Arthrose des Hüftgelenks (Coxarthrose)
Regelmäßige Bewegung, Sport und gezielte Gymnastik helfen, den Verlauf der Arthrose zu bremsen. Die Behandlung mit Medikamenten und physikalischer Therapie kann ebenfalls nur den Krankheitsverlauf verzögern.
Bei starken Beschwerden und Behinderungen kann ein künstliches Gelenk Erleichterung schaffen und die Beweglichkeit wiederherstellen. Doch auch nach einem Eingriff bleiben die richtige Physiotherapie und Bewegung Voraussetzungen dafür, die Funktion des Kunstgelenks zu gewährleisten.
Der Verschleiß des Hüftgelenkes ist eine häufige Gelenkerkrankung, die bei rund fünf Prozent der Bevölkerung auftritt. Rund zehn Prozent der Hüftarthrosen werden bei Personen in einem Alter zwischen 30 und 40 Jahren festgestellt. Ab einem Alter von 60 Jahren kann bei jedem zweiten Erwachsenen Verschleißerscheinungen im Hüftgelenk nachgewiesen werden. Bei den über 90-Jährigen sind es rund 90 Prozent.
Ursachen
Gelenkabnützungen in den Hüften sind in vier von fünf Fällen sekundäre Arthrosen. Das heißt, ihre Ursachen sind - im Unterschied zu dem einen Fünftel der primären Arthrosen - bekannt.
Die Arthrose des Hüftgelenkes kann sich aus nicht ausgeheilten Hüftgelenkerkrankungen, einer angeborenen Fehlstellung der Hüftgelenkpfanne oder der Lösung der Wachstumsfuge während der Pubertät entwickeln. Daraus entstehen - neben der fehlerhaften Ausbildung des Hüftkopfs oder der Hüftpfanne - zusätzlich Achsenfehlstellungen des Schenkelhalses. Die Hüfte wird damit fehlbelastet. Übergewicht und Überbelastung verschlimmern die Beschwerden und können den Verschleiß des Hüftgelenks beschleunigen.
Weil die einzelnen Knorpelzellen - aus welchem Grund auch immer - zu hohem Druck ausgesetzt sind, bekommt das Knorpelgewebe zu wenig Nährstoffe geliefert. Die Knorpelzellen sterben ab und können wegen der Dauerbelastung nicht mehr nachwachsen. In der Folge treten Risse an der Oberfläche auf, Gelenkflüssigkeit kann einfließen, der Gelenkknorpel wird rau und fasert auf. Mit fortschreitendem Alter wird der Gelenkknorpel dadurch immer dünner. Die Abriebteilchen wiederum reizen die Gelenk-Innenhaut, die mit einer Entzündung reagieren kann. Das Gelenk wird nicht mehr ausreichend geschmiert und die Entzündungszellen sondern Enzyme ab, die den Knorpel bis zum Knochen hin auflösen.
Der Prozess geht dann noch einen Schritt weiter: Blutgefäße beginnen zu wachsen und ein Pfropf aus neuem faserigen Knorpelgewebe verstopft das Loch. Das neue Gewebe wird durch Bewegung des Gelenkes aber wieder abgetragen und die Knochenoberfläche freigelegt. Gelenkflüssigkeit kann in den Knochemarksraum eindringen und eine Zyste bilden, die von dem geschwächten Knochen umschlossen wird. Schließlich wird auch langsam der Knochen unter dem Knorpel zersetzt.
Primäre Arthrosen
Als primäre Arthrosen bezeichnen Mediziner jene Fälle von Gelenkabnützungen, bei denen die Ursachen unbekannt sind. Früher wurde angenommen, Arthrosen seien eine Alterserscheinung, so wie Falten oder graues Haar. Diese Ansicht ist aber eine verkürzte Darstellung. Zwar kommen Schäden des Knorpelgewebes im Inneren des Hüftgelenkes bei älteren Menschen bei weitem häufiger vor als bei jungen. Der biochemische Vorgang des Alterns allein lässt aber keine Arthrosen entstehen. Lang andauernde biomechanische Über- und Fehlbelastung sind aber ein Garant für Verschleißerscheinungen.
