Akute Bronchitis
Bei der akuten Bronchitis sind die Schleimhäute der Atemwege akut entzündet. Die gesamten unteren Atemwege von der Luftröhre bis zu den fein verzweigten Bronchiolen können betroffen sein. Die akute Bronchitis ist eine der häufigsten Erkrankungen der Atemwege. Die Krankheit ist an keine Saison gebunden, tritt jedoch gehäuft in der kalten Jahreszeit auf.
Ursachen
80 bis 90 Prozent aller Bronchitiserkrankungen werden von Viren verursacht, die die Atemorgane infizieren. Zumeist sind das Rhinoviren, Myxoviren (Influenza, Parainfluenza, RS-Viren) oder Adenoviren. Wesentlich seltener sind Bakterien die Ursache einer akuten Bronchitis. In diesen Fällen spricht man von eitriger Bronchitis, weil der Körper auf den Bakterienbefall mit eitrigen Sekreten reagiert. Eitriger Auswurf ist somit ein Anzeichen für eine bakterielle Infektion der Bronchien. Die Bronchialschleimhäute sind dann zumeist durch Viren bereits vorgeschädigt. Die Bakterien, die am häufigsten akute Bronchitis hervorrufen, sind: Haemophilus influenzae, Streptococcus pneumoniae, Mykoplasma pneumoniae, Staphylococcus aureus und Chlamydia pneumoniae. Nicht immer jedoch sind mikrobielle Krankheitserreger (Viren und Bakterien) Ursache für akute Bronchitis. Auch chemische und mechanische Reizstoffe können die Krankheit verursachen. Luftverunreinigungen in der Großstadt durch Schwefeldioxid, Stickoxide, Stäube u.a. oder Belastungen der Atemluft in der freien Natur durch Ozon und Stäube gelten ebenfalls als Verursacher der akuten Form von Bronchitis.
Auch berufsbedingte Belastung der Atemwege durch organische oder anorganische Stäube, wie sie in Baumwollfabriken, Kohlenminen oder bei Arbeit mit Getreide oder Silikaten vorkommt, kann zu akuter Bronchitis führen. Das gleiche gilt für Atemwegsbelastung durch schädigende Gase, beispielsweise in der Kunststoffproduktion (Ammoniak, Isozyanate u.a.).
Pilze spielen als Verursacher von akuter Bronchitis keine Rolle.
Rauchen begünstigt die Krankheit.
Begünstigende Krankheiten
Oft geht der akuten Bronchitis eine schwere Erkältung (grippaler Infekt, "common cold") mit Luftröhrenentzündung und Schnupfen voraus.
Auch Herzkrankheiten und Lungenleiden wie Asthma oder ein Lungenemphysem (Lungenüberblähung) begünstigen die akute Bronchitis. In weiterer Folge sind diese Erkrankungen Voraussetzung dafür, dass die akute Bronchitis oft einen komplizierten Verlauf nimmt (Komplikationen).
Auch eine allgemein schwache Konstitution und Unterernährung sind ein guter Nährboden für die Erreger der akuten Bronchitis.
Bei Kindern sind gleichzeitig mit akuter Bronchitis manchmal vergrößerte Rachenmandeln und Gaumenmandeln zu beobachten.
Außerdem begleitet die akute Bronchitis gelegentlich andere Krankheiten wie Masern, Keuchhusten, Diphtherie, Typhus und Nebenhöhlenentzündung.
Vorbeugen
Die wichtigste Vorbeugemaßnahme ist es, nicht zu rauchen.Belastungen der Atemluft sollten, wo immer das möglich ist, vermieden werden (Wohnbereich).
Beschwerden
Akute Bronchitis entsteht oft in Zusammenhang mit einer Erkältung. Die ersten zwei bis drei Tage bestehen ein allgemeines Krankheitsgefühl, Schnupfen und die typischen Gliederschmerzen. Danach beginnt der Husten und damit die eigentliche akute Bronchitis. Zunächst ist der Husten trocken, dann beginnt Auswurf, zumeist (aber nicht notwendigerweise) begleitet von einer Temperaturerhöhung, die bis über 39 Grad reichen kann. Das Fieber dauert etwa 3 bis fünf Tage an. Die Menge des ausgehusteten zähen Sekrets nimmt mit Verlauf der Krankheit zu und kann dabei Farbe und Beschaffenheit ändern. Zunächst ist es weißlich und schleimig, später durch weiße Blutkörperchen gelblich gefärbt. Grünlicher Farbeinschlag entsteht durch Beimengung von Eiter und kann für eine bakterielle Infektion sprechen. Bräunlich Färbung entsteht durch Blutbeimengung.
Mögliche Folgeerkrankungen und Komplikationen
In etwa 10 Prozent der Fälle von akuter Bronchitis folgt auf die erste (virale) Phase eine zweite, bakteriell verursachte Infektion, die zumeist komplizierter verläuft.
Fieberrückfall ist ein deutliches Zeichen für eine bakterielle Folgeinfektion. Ein weiterer Hinweis ist der Auswurf von eitrigen Sekreten.
Wenn das Fieber länger als 5 Tage andauert, könnte möglicherweise eine Lungenentzündung vorliegen, besonders bei anhaltendem Husten und einseitigen Brustschmerzen. Dieser Verdacht sollte unbedingt von einem Arzt geprüft werden.
