Asthma bronchiale
Asthma ist eine chronische und in Anfällen auftretende Erkrankung der Atemwege, die darauf zurückzuführen ist, dass die Bronchien eine ständige Bereitschaft für Entzündung haben. Dadurch schwellen die Schleimhäute an und zäher Schleim verlegt die Atemwege. Die Reizung der Bronchien kann einen Asthma-Anfall auslösen: Die Muskulatur in den Atemwegen (Bronchialmuskulatur) verkrampft und verengt sich, bis der Schleim die Bronchien fast völlig verstopft. Das löst Husten, Luftnot und krampfhaftes Atmen aus.
Asthma ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen und betrifft in der westlichen industrialisierten Welt etwa 5-10 Prozent der erwachsenen Bevölkerung und 10-15 Prozent der Kinder - bei insgesamt steigender Tendenz. Dennoch geht die Zahl derjenigen, die an der Krankheit sterben, leicht zurück. Asthma ist in den westlichen industrialisierten Ländern stärker verbreitet als in den Entwicklungsländern - eine Lücke, die sich jedoch nach und nach schließt. Ein Grund für die Zunahme von Asthma könnte sein, dass immer mehr Zeit in geschlossenen Räumen verbracht wird, wo sich Asthmaauslöser konzentriert ansammeln können.
Die Krankheit kann in jedem Alter beginnen. Jeder Zweite erkrankt allerdings bereits im Kindesalter vor dem zehnten Geburtstag. Jeder Dritte ist nicht älter als 40, wenn er zum Asthmatiker wird. Asthma bronchiale ist damit die häufigste chronische Krankheit bei Kindern. Vor allem allergisches Asthma wird ständig häufiger. In der Kindheit sind überwiegend Jungen betroffen, bis zum Alter von 30 Jahren gleicht sich dieser Unterschied aus. Etwa 20-30 Prozent der betroffenen Kinder haben als Erwachsene keine Symptome mehr.
Ursachen
Die erhöhte Erregbarkeit der Bronchialmuskulatur kann angeboren sein oder resultiert aus Vorerkrankungen (Virusinfektionen).
In der Mehrzahl der Fälle hat Asthma allergische Ursachen. Es gibt aber auch Asthmatiker, bei denen sämtliche Allergietests negativ verlaufen. Man spricht dann vom so genannten intrinsischen oder endogenen Asthma. Oft lassen sich Asthmatiker nicht klar einer der beiden Gruppen zuordnen. Beginnt Asthma im frühen Lebensalter, besteht meist eine ausgeprägte allergische Komponente; entwickelt sich das Asthma im fortgeschrittenen Lebensalter, sind die Ursachen eher nicht allergisch. Oft sind mehrere Ursachen wirksam. Ein erhöhtes Risiko für Asthma haben Personen, die als Kind unter Heuschnupfen, Neurodermitis oder Milchschorf gelitten haben oder deren direkte Verwandte diese Krankheiten haben. Als sicher gilt heute, dass die Krankheit selbst nicht aufgrund psychischer Ursachen entsteht. Bei Erkrankten werden Asthma-Anfälle freilich schon durch psychische Faktoren ausgelöst, etwa durch angstbesetzte Gedanken wie »Ich habe mein Dosieraerosol vergessen«. Auch Ärger, psychische Belastung, Stress, Trauer, Trennungsangst, Eifersucht und sexuelle Erregung können Asthma-Anfälle auslösen. Bei Befragungen berichteten etwa zwei Drittel der Betroffenen über solche psychischen Auslöser, ein Drittel der Asthmatiker führt die Anfälle auf akute oder länger dauernde emotionale Belastungen zurück. Diese subjektiven Berichte über psychische Auslöser von Asthma-Anfällen werden durch Experimente bestätigt, die eine leichte Einengung der Atemwege unter Stressbedingungen und bei starker emotionaler Beteiligung ergeben haben.
Als Asthma bewirkende Faktoren gelten:
- Vererbung: Nichtraucher mit Eltern, die unter Asthma leiden, erkranken häufiger an Asthma als Raucher mit Eltern ohne Asthma.
- Rauchen: Das Rauchen macht bei jedem fünften Tabakkonsumenten die Bronchien früher oder später überempfindlich. Auch Kinder von rauchenden Eltern sind besonders gefährdet.
Häufig sind es mehrere Faktoren, die zusammen Asthma verursachen, wobei eine genetische Veranlagung zur Überempfindlichkeit der Bronchien (Hyperreaktivität) in der Regel vorhanden ist.