Sekundäre Arthrosen
Sekundäre Arthrosen haben eine weite Bandbreite an Ursachen: angeborene Fehlstellungen (X-oder O-Beine), Übergewicht, Komplikationen nach Knochenbrüchen, unbehandelte Meniskusverletzungen aber auch Entzündungen (rheumatoide Arthritis) und Stoffwechselerkrankungen (Gicht, Diabetes) Das Arthroserisiko erhöht sich, wenn mehrere dieser Faktoren zusammenkommen. Auch jahrelange Überlastung der Hüftgelenke (Sport, schwere körperliche Arbeit) kann das Entstehen einer Hüftgelenkarthrose beschleunigen.
Ursachen für Hüfterkrankungen nach Häufigkeit:
- 25 bis 45 Prozent: fehlgebildete und unbehandelte Säuglingshüfte
- drei bis fünf Prozent: Durchblutungsstörung des kindlichen Hüftkopfes
- drei Prozent: Unfallfolgen
- zwei Prozent: Durchblutungsstörung der Erwachsenenhüfte
- weniger als ein Prozent: Gichtkristalle, rheumatoide Arthritis
Vorbeugung
Regelmäßige Bewegung ohne Belastung, zum Beispiel Schwimmen, Radfahren und Schi-Langlaufen, halten beweglich. Angemessene Dehn-, Kräftigungs- und Haltungsübungen versorgen den Knorpel besser mit Nährstoffen aus der Gelenkflüssigkeit und können so den Knorpel gesund halten.
Eine richtige Sitzhaltung kann das Hüftgelenk entlasten. Den gleichen Effekt hat Abnehmen auf Normalgewicht mit einer richtigen Ernährung bei Übergewicht.
Früherkennung
Durch ein Ultraschallscreening von Neugeborenen kann eine Fehlstellung der Hüfte festgestellt und bereits früh behandelt werden, zum Beispiel durch breites Wickeln oder einer so genannte Spreizhose. Das Screening ist Teil der Vorsorge und sollte unter allen Umständen wahrgenommen werden.
Auch Klagen von Heranwachsenden über Knie- oder Hüftschmerzen sollten ernst genommen werden, da die Lösung der Wachstumsfuge während der Pubertät zu schwerwiegenden Schäden der Hüftgelenke führen kann und eine operative Therapie gute Ergebnisse zeigt. Kaum ein Mensch hat gleich lange Beine. Das ist bei einem Seitenunterschied bis zu einem Zentimeter ohne schädliche Auswirkungen auf die Gelenke. Bei mehr als einem Zentimeter Längenunterschied ist das Resultat: An der Hüfte des längeren Beines werden Abnützungen begünstigt. Schuheinlagen, beziehungsweise eine entsprechende Erhöhung der Schuhsohle (bis zu drei Zentimeter möglich) können helfen.
Beschwerden
Die Schmerzen bei der Hüftgelenkarthrose können sehr unterschiedlich sein.
- Schmerzen, die in den Leistenbereich ausstrahlen.
- Schmerzen im Oberschenkel oder Kniegelenk (obwohl das Knie gesund ist - besonders typisch für Kinder).
- Schmerzen im Gesäßbereich, die oft Ischiasbeschwerden gleichen.
Typisch sind auch Schmerzen, die etwa fünf bis sechs Minuten nach dem Aufstehen andauern - so genannte Anlaufschmerzen. Im fortgeschrittenen Stadium lassen die Schmerzen auch im Ruhezustand und nachts nicht nach. Sie konzentrieren sich vor allem in der Leistengegend und im Oberschenkel.
