis zur Ohnmacht. Die Diagnose wird in erster Linie mit Hilfe einer Blutuntersuchung gestellt. Die medikamentöse Behandlung kann den Eisenmangel meist wieder ausgleichen.

Zur Bildung roter Blutkörperchen sind zahlreiche Substanzen notwendig. Einer der wichtigsten ist Eisen. Die roten Blutkörperchen transportieren den Sauerstoff von den Lungen in den gesamten Organismus. Ist zu wenig Eisen im Körper vorhanden, kann nicht genügend roter Blutfarbstoff (Hämoglobin) gebildet werden und dadurch sind die roten Blutkörperchen zu klein. Dadurch wird die Sauerstoffversorgung des Körpers verschlechtert.
Der Körper einer erwachsenen Frau enthält etwa 35 Milligramm Eisen pro Kilogramm Körpergewicht, bei Männern sind es etwa 50 Milligramm. Rund zwei Drittel des Eisens sind im roten Blutfarbstoff gebunden, der Rest wird im Knochenmark, in der Leber und Milz gespeichert. Bei zu wenig Eisenzufuhr braucht der Körper seine Reserven auf. Erst danach tritt die Eisenmangel-Anämie in Erscheinung.
Eisenmangel ist weltweit der häufigste Ernährungsmangel. Vor allem Schwangere benötigen mehr Eisen, aber auch körperlich stark beanspruchte Menschen, etwa wenn sie Leistungssport betreiben. Ab der Menopause sinkt der Eisenbedarf des weiblichen Körpers, weil kein chronischer Blutverlust durch die Menstruation mehr besteht.
Der Anteil der Weltbevölkerung mit Eisenmangel beträgt je nach Lebensgewohnheit und sozialer Situation zwischen 10 und 50 Prozent. In Mitteleuropa sind etwa 10 Prozent der Menschen anämisch aufgrund eines Eisenmangels. Davon sind 80 Prozent Frauen im gebärfähigen Alter.

Ursachen

Eine Eisenmangel-Anämie tritt bei Erwachsenen am häufigsten durch chronischen Blutverlust auf. Eine verstärkte Menstruation ist bei Frauen die häufigste Ursache für Eisenmangel-Anämie. Frauen neigen durch starke Monatsblutungen und durch den erhöhten Eisenbedarf in der Schwangerschaft besonders zu einem Eisendefizit. Der sich entwickelnde Fötus braucht viel Eisen, das er aus den Reserven der Mutter erhält. Darüber hinaus leiden auch stillende Mütter häufig an Eisenmangel, weil der Körper die Eisenspeicher nach der Geburt erst wieder auffüllen muss. In dieser Zeit wirkt sich eisenarme Ernährung besonders negativ aus. Ernährungswissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen nur zu drei Viertel ihren Eisenbedarf aus der Nahrung abdecken.
Kinder und Jugendliche können durch eine eisenarme Ernährung in der Wachstumsphase an Eisenmangel-Anämie leiden. Bei Säuglingen zwischen drei und sechs Monaten kann diese Erkrankung auftreten, wenn sie mit selbst bereiteter Milch ohne Eisenzusatz gefüttert werden. Fertige Säuglingsmilch ist mit Mineralstoffen angereichert.
Bei Männern und Frauen kann Eisenmangel auch mit inneren Blutungen bei Geschwüren oder Polypen im Magen-Darm-Trakt zusammenhängen. Manche Medikamente gegen Rheuma, Krebsmittel und Kortison können zu Blutungen und damit zu Eisenmangel-Anämie führen.
Außerdem zählen Störungen der Eisenaufnahme im Verdauungstrakt - zum Beispiel durch zu geringe Magensäureproduktion oder als Folge einer Magenoperation - zu den Ursachen für eine Unterversorgung des Körpers mit Eisen. Auch der häufige Genuss von schwarzem Tee, der viele Gerbstoffe enthält, kann Eisen im Darm binden und damit für den Körper nicht verfügbar machen.
Lang anhaltende Infektionen und entzündliches Rheuma führen ebenfalls manchmal zu einem vermehrten Eisenverbrauch im entzündeten Gewebe.
Eisenmangel-Anämie kann den Körper schwächen, ist aber im Normalfall nicht lebensbedrohlich.