Allergisches Asthma
Prädisponierte Menschen reagieren auf eingeatmete Allergene (das sind Auslöser von allergischen Reaktionen). Eine allergische Reaktion ist ein überschießendes Verhalten des Immunsystems. Das menschliche Immunsystem ist darauf eingerichtet, körperfremde Eiweißstoffe anzugreifen und mittels Antikörpern unschädlich zu machen. Das ist normal und geschieht unbemerkt ununterbrochen. Allergisch ist die Reaktion dann, wenn auf einen an sich normalen Reiz eine übergroße Menge Antikörper produziert wird. Irgendwann zuvor muss eine Sensibilisierung des Immunsystems stattgefunden haben, das heißt, der Patient muss über einen hinreichend langen Zeitraum mit ausreichend viel Allergenen in Kontakt gekommen sein. Ist die Sensibilisierung erfolgt, erhöht der Kontakt mit Allergenen im Falle von Asthma die Empfindlichkeit der Atemwege binnen weniger Minuten. Allergene finden sich oft im häuslichen Bereich:
- Sporen von Schimmelpilzen oder Hefen, z. B. in feuchten Kellern und Räumen, im Wald, auf Blumenerde oder auf Käse.
- Hausstaub oder Hausstaubmilben: Bis zu 10.000 Milben befinden sich in einem einzigen Gramm Hausstaub. Die Milben ernähren sich überwiegend von den Hautschuppen, die der Mensch im Laufe seines Lebens andauernd verliert. Allergieauslösend wirkt der ganz fein zerstäubte Kot der Milben, der eingeatmet wird (v.a. beim Staubsaugen oder Bettenmachen).
- Tierhaare (von Katze, Kaninchen, Hund, Hamster, Pferd, Schafen etc.), Tierschuppen, Federn (auch Bettfedern).
- Die Zimmerpflanze Ficus benjamin enthält eines der stärksten Allergene und findet sich in vielen Haushalten.
- Pflanzliche Pollen von Bäumen, Kräutern und Gräsern (z.B. Haselnuss, Erle, Eibe, Pappel).
- Insektengifte wie z. B. das Gift von Wespen oder Bienen.
- Nahrungsmittel wie Fisch, Eier, Milch, Obst, Nüsse und Konservierungsstoffe.
Asthma, das später im Leben ausbricht, ist üblicherweise vom intrinsischen oder nicht-allergischen Typ. Dennoch können auch Erwachsene allergisches Asthma entwickeln.
Asthma am Arbeitsplatz
Jeder zehnte Asthmatiker erkrankt durch die berufliche Belastung mit Schadstoffen an Asthma. Reinigungskräfte sowie in der Landwirtschaft und der Kunststoff verarbeitenden Industrie tätige Personen gelten als gefährdet. Unzählige verschiedene Substanzen können am Arbeitsplatz Asthma hervorrufen:
Stäube von Pflanzen (z. B. Holz, Getreide, Mehl, Kaffee), Medikamentenstäube (z. B. Antibiotika), Metallstäube, chemische Lösungsmittel (Isocyanate), Kunststoffe, Chemikalien oder biologische Enzyme (Waschmittel). Teilweise funktioniert der Auslösemechanismus von Asthma auch hier über das Immunsystem und ist somit vom allergischen Typ. Andere Auslöser bewirken direkt die Verkrampfung der Bronchialmuskulatur oder setzen die auslösenden Stoffe frei.
Asthma als Reaktion auf körperliche Anstrengung
Bei tiefer und rascher Atmung, vor allem von kalter Luft, können sich die Bronchien reflexartig zusammenziehen, weil sie unterkühlt und ausgetrocknet sind. Gelegentlich kann auf diese Weise auch starkes Lachen zu einem Anfall führen. Sportliche Betätigung im Winter bei kalter, trockener Luft löst eher einen Anfall aus als Schwimmen im Hallenbad. Bei entsprechender Behandlung ist Ausdauertraining jedoch nicht nur zulässig, sondern auch sehr nützlich und sollte daher immer Teil einer umfassenden Asthmatherapie sein (Körperliches Training bei Asthma).