Wenn die Verschleißerscheinungen fortschreiten, kann die betroffene Seite nicht mehr so weit nach hinten durchgedrückt werden und das seitliche Abspreizen des Beines wird eingeschränkt. Je stärker die Veränderungen zunehmen, desto mehr beeinträchtigen sie beim Gehen die normale Bewegung. Knie und Wirbelsäule werden dann ebenfalls immer stärker beansprucht. Im Spätstadium kann es zum Hinken kommen und einer typischen Kleinschrittigkeit mit vorgeneigtem Oberkörper.
Diagnose
Aus der Krankengeschichte kann sich der Arzt ein genaueres Bild über die Ursachen der Hüftschmerzen machen. Gelenkschmerzen können mit früheren Verletzungen, berufsbedingten Belastungen aber auch mit einer ganzen Reihe anderer Erkrankungen zusammenhängen. (Rheumatoide Arthritis, etc.).
Die Untersuchung von Bewegungseinschränkungen, Schmerztests und Fehlstellungen der Beine ergeben einen ersten Verdacht.
Zum Standard gehört bei der Röntgenuntersuchung eine Beckenübersichtsaufnahme. Diese kann noch durch Spezialprojektionen ergänzt werden.
Bei einem Infektionsverdacht wird mit Punktion aus dem Hüftgelenk entnommene Gelenkflüssigkeit im Labor untersucht. Das ist vor allem zum Ausschluss von chronisch entzündlichen Gelenkerkrankungen, wie beispielsweise rheumatoider Arthritis wichtig. Allenthalben wird bei einem Entzündungsverdacht auch die Szintigrafie oder bei Verdacht auf Durchblutungsstörungen die zur Beurteilung des Knorpels eingesetzt.
Das ganze Bündel an Diagnosetechniken wird meist dann ausgeschöpft werden, wenn ein Verdacht auf weitere Erkrankungen und Verletzungen besteht, wie etwa
- Meniskusschäden
- Arthrose des Kniegelenkes
- Neurologische Krankheitsbilder
- Sehnenentzündungen
- Gefäßkrankheiten
- Rheumatischen Erkrankungen (z.B. Morbus Bechterew)
- Gicht
- Knochen- oder Gelenktumore (Knochenkrebs)
- Hüftkopfnekrose
Behandlung
Weil eine "kausale" Therapie zur Arthrose-Heilung noch unbekannt ist, stehen bei der Therapie Schmerzlinderung, Erhöhung von Beweglichkeit und Gehleistung, sowie die Verzögerung des Fortschreitens der Arthrose im Vordergrund. Im fortgeschrittenen Stadium spielen die Ursachen der Krankheit für die Therapie der Wahl eher eine untergeordnete Rolle. Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Traumatologie hat ein Therapie-Stufenschema erarbeitet:
Stufe 1 ambulant
Für die ambulante Behandlung von Hüftarthrosen steht ein weites Spektrum an Therapiemöglichkeiten der Physikalischen Medizin und Medikamententherapie zur Schmerzbehandlung zur Verfügung. Ambulant sollte behandelt werden
- bei geringeren Schmerzen
- bei Arthrosen im Frühstadium
- wenn der Betroffene auf eine physikalische Therapie gut anspricht
- bei Patienten unter 50 Jahren
- die Beweglichkeit des Beines und der Hüfte kaum eingeschränkt ist
- bei relativ geringem Leidensdruck
- bei Begleiterkrankungen, die gegen eine Operation sprechen, wie etwa schwere Herz-Kreislauferkrankungen.
Medikamente
Ziel der medikamentösen Therapie ist die Schmerzlinderung.
Lokal und systemisch werden zumeist kortisonfreie entzündungshemmende Salben angewandt. Ihr Einsatz ist vor allem dann Erfolgs versprechend, wenn eine begleitende Entzündung der Gelenk-Innenhaut die Ursache für die Hüftschmerzen ist.
Einige Mittel sollen helfen, weiteren Knorpelschäden vorzubeugen.