Vorbeugung
Der Eisenbedarf kann durch bewusste Ernährung gedeckt werden. Allerdings nehmen laut ernährungswissenschaftlichen Untersuchungen nur Frauen, die älter als 56 Jahre sind, und Männer genug Eisen aus der Nahrung auf. Bei allen anderen ist die Eisenzufuhr über die heute übliche durchschnittliche Ernährung nicht ausreichend. Vor allem vegetarisch lebende Menschen decken ihren Eisenbedarf in geringerem Ausmaß über Lebensmittel als jene, die zumindest in kleinen Mengen Fleisch essen. Das Eisen aus tierischen Nahrungsmitteln kann vom Körper leichter aufgenommen werden als aus pflanzlichen Produkten. Eisen aus Flsisch wird vermehrt aufgenommen, wenn gleichzeitig Säure dazu gegessen wird - z. B. Zitronensaft oder Essig (Salat). Große Mengen Eisen sind in Fleisch und Fisch - vor allem in Salzheringen - enthalten, aber auch in Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Nüssen, Hirse, Sesam und in grünem Blattgemüse. Allerdings wird pflanzliches Eisen bei Anwesentheit von Vollkorn nicht so gut aufgenommen, weil die im Korn reichlich vorhandenen Phytate das Eisen binden und das Eisen so gebunden nicht aufgenommen, sondern mit dem Stuhl ausgeschieden wird. Spinat enthält entgegen landläufiger Meinungen nur wenig Eisen. Vitamin C und Kupfer können die Eisenaufnahme des Körpers fördern.

Beschwerden

Die Eisenmangel-Anämie führt auf Dauer zu ständiger Müdigkeit, innerer Unruhe, Kurzatmigkeit und Konzentrationsmangel. Weitere Symptome sind blasse, trockene Haut, Haarausfall, brüchige oder löffelförmig eingebuchtete Fingernägel, Entzündungen der Zungenschleimhaut, Einrisse der Nasenschleimhaut und Mundwinkel. Auch kalte Hände und Füße, Schlaflosigkeit, Libidostörungen und Impotenz können auf Eisenmangel hindeuten. Falls Eisenmangel-Anämie bei Säuglingen unbehandelt bleibt, kann das Kind teilnahmslos werden.

Diagnose

Eisenmangel-Anämie kann über labormedizinische Untersuchungen des Blutbildes und des Blutes (Eisen, Transferrinsättigung, Ferritin) festgestellt werden. Dabei wird der Eisengehalt gemessen und wieviel Transferrin im Blut enthalten ist. Transferrin ist das Eiweiß, das Eisen im Serum, also in der Blutflüssigkeit außerhalb der roten Blutzellen, transportiert. Wenn weniger als zehn Prozent des Transferrins mit Eisen angereichert sind, deutet das auf einen Eisenmangel hin.
Der empfindlichste Test, um einen Eisenmangel aufzuspüren, ist die Bestimmung der Transferrinsättigung. Auch der Ferritin-Spiegel gibt Auskunft über den Eisengehalt im Blut. Ferritin ist eine Verbindung aus Eiweiß und Eisen, durch die das Eisen im Körper gespeichert wird. Wenig Ferritin signalisiert ein Eisendefizit. Der Ferritinspiegel kann allerdings auch bei Eisenmangel normal oder erhöht sein. Ursachen dafür sind Leberschäden, Entzündungen, Infektionen oder Krebs.
Die Messung von Eisen, Transferrin oder Ferritin ist einzeln nicht aussagekräftig. Sie sollten immer gemeinsam durchgeführt und während der Therapie mehrmals überprüft werden.
Die Retikulozyten-Zählung, ein spezielles Blutbild, zeigt die Zahl der neu entstandenen jungen roten Blutkörperchen (Retikulozyten). Die Eisenmangel-Anämie regt das Knochenmark zur Produktion von mehr roten Blutkörperchen an. Sehr viele junge kleine rote Blutkörperchen (Mikrozyten) sind ein typisches Zeichen für Eisenmangel-Anämie.
Gewebeentnahmen - in diesem Fall Knochenmarkproben - lassen erkennen, warum Blutzellen nicht normal ausgebildet sind. Sie werden bei Verdacht auf Knochenmarkserkrankung durchgeführt - normalerweise reicht bei einer Eisenmangelanämie die Bestimmung des Blutbildes und der Eisenparameter. Die Knochenmarkproben werden gewöhnlich unter örtlicher Betäubung aus dem Hüftknochen durch Punktion (Biopsie) mit einer Nadel entnommen. Der Knochen wird dabei durchstochen, das Knochenmark angesaugt. Manchmal wird Knochenmark auch aus dem Brustbein entnommen, bei jüngeren Kindern aus der Wirbelsäule oder dem Schienbein.