Infektbedingtes Asthma
Infekte können unmittelbar oder langfristig die Neigung zu Asthma beeinflussen. Für kurzfristige, akute Asthmaanfälle sind Infekte des Atmungstraktes die häufigsten Auslöser überhaupt. Viren (nicht Bakterien) spielen die entscheidende Rolle. Zu lang anhaltender Übererregbarkeit können besonders virale Infekte in der Kindheit führen (RS-Virus = Respiratory syncytial virus, Parainfluenza-Virus etc.). Daneben können aber auch scheinbar geringfügige virale Infekte des Atemtraktes zu einer langfristigen Überempfindlichkeit der Luftwege führen. Im Erwachsenenalter wirken vor allem Rhinoviren und Influenzaviren als Asthmaauslöser.
Asthma als Reaktion auf Medikamente wie z. B. Schmerzmittel (Acetylsalicylsäure) und Penicillin.
Asthma als Reaktion auf emotionalen Stress
Emotionaler Stress spielt bei nahezu der Hälfte der Patienten eine gewisse Rolle. Psychische Faktoren können die Neigung zu Asthma beeinflussen und den Krankheitsverlauf selbst verschlechtern oder verbessern (Reaktion auf Konfliktsituationen, Gerüche etc. sind möglich).
Asthma als Reaktion auf Umweltbelastung
Ozon (Bodennahes Sommer-Ozon, Ozon aus Kopiergeräten u.a.) und Stickstoffdioxid (Abgase) können auch zu asthmatischen Reaktionen führen.
Begünstigende Krankheiten
Charakteristische Begleiterkrankungen des allergischen Asthma, die oft bereits im Kindesalter auftreten, sind Neurodermitis, Heuschnupfen und Milchschorf.
In der Krankheitsgeschichte von allergischen Asthmatikern tauchen auch oft Nesselsucht, häufiger Schnupfen und Ekzeme auf. Manchmal zeigt sich eine Prädisposition, die anhand dieser typischen Vorerkrankungen erkennbar wird, nicht einmal am Asthmatiker selbst, sondern an anderen Familienmitgliedern.
Vorbeugung
Wer empfindliche Bronchien hat, sollte Stoffe, auf die er empfindlich reagiert, meiden. Kinder wie Erwachsene sollten weder aktiv noch passiv Zigarettenrauch ausgesetzt sein.
Um Kinder vor Asthma zu bewahren, ist es besser, sie nicht in »klinisch reiner Umgebung« aufwachsen zu lassen. Studien haben ergeben, dass eine gewisse Konfrontation mit Schmutz und Bakterien nötig für die "Abhärtung" des Immunsystems ist. Bei der Suche nach den Ursachen der deutlich geringeren Asthma-Häufigkeit in der ehemaligen DDR stießen Forscher auf eine unerwartete Ursache – das »Potty«-Phänomen. Die ostdeutschen Kleinen teilten sich in den Kindergärten das Töpfchen (Potty) und kamen so ausreichend mit infektiösen Keimen in Berührung - das schützte sie offensichtlich vor dem allergischen Asthma. Andere Untersuchungen ergaben, dass Kinder auf Bauernhöfen, die unter weniger "guten" hygienischen Bedingungen aufwachsen und deutlich mehr Kontakt mit "Schmutz" haben als Stadtkinder, ebenfalls weniger häufig an Asthma erkranken. Übermäßige Hygiene sollte daher vermieden werden.
Ein gutes Raumklima mit ausreichender Feuchtigkeit tut den Bronchien ebenfalls gut, Schimmelbildung an zu feuchten oder schlecht gedämmten Wänden und in Biomüll-Behältern sollte aber unbedingt vermieden werden.
Gegen Hausstaubmilben hilft, häufig zu lüften und das Bett trocken zu halten. Das gelingt besser, wenn das Bett tagsüber offen bleibt und nicht mit einer Tagesdecke abgedeckt wird. Waschbare Polster und Decken sind zu bevorzugen, Milben auf Plüsch-Kuscheltieren können in der Tiefkühltruhe bei minus 20 Grad Celsius abgetötet werden.
Früherkennung
Menschen, die berufsbedingt mit asthmaauslösenden Substanzen arbeiten, sollten sich regelmäßig einer Lungenfunktionsüberprüfung beim Lungenfacharzt unterziehen.
Beschwerden
Die typischen Anzeichen von Asthma sind anfallsweise auftretende Atemnot, Husten und glasiger Schleim, insbesondere nachts und am frühen Morgen. Asthma-Anfälle können in wenigen Minuten entstehen und einige Stunden andauern. In der Regel ist der Betroffene nach dem Anfall über längere Zeiträume beschwerdefrei.