(Chondroprotektiva). Dabei sollen den noch gesunden Knorpelzellen Produkte ihres Stoffwechsels von außen durch Injektion in das Gelenk zugeführt werden, um eine erhöhte Produktion anzuregen. Ihre Wirksamkeit ist aber umstritten, weil noch nicht überzeugend nachgewiesen.
Physikalische Therapie
Gegen akute Entzündungserscheinungen und Schmerzen hilft die Kältetherapie. Schmerzlinderung, Durchblutungsförderung und Kapseldehnung kann durch Wärmetherapie, Massage und Bewegungstherapie (Massage, Massage, Muskeldehnungsübungen und Muskelkräftigungsübungen) erreicht werden.
Um verkürzte Muskel zu dehnen und geschädigte Bänder und Sehnen zu entlasten kommen neben der Bewegungstherapie Massage, Niederfrequenztherapie, Wärmetherapie und Ultraschalltherapie - zumeist kombiniert mit Balneo- oder Bädertherapie - zum Einsatz. Bei der Auswahl der geeigneten Therapien ist ein Arzt für Physikalische Medizin hilfreich.
Hilfen für den Alltag
Bewusstes Hinken kann eine kranke Hüfte deutlich entlasten. Durch den Einsatz eines Gehstockes kann beim Gehen die Druckbelastung um etwa 25 Prozent gesenkt werden. Der Gehstock wird dabei auf der Gegenseite, also auf der gesunden Seite getragen. Schuhzurichtungen, wie beispielsweise ein Pufferabsatz wirken Druck abfedernd und dämpfend.
Ernährung
Das Erreichen des Normalgewichtes mit richtiger Ernährung bei Übergewicht kann eine lohnende Maßnahme sein, da eine erhebliche Entlastung der kranken Hüfte erreicht wird.
Gymnastische Übungen
- Zur Muskelaufwärmung und Muskellockerung
ist das Pendeln des Beines nach vorne und hinten empfohlen. Anfänger können sich mit der Hand an einer Wand oder Türrahmen abstützten, Fortgeschrittenen den Fuß auch in Achterschleifen pendeln und kreisen lassen. - Zur Muskeldehnung
- In Bauchlage: Auf den Bauch legen und das Kniegelenk auf der kranken Hüftseite abwinkeln. Der Unterschenkel wird gegen das Gesäß angebeugt, mit dem Handrücken der Fußrücken umfasst und 20 Sekunden gegen das Gesäß gehalten. An der Vorderseite des Hüftgelenkes und der Oberschenkelmuskulatur ist ein Dehnreiz zu spüren. Der Dehneffekt kann verstärkt werden, indem das Becken gegen die Unterlage gedrückt wird.
- Stehend: Einen großen Ausfallschritt machen und in die Knie gehen. Mit beiden Händen auf dem Oberschenkel abstützen und das Bein der zu dehnenden Seite nach hinten wegstrecken. Ein starkes Hohlkreuz sollte dabei vermieden werden.
- In Rückenlage: Auf den Rücken legen und das Knie der erkrankten Hüftseite abwinkeln. Mit beiden Händen das Schienbein umfassen und 20 Sekunden gegen die Brust drücken. Der Dehneffekt wird verstärkt, wenn das Kniegelenk nicht gebeugt, sondern das Bein senkrecht nach oben zu sich herangezogen wird.
- In Rückenlage: Eine weitere Möglichkeit in Rückenlage ist, beide Beine senkrecht nach oben zu strecken. Mit den Händen am Oberschenkel beide Beine zur Seite und nach außen drücken. 20 Sekunden halten.
- Zur Muskelkräftigung
- In Rückenlage: Auf den Rücken legen und ein Bein anstellen. Für acht bis zehn Sekunden mit größtmöglicher Kraft mit der Hand gegen eine weitere Beugung des Beines im Hüftgelenk andrücken.