Schmerzen an der Stirn und im Bereich des Gesichtes sind Anzeichen für Nebenhöhlenentzündung.
Ein Patient mit häufig wiederkehrender Bronchitis (öfter als einmal im Jahr) läuft Gefahr, dass seine Bronchialschleimhäute dauerhaft geschädigt werden.
Diagnose
Der Allgemeinmediziner erkennt eine akute Bronchitis an ihren typischen Symptomen. Die ersten Anzeichen einer Bronchitis erscheinen oft harmlos. Lässt die Krankengeschichte und der klinische Befund eindeutig erkennen, dass nichts anderes als eine akute Bronchitis vorliegt, ist eine weiterführende Untersuchung zumeist wohl nicht nötig. Stellt sich aber heraus, dass die Erkrankung der Atemwege schlimmer ist als nur ein "banaler" Infekt, ist ein Besuch beim Lungenfacharzt angezeigt. Ein Arztbesuch ist jedenfalls angeraten bei deutlichen Atembeschwerden und Aushusten von Blut.
Schwerer Husten kann immer auch ein Anzeichen dafür sein, dass ein Fremdkörper eingeatmet wurde (Wichtig vor allem bei Kleinkindern, die noch keine genau Auskunft geben können). Wenn nicht ausgeschlossen werden kann, dass ein Fremdkörper eingeatmet wurde, ist eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbes angezeigt. Ebenso, wenn der Verdacht besteht, dass sich die akute Bronchitis zur Lungenentzündung ausweitet.
Behandlung
Die akute Bronchitis geht nach 10 bis 14 Tage normalerweise von selbst vorbei.
Während der Erkrankung sind Ruhe und Schonung angesagt. Bei Fieber sollte das Bett nicht verlassen werden. Es gilt, viel heiße Flüssigkeit zu sich zu nehmen, sodass der in den Bronchien produzierte Schleim besser verflüssigt wird. Im Schleim sind die Krankheitserreger (Viren, Bakterien) und somit sollte dieser aus den erkrankten Atemwegen hinaus. Durch Fieber verliert der Körper zusätzlich Flüssigkeit, welche wieder ausgeglichen werden sollte.
Achtung! Kein Alkohol (beispielsweise Glühwein), denn Alkohol fördert den Flüssigkeitsverlust! Hustentees wie Spitzwegerich oder Thymian wirken krampflösend und fördern den Auswurf. Die üblichen Hausmittel wie Wadenwickel zur Senkung des Fiebers und Anfeuchten der Atemluft schaffen eine gewisse Erleichterung. Auch kann mehrmals täglich mit physiologischer Kochsalzlösung inhaliert werden.
Zur Behandlung der akuten Bronchitis sind normalerweise keine Medikamente nötig. Husten hat durch die reinigende Wirkung auf die Atemwege eine wichtige Funktion im Genesungsprozess und sollte daher nicht sofort unterdrückt werden. Wird der Husten jedoch zur Qual, können schleimlösende Medikamente sinnvoll sein (medikamentöse Behandlung).
Besonders mit Antibiotika ist sparsam umzugehen; umso mehr, als sie oft gar nicht wirksam sind, weil die akute Bronchitis in den meisten Fällen von Viren und nicht von Bakterien verursacht wird. Selbst wenn Bakterien als Erreger nachgewiesen sind, ist eine antimikrobielle Therapie bei akuter Bronchitis im Allgemeinen nicht erforderlich.
Ausnahmen sind Säuglinge und Kinder mit vorerkrankten Lungen (z.B. Mukoviszidose), Herzfehlern oder geschwächter Immunabwehr. Ebenso ältere Patienten und Patienten mit schweren Erkrankungen des Herzens, der Lungen oder der Nieren. Auch bei zusätzlichen bakteriellen Infektionen wie Mittelohrentzündung, Nebenhöhlenentzündung oder Entzündungen von Gaumenmandeln und Rachen kann eine Therapie mit Antibiotika nötig sein.
Heilungschancen
Eine akute Bronchitis mit unkompliziertem Verlauf endet meist von selbst und heilt wieder völlig aus.
Medikamentöse Behandlung
Akute Bronchitis erfordert üblicherweise keine medikamentöse Behandlung. Sollen Krankheitssymptome wie Fieber oder Husten medikamentös behandelt werden, sind die Mittel der Wahl:
Zur Fiebersenkung: Azetylsalizylsäure oder Paracetamol.
Husten, der die Nachtruhe stört, kann mit kodeinhaltigen Mitteln behandelt werden.
Methylxanthine werden bei Atemnot empfohlen. Sie bewirken eine Erweiterung der Luftwege und erleichtern so das Atmen. Möglicherweise wirken sie zusätzlich entzündungshemmend.
Sekretlösende Mittel lockern den Schleim und erleichtern das Abhusten bei zähem Schleim und Reizhusten. Die Therapie mit diesen Sekretolytika gilt als umstritten.
Gegen eine bakteriell verursachte akute Bronchitis (etwa 25 Prozent aller Bronchitis-Erkrankungen) können Antibiotika (Amoxicillin, Erythromycin) eingesetzt werden.