Der Anfall beginnt oft mit Husten, pfeifender Atmung, Kopfschmerzen, Schwitzen, Schmerzen in der Brust und Kurzatmigkeit, aus der rasch Atemnot wird. Besonders das Ausatmen fällt schwer. Die Atemfrequenz steigert sich auf mehr als 20 Atemzüge pro Minute, das Herz schlägt mehr als 100 Mal pro Minute. Die Brust fühlt sich wie eingeschnürt an. Der Betroffene muss husten, hat Atemnot und Angst, zu ersticken, da er die eingeatmete Luft nur noch schwer ausatmen kann. Solche Anfälle sind zu jeder Tageszeit möglich, häufig treten sie während der Nacht und am frühen Morgen auf. Je stärker der Anfall, desto länger dauert er in der Regel. Die Anfälle können nach einigen Minuten abklingen, aber auch Stunden andauern. Danach erscheint der Betroffene oft wieder über längere Zeiträume beschwerdefrei.
Es gibt aber auch Phasen mit andauernder Atemnot (sogenannter Status asthmaticus). Selten kommt es zur "asthmatischen Krise", bei der sich die Atemmuskulatur erschöpft und künstliche Beatmung durch einen Arzt nötig wird.
Seltene, außergewöhnlich schwere Anfälle können tödlich enden. Alarmzeichen sind:
- Kalter Schweiß,
- Herzjagen: über 150 Schläge pro Minute,
- Unruhe des Patienten oder auch allgemeine Erschöpfung,
- blaurote Färbung der Lippen oder Nagelbetten durch Sauerstoffmangel des Blutes.
Die Verkrampfung der Atemwege kann sich spontan lösen oder muss durch entsprechende Therapie beseitigt werden. Wenn sich die Zeichen trotz verschärfter Therapie nicht rasch legen, ist sofortige ärztliche Hilfe angeraten. Die Konzentrationen von Sauerstoff und Kohlendioxid im Blut des Patienten und andere Lungenfunktionstests (PEF, FEV1) müssen dann laufend erhoben werden (Spirometrie).
Der Unterschied von Asthma und chronischer Bronchitis lässt sich am besten an folgenden Symptomen erkennen:
| Asthma | Bronchitis | |
| Husten: | vor allem nachts | am Morgen |
| Atemnot (Dyspnoe): | in Ruhe (nachts) | bei Belastung |
| Behinderung des Atemstroms zwischendurch aufgehoben: |
gut | kaum |
| Schwankungen der Atemwegsbehinderung im Tageslauf: |
groß | gering |
Mögliche Folgeerkrankungen und Komplikationen
Werden die schädlichen Belastungen während der Krankheit nicht vermieden, kann es zu bleibenden Veränderungen der Lungenfunktion kommen. Gesteigerte Anfälligkeit für bakterielle Infektionskrankheiten, Lungenentzündung, Bronchitis kann in weiterer Folge auch zu einem Lungenemphysem führen.
Diagnose
Der Lungenfacharzt erstellt die Diagnose. Eine umfassende Aufnahme der Krankheitsgeschichte ist bei der Identifizierung der verschiedenen Auslöser von Asthma besonders wichtig. Durch genaue Angaben der anfallsauslösenden Umstände kann der Patient viel zur Eingrenzung der möglichen Auslöser beitragen.
Grunddiagnose
Zu den ersten Diagnosemaßnahmen gehört die Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie). Bei der Spirometrie wird die Durchgängigkeit der Atemwege und das Lungenvolumen unter bestimmten Bedingungen gemessen. Wie viel Atemluft die Atemwege innerhalb eines bestimmten Zeitraums passieren kann, wird gemessen und mit einem standardisierten Wert verglichen. Mit dem Peak-flow-Meter wird der maximale Fluss der Ausatmung (Peak expiratory flow, PEF) festgestellt und mit einem Sollwert (das ist ein standardisierter Wert) oder dem persönlichen Bestwert verglichen. Erreicht der Patient 70 bis 90 Prozent des Sollwertes bzw. des individuellen Bestwertes, besteht leichte Beeinträchtigung der Atemfunktion. 50-70 Prozent des Sollwertes bzw. des individuellen Bestwertes, bedeuten mittelschwere Beeinträchtigung, und weniger als 50 Prozent des Sollwertes bzw. des individuellen Bestwertes weisen auf schwere Beeinträchtigung der Atemfunktion hin. Einfache Formen des Peak-flow-Meters gibt es für die Selbstbeobachtung des Patienten im Handel (Hilfsmittel).