- In Rückenlage: Das ausgestreckte Bein ungefähr zehn Zentimeter über den Boden heben, die Zehenspitzen anziehen und so acht bis zehn Sekunden verharren.
- In Rückenlage: Eine weitere Möglichkeit in Rückenlage ist, die Beine auszustrecken. Gesäßmuskel anspannen und die Kniekehlen der kranken Hüftseite auf den Boden pressen. Zehen anziehen und die Spannung in Gesäß und Bein acht bis zehn Sekunden halten.
- In Rückenlage: Noch eine Alternative in Rückenlage ist, die Füße durch Beugung im Kniegelenk aufzustellen. Abgewinkelte und abgespreizte Arme nach oben drehen, sodass die Handflächen nach oben zeigen. Das Becken nach oben schieben, bis die Hüften gerade gestreckt sind, aber kein Hohlkreuz und keine Belastung der Wirbelsäule entstehen. Das Becken acht bis zehn Mal heben und senken.
- In Bauchlage: Auf den Bauch legen und das gestreckte Bein zirka zehn Zentimeter über dem Boden schwebend halten. Acht bis zehn Sekunden verharren. Dabei darauf achten, dass kein Hohlkreuz gebildet wird.
- Mit Stuhl oder Gymnastikball: Mit Bauch oder Brust auf einen Stuhlsitz oder großen Gymnastikball legen und sich am Boden mit Händen und Knien abstützen. Ein Bein mit abgewinkeltem Kniegelenk acht bis zehnmal bis zur Waagrechten anheben. Durch Gewichtsmanschetten am Fuß kann der Kräftigungseffekt verstärkt werden.
- Im Sitzen: Auf den Boden setzen, beide Beine abwinkeln und einen Ball aus Schaumstoff oder ein härteres Kissen zwischen die Kniegelenke klemmen. Beine kräftig zusammenpressen und die Spannung acht bis zehn Sekunden halten.
- In Seitenlage: In bequemer Seitenlage das oben liegende Bein leicht nach hinten drücken und das untere gestreckte Bein acht bis zehnmal anheben.
Stufe 2 ambulant/stationär
Zusätzlich zur ambulanten Therapie aus der Stufe 1 werden in der Stufe zwei lokale Injektionsbehandlungen des erkrankten Gelenkes mit Kortisonpräparaten angewandt. Diese Spritzenkur kann, muss aber nicht stationär durchgeführt werden. Die Injektionen sollten wegen der längerfristigen Schädigung des Knorpels und der Infektionsgefahr bei Gelenksinjektionen nur in Abständen von vier Wochen und nicht mehr als sechs gegeben werden.
Stufe 3 stationär
Einen längeren stationären Aufenthalt erfordern Operationen, mit denen eine Knochenumstellung erreicht wird. Diese Operation wird dann durchgeführt, wenn die Arthrose schon weit fortgeschritten ist und zu den Schmerzen auch starke Bewegungseinschränkungen hinzugekommen sind.
Achsenkorrekturen bzw. Knochenumstellungen am Oberschenkel oder an der Hüfte
Die Operationen dienen der Korrektur von Fehlstellungen eines oder beider Gelenkkörper, um die mechanische Beanspruchung im Hüftgelenk zu verbessern und damit das Fortschreiten der Arthrose zu verzögern. Dabei wird etwa je nach Fehlstellung des Oberschenkelknochens auf der Innen- oder Außenseite ein Keil herausgesägt und in die richtige Position eingeschwenkt. Möglich ist auch eine korrigierende Operation am Becken selbst. Dabei wird die Hüftgelenkpfanne nach genauer Vermessung so geschwenkt, dass sie den Gelenkkopf besser überdacht und Fehlbelastungen minimiert werden.
Mit zunehmenden Arthrosestadium und Alter sinken die Erfolgschancen dieser Operationsverfahren allerdings stark ab. Bis das Hüftgelenk wieder voll belastet werden kann, können bis zu zwölf Wochen vergehen. Der Vorteil: Die Möglichkeit eines künstlichen Gelenkersatzes bleibt bestehen.