Behandlung

Grundsätzlich verfügt der Körper über die Fähigkeit, Eisenverlust oder erhöhten Eisenbedarf auszugleichen. In diesen Fällen nimmt er doppelt so viel Eisen wie normalerweise aus der Nahrung auf, um das Defizit wieder auszugleichen.
Wenn starke Blutungen der Grund für eine Eisenmangel-Anämie sind, ist der erste Schritt, die Ursache aufzuspüren und die Blutung zu stillen. Bei großem Blutverlust ist eine Transfusion von roten Blutkörperchen die häufigste Methode, um den Mangel schnell wieder auszugleichen.
Bei allzu starken Menstruationsblutungen, blutenden Geschwüren oder Blutungen in den Nieren werden häufig auch Medikamente eingesetzt oder Operationen durchgeführt, um die Blutungen einzudämmen. Eisenmangel durch chronische Blutungen kann normalerweise nicht allein über die Ernährung wettgemacht werden. Sinnvoll zur Nahrungsergänzung sind in diesem Fall eisenhaltige Präparate, die meist als Tabletten verabreicht werden. Die Einnahme erfolgt, bis die Eisenspeicher des Körpers wieder aufgefüllt sind.

Medikamentöse Behandlung
Eisenmangel wird am besten mit Medikamenten behandelt, die zweiwertiges Eisen enthalten (Mittel gegen Blutarmut). Dreiwertiges Eisen kann bei oraler Eisentherapie nicht vom Körper aufgenommen werden. Eisentabletten bestehen meist aus Eisensulfat, Eisenglukonat oder einem Polysaccharid. Der Körper kann das Eisen am besten aufnehmen, wenn die Tablette mindestens eine halbe Stunde vor oder zwei Stunden nach den Mahlzeiten mit einem Glas Wasser oder Vitamin-C-haltigem Saft eingenommen wird. Vitamin C soll die Eisenaufnahme durch den Körper fördern. Kaffee, Tee, Milch und Vitamin-E-Präparate behindern die Aufnahme des Eisens im Darm.
In seltenen Fällen muss Eisen in Form von Injektionen verabreicht werden. Davon sind vor allem Patienten betroffen, die Eisentabletten nicht vertragen oder ständig große Mengen Blut verlieren.
Eisenpräparate färben den Stuhl schwarz, was allerdings eine normale und harmlose Begleiterscheinung dieser Therapie ist. Gelegentlich können Übelkeit und Verdauungsstörungen als Nebenwirkungen vorkommen. Bei längerer Einnahme in hoher Dosierung können Eisentabletten die Nieren, Leber und Herz schädigen.
Gefährlich ist die Aufnahme von Eisenpräparaten bei Eisenverwertungsstörungen und der Eisenspeicherkrankheit.
Eisenbehandlung in der Schwangerschaft
Eine spezielle Gefahr der Eisenmangel-Anämie besteht nur bei sieben Prozent der Schwangeren. Da viele schwangere Frauen besonders im letzten Drittel vor der Geburt einen niedrigen Eisenspiegel im Blut haben, empfehlen die meisten Mediziner in dieser Zeit routinemäßig die Einnahme von Eisentabletten. Der Nutzen von Eisentherapie in der Schwangerschaft konnte in Studien jedoch nicht eindeutig nachgewiesen werden. Hingegen wird der zusätzliche Eisenbedarf meistens aus den Körperdepots und der Nahrung gedeckt.

Ergänzende Maßnahmen
Verfechter von Naturheilmitteln nennen Kräuterblutsaft aus der Apotheke als Mittel zur Behandlung von Eisenmangel. Die Wirksamkeit ist wissenschaftlich nicht erwiesen. In einigen Kurhäusern werden spezielle Trinkkuren aus Eisenquellen angeboten.

Heilungschancen
Eine Eisenmangel-Anämie durch Medikamente oder Injektionen auszugleichen, dauert meist drei bis sechs Wochen. Ist die Blutarmut behoben, sollte die Behandlung noch bis zu sechs Monate lang fortgesetzt werden, um die Eisenreserven des Körpers wieder aufzufüllen. Tritt kein Blut- und damit Eisenverlust mehr auf, bleiben die vollen Eisenspeicher des Körpers danach stabil.

Nachuntersuchungen
Auch während und nach der Behandlung sind Blutuntersuchungen notwendig. Durch die Tests kann bestätigt werden, dass sich der Eisenspiegel im Blut wieder normalisiert hat und eine etwaige Blutung zum Stillstand gekommen ist.


Experten:

Dr. med. Gebhard Breuss (Allgemeinmedizin) Univ. Prof. Dr. med. Dietmar Geissler (Innere Medizin) Dr. med. Peter Kowatsch (Allgemeinmedizin) Dr. med. Rainer Pöhnl (Innere Medizin) Univ. Prof. Dr. med. Michael Wolzt (Pharmakologie)

Zuletzt aktualisiert am:

2007-03-28

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.