Ein anderer wichtiger Wert, der so genannte FEV1(forciertes exspiratorisches Einsekundenvolumen), gibt an, wie viel Atemluft innerhalb einer Sekunde aus der Lunge gepresst werden kann. Der FEV1 wird in Prozent der Vitalkapazität angegeben. Ist der gemessene Wert gegenüber einem Standardwert vermindert, spricht das sehr für eine Beeinträchtigung der Durchgängigkeit der Atemwege. Kleinkinder können Schwierigkeiten beim Durchführen der Lungenfunktionsprüfung haben. Reichen die Symptome allein nicht aus zur eindeutigen Diagnosestellung, hilft oft nur Behandlung auf Verdacht unter genauer Beobachtung durch den Lungenfacharzt.
Diagnostik des Anfallsauslösers
Wenn die Spirometrie normale Werte zeigt, obwohl Verdacht auf Asthma gegeben ist, können zur Eingrenzung der Anfallsursachen die Atemwege mit möglichen Asthmaauslösern gereizt werden. In diesem so genannten bronchialen Provokationstest wird der FEV1 vor und nach der künstlichen Reizung gemessen. Wenn der FEV1 um mindestens 20 Prozent absinkt, verhärtet sich der Verdacht auf Asthma.
Beim unspezifischen bronchialen Provokationstest werden die Atemwege zumeist mit steigenden Dosen von Histamin und Acetylcholin gereizt. Bei entsprechendem Verdacht können Auslöser wie körperliche Belastung oder Einatmen von kalter Luft (minus 20 Grad Celsius) als Reizmittel verwendet werden.
Der spezifische bronchiale Provokationstest ist Teil der Allergiediagnostik. Die Atemwege werden gezielt mit Lösungen der hauptverdächtigen Allergene gereizt. Dabei sollen die einzelnen asthmaauslösenden Substanzen identifiziert werden.
Allergiediagnostik
- Hauttestung erfolgt mittels Prick-Test. Dabei wird eine Lösung mit winzigen Spuren der verdächtigen Substanz unter die Haut geritzt (üblicherweise am Arm). Das Entstehen einer Quaddel nach etwa 10 Minuten zeigt eine allergische Reaktion auf die jeweilige Substanz an. Etwa 20 Substanzen können so in einem Testdurchgang geprüft werden. Nicht in jedem Fall ist der Test verlässlich.
- Der Test auf IgE-Antikörper misst das Vorkommen dieser Antikörper im Blut desPatienten. Eine hohe IgE-Konzentration stärkt den Verdacht, dass ein Allergen das Asthma auslöst.
Verlaufsdiagnostik
Die mitunter völlige Beschwerdefreiheit kann den Patienten zur Fehleinschätzung seines Zustandes führen. Richtige Medikation und Therapie werden dann oft vernachlässigt. Daher ist es wichtig, den Verlauf der Krankheit genau zu beobachten. Der Patient sucht zur Verlaufsdiagnose mittels Spirometrie den Lungenfacharzt auf. Zusätzlich kann der Patient den Verlauf seiner Krankheit mittels Peak-flow-Meter (Hilfsmittel) selbst erfassen und verfolgen. Nach einem schwerem Asthmaanfall ist die Blutgasanalyse durch den Facharzt angeraten. Dabei wird der Gehalt an Sauerstoff und Kohlendioxid des Blutes gemessen. Bei andauernd abgesenktem Sauerstoffgehalt des arteriellen Blutes besteht Verdacht auf Verschluss von Atemwegen durch Schleimpfropfen. Besonders wichtig ist die Blutgasanalyse beim Status asthmaticus. (Ein Status asthmaticus dauert Stunden, wobei sich die Patienten muskulär erschöpfen und der Gasaustausch bald nicht mehr in ausreichender Form gewährleistet ist.)
Ergänzende Diagnostik
Zu den ergänzenden diagnostischen Maßnahmen zählen
- Lungenröntgen. Um andere Krankheiten an der Lunge (oder anderen Organen wie das Herz) auszuschließen oder zu erkennen wird oft eine Röntgenuntersuchung der Lungen durchgeführt.
- Elektrokardiogramm (EKG)
- Bronchoskopie. Dabei wird dem Patienten ein kleines optisches Gerät entweder über ein starres Rohr (über den Mund) oder ein biegsames Endoskop (über Mund oder Nase) in die Bronchien geschoben. Die Fiberoptik bietet einen wesentlich weiteren Einblick in die Bronchien. Dabei kann eine Gewebeentnahme (Biopsie) gemacht werden. Lokale Betäubung oder kurze Vollnarkose sind für diese Untersuchung erforderlich.