Die Wahl der Betäubung
Die Operationen können mit lokaler Betäubung oder in Vollnarkose durchgeführt werden. Örtliche Betäubung belastet den Organismus weniger.
Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung während und nach der Operation verringert die Beschwerden beträchtlich.
Risiken und Komplikationen
In für diese Operationen spezialisierten Kliniken ist die Komplikationsrate mit zwei bis vier Prozent vergleichsweise gering. Mögliche Komplikationen: Blutergüsse, langsame Wundheilung, Wundinfektionen, tiefe Beinvenenthrombosen, Embolien, Gefäßverletzungen, Nervenverletzungen. Außerdem kann es operationstechnisch zu einer Verletzung des Gewebes kommen, eventuell können Hüftschmerzen fortbestehen, weil beschädigter Knorpel noch immer die Knochen aneinander reiben lässt. Eventuell kann es zu einem operationsbedingten Beinlängenunterschied oder zu einer Pseudoarthrose kommen.
Beinlängenunterschiede nach der Operation
Die Entstehung eines Beinlängenunterschiedes lässt sich bei Knochenumstellungsoperationen oder der Implantation eines künstlichen Gelenkes nicht immer vermeiden. Es handelt sich hierbei nicht um einen vermeidbaren, operationstechnischen Fehler. In einigen Fällen lassen sich "scheinbare" Beinlängenunterschiede durch krankengymnastische Behandlung ausgleichen. Wenn sich herausstellt, dass das operierte Bein länger ist als das nicht operierte Bein, hilft meistens eine Einlage oder eine Absatz-/Sohlenerhöhung am nicht operierten Bein. Ist das operierte Bein kürzer als das nicht operierte Bein, wird ein Ausgleich erst dann vorgenommen, wenn eine zunehmende Belastung des operierten Beines erlaubt ist und der Beinlängenunterschied mehr als 0,5 cm beträgt. Unter 0,5 cm reicht in der Regel eine Einlagesohle aus.
Falschgelenk (Pseudoarthrose)
Bei älteren Patienten kann sich die Zusammenheilung der umgestellten Knochen verzögern oder der Knochen überhaupt nicht mehr richtig verknöchern. Die Bruchstelle wird nur mehr mit Bindegewebe überbrückt, der Knochen ist an der Schnittstelle beweglich und schmerzt bei Druck und Belastung. Das "Falschgelenk" - auch Pseudoarthrose genannt - muss durch eine neuerliche Operation frisch angeschnitten werden. Eventuell müssen dann für den verbesserten Heilungsprozess Knochenspäne vom Beckenkamm übertragen werden. Eine alternative Methode ist die Anwendung von hochenergetischen Stoßwellen (ähnlich der Nierensteinzertrümmerung), mit der Pseudoarthrosen in circa 40 Prozent zur knöchernen Ausheilung gebracht werden können.
Nachbehandlung
Phase I: Erster bis dritter Tag nach der Operation
In den ersten drei Tagen wird das Bein auf einer Schaumstoffschiene leicht hochgelagert. Lokale Kältetherapie (Eis oder Topfen-/Quarkwickel) und Einfache Schmerzmittel, sowie Antiphlogistika helfen, den Schmerz zu bekämpfen.
Isometrische Spannungsübungen dienen der Krafterhaltung und zur Thrombosenprophylaxe, vom Physiotherapeuten assistierte aktive Bewegungen im schmerzarmen Bewegungsumfang der Erhaltung der optimalen Beweglichkeit.
Lymphdrainage soll nur dann angewandt werden, wenn sicher gestellt ist, dass es keine Wundinfekte gibt. Sie hilft gegen Schwellungen und Inaktivitätsödeme.
Phase II: Vierter Tag bis sechs Wochen nach der Operation:
Ab dem vierten Tag nach der Operation soll mit dem Einüben von alltäglichen Übungen, wie gehen von Bett zu Stuhl oder zur Dusche, An/Auskleiden und später mit Treppensteig- und Gangschulungsübungen begonnen werden. Die Beinbelastungen werden bis zur sechsten Wochen langsam gesteigert.
Vorsichtiger Beginn mit Bewegungstherapie im erlaubten Bewegungsbereich; nach abgeschlossener Wundheilung oder mit wasserdichtem Verband sind Übungen im Bewegungsbad sinnvoll.
Durch Massage werden verklebte Muskeln im Hüftbereich gelöst.
Lymphdrainage soll nur dann angewandt werden, wenn sicher gestellt ist, dass es keine Wundinfekte gibt. Sie hilft gegen Schwellungen und Inaktivitätsödeme.
Bei verletzten Nerven und Schwellungen werden auch verschiedene Formen der Elektrotherapie eingesetzt.
Zusätzlich sollte ein Eigenübungsprogramm zusammengestellt werden.
Phase III: Sechste bis zwölfte Woche nach der Operation:
In der Gangschulung werden die Unterarmgehstützen langsam abtrainiert und in der Krankengymnastik mobilisierende Übungen und Kraftaufbau forciert. Bei komplexen Korrekturen im Hüftbereich kann die Nachbehandlung bis zu sechs Monate in Anspruch nehmen, bis ein Gehen ohne Hinken wieder möglich ist.
Der entscheidende Vorteil dieser Operationen - der Erhalt des eigenen Hüftgelenkes und die Möglichkeit des späteren Ersatzes durch ein Kunstgelenk seien hier nochmals angeführt.
Stufe vier stationär
Künstliches Hüftgelenk
Bei einer Gelenk ersetzenden Operation werden die zerstörten Gelenkanteile entfernt und durch künstliche Teile aus Kunststoff oder Metall ersetzt. Dadurch wird in der Regel eine Schmerzbefreiung und eine Verbesserung der Funktion des Hüftgelenks erreicht. Die Implantation eines künstlichen Hüftgelenkes ist heute mit jährlich mehr als 120.000 Operationen allein in Deutschland ein Standardeingriff.
Da mit zunehmender Implantationsdauer das Lockerungsrisiko steigt, ist der Eingriff in erster Linie für ältere Patienten mit schwerer Arthrose zu empfehlen.
Bei jüngeren Patienten sind Gelenk ersetzende Operationen nur dann empfehlenswert, wenn wegen starker Schmerzen eine Hüftgelenksversteifung die einzige Alternative darstellt.
Die Haltbarkeit moderner Hüftgelenke hat sich gegenüber früher verwendeten Gelenken deutlich verbessert. Anhand großer Untersuchungsserien lässt sich die Haltbarkeit folgendermaßen darstellen: Die Wahrscheinlichkeit einer Zweitoperation wegen Lockerung eines künstlichen Hüftgelenkes liegt in den ersten zehn Jahren bei weniger als drei Prozent, in den ersten 15 Jahren bei weniger als fünf Prozent und in den ersten 20 Jahren nach der Operation bei weniger als zehn Prozent.
Im deutschsprachigen Raum wird derzeit der zementfreie Einbringung von Hüftgelenken der Vorzug gegeben. Auch ist die Verwendung von Knochenzement manchmal erwünscht oder notwendig, vor allem dann, wenn der Knochen durch Osteoporose in seiner Festigkeit herabgesetzt ist.
Kunstgelenke bestehen in der Regel aus zwei Komponenten: Pfannen- und Schaftanteil; diese können entweder in den Knochen einzementiert, verschraubt oder etwa nach dem Feder-Dübel-Prinzip in den Knochen eingepasst werden.
Die Wahl der Betäubung
Die Operation kann mit lokaler Betäubung oder in Vollnarkose durchgeführt werden. Örtliche Betäubung belastet den Organismus weniger.
Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung während und nach der Operation verringert die Beschwerden beträchtlich.
Mögliche Folgen und Komplikationen
In für diese Operationen spezialisierten Kliniken ist die Komplikationsrate mit zwei bis vier Prozent vergleichsweise gering. Auftreten können: Blutergüsse, langsame Wundheilung, Wundinfektionen, tiefe Beinvenenthrombosen, Embolien, Venenentzündungen, Nervenverletzungen, Kapselverkalkungen mit schmerzhafter Einsteifung des operierten Gelenks. Neben den allgemeinen Operationsrisiken kann nach dem Einsetzen des künstlichen Gelenkes ein Beinlängenunterschied auftreten.
Nachbehandlung
Nachbehandlung bei Gelenk ersetzenden Operationen
Ergänzende Maßnahmen
Eine vollständige Auflistung und Einteilung der komplementärmedizinischen Verfahren in anerkannte; zweifelhafte, nicht allgemein anerkannte; oder gesichert nutzlose therapeutische Verfahren ist angesichts der mangelhaften Datenlage kaum durchführbar. Eine Auswahl und Bewertung bestimmter Therapieformen wird aber dennoch angeführt: Diese Bewertung der Einschätzung kann sich in den nächsten Jahren sicherlich wieder verändern und stellt auch derzeit keine Konsensmeinung dar.
- Naturheilverfahren sind:
Hydrotherapie, Thermotherapie, Bädertherapie und Kurorttherapie, Bewegungstherapie und Massage, Massage, Chirotherapie, Chirotherapie - Als unkonventionelle, wissenschaftlich nicht anerkannte Therapieverfahren, die aber von Einzelpersonen als hilfreich empfunden werden, gelten
Magnetfeldtherapie, Elektroakupunktur, Bioresonanztherapie, Bioresonanztherapie. - Als "medizinferne" paramedizinische Therapieformen gelten:
Irisdiagnostik, Astromedizin, Pendeln, Wünschelrute und Magnetophatie.
Leben mit der Krankheit
Arthrosen sind chronische Krankheiten und ihre Therapie deshalb oft lebensbegleitend. Ein Übergang von Behandlung zu Rehabilitation ist deshalb fließend. (Leben mit einem künstlichen Gelenk)
Sport
Bei leichteren Abnützungserscheinungen ist die Frage nach empfehlenswerten Sportarten schwierig zu beantworten. Grundsätzlich ist Sport empfehlenswert, wenn auf die Abnützungserscheinungen Rücksicht genommen wird.
Von besonderer Bedeutung ist ein Gleichgewichtstraining zur Vorbeugung von Stürzen. Geeignet ist etwa das Rückwärtsgehen auf der Treppe. Schwimmen und Radfahren gelten dabei als geeignete Sportarten. Gymnastische Übungen sollten möglichst schonend für die Gelenke im Bereich der Lendenwirbelsäule und Kniegelenk ausgeführt werden. Nach Implantation eines künstlichen Gelenkes sind die Empfehlungen, welche Sportart geeignet ist oder nicht, rigoroser. (Leben mit einem künstlichen Gelenk)
Ernährung
Bei Übergewicht ist eine Gewichtsreduktion bis auf Normalgewicht besonders empfehlenswert. Die Gelenksbelastungen können damit stark reduziert und der Arthroseverlauf verlangsamt werden.
Hilfen im Alltag
Festes Schuhwerk, Schuhzurichtungen mit Pufferabsätzen und weichen Sohlen dämpfen den Auftritt beim Gehen, in unterschiedlichen Variationen lindern den Hüftschmerz. Gehhilfen (wie zum Beispiel zusammenklappbare Spazierstöcke) können ein arthrotisches Hüftgelenk massiv entlasten, Stehstühle bei der Hausarbeit bei Hüftarthrose besonders wertvoll sein. In der Wohnung sollte darauf geachtet werden, Stolperfallen (Teppiche, Kabel) zu beseitigen.