Behandlung
Die Vermeidung der auslösenden Belastungen bringt oft Erfolg. Ist es gelungen, die Auslöser der Verkrampfung der Atemwege festzustellen, sollten diese so weit wie möglich gemieden werden. Dazu zählen auch Medikamente wie Betarezeptorenblocker (hemmen die Erweiterung der Bronchien) und manche Schmerzmittel (nichtsteroidale Antirheumatika) und Konservierungsstoffe. Neben eher einfach durchführbaren Maßnahmen können massive Beeinflussungen der Lebensführung unvermeidlich sein: So kann es nötig werden, sich von Haustieren, gegen deren Haare eine Allergie vorliegt, zu trennen oder sogar den Beruf zu wechseln. Asthma-Patienten sollten ausreichend trinken, weil das Wasser den Schleim in den Bronchien flüssiger macht. Das Inhalieren von Kochsalzlösung oder Sole mit Inhalatoren ist ebenfalls sinnvoll.
Akute Anfälle
Durch die beklemmende Atemnot stellt sich bei akuten Asthmaanfällen oft Angst vor dem Ersticken ein. Daher kann es oft der erste Schritt der Hilfeleistung sein, den Betroffenen zu beruhigen. Schnell und verlässlich wirkende Medikamente sollten immer zur Hand sein.
Gute Strategien, beängstigenden Situationen während eines Anfalls zu begegnen, sind:
- Notfallmedikamente einnehmen,
- Ruhe bewahren,
- mit der Lippenbremse atmen,
- den Betroffenen bei den eingeübten Atemtechniken unterstützen,
- den Betroffenen bei atemerleichternden Körperstellungen zur Seite stehen,
- wenn nötig Notarzt rufen.
Günstige Körperstellungen bewirken, dass der Brustkorb maximal weit gestellt und ein größtmögliches Lungenvolumen bei ansonsten spastischen Bronchien erzielt wird. Richtige Körperstellungen beim Asthmaanfall sind:
- Reitsitz: Auf einen Sessel setzen, Lehne vor der Brust. Arme auf die Lehne legen, Kopf auf die Arme (das gleiche lässt sich auch auf einer Tischplatte praktizieren).
- Kutschersitz: Sitzhaltung vornüber gebeugt, die gegrätschten Beine stehen fest auf dem Boden, die Ellbogen sind vorne auf die Oberschenkel gestützt. Eventuell den Kopf mit den Händen stützen.
- Richtiges Stehen: Rücklings an eine Wand (o.ä.) lehnen. Vornüber beugen und mit den Händen auf die Oberschenkel stützen.
Langzeitbehandlung
Die Erfahrung hat gezeigt, dass es für Asthmatiker und Asthmatikerinnen wesentlich ist, selbst zum Experten oder zur Expertin für ihre Erkrankung zu werden und im Rahmen eines ärztlich betreuten Selbstmanagements eine größere Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. Verhaltensorientierte Patientenschulungen, Selbsthilfegruppen, Asthma-Sportgruppen und die Zusammenarbeit mit einem Arzt unterstützen die Betroffenen auf diesem Weg.
Patientenschulungen in kleinen Gruppen ermöglichen das langfristige Erlernen eines eigenverantwortlichen Selbstmanagements. In den Schulungen lernen die Betroffenen und die Eltern von erkrankten Kindern, die Medikamente gemäß dem Stufenschema der Asthmabehandlung zu verwenden, auf Asthma-Anfälle rasch und sicher zu reagieren und die Atmung mit Bedarfsmedikamenten wieder zu normalisieren.
Wichtig dabei ist, die richtige Handhabung der Inhalatoren (Dosieraerosol: Die Wirkstoffe gelangen in feinsten Tröpfchen in die Atemwege; Pulverinhalator: Fein pulverisierte Wirkstoffe werden eingeatmet) und Anwendung des Spacers, zu lernen. Schätzungen gehen davon aus, dass 90 Prozent der asthmabedingten Krankenhauseinlieferungen bei richtigem Gebrauch der Medikamente vermeidbar wären.
- Die Verminderung der Wirksamkeit der auslösenden Substanzen:
Ist der Allergieauslöser bekannt, kann durch wiederholtes Injizieren dieser Substanz eine schrittweise Verringerung der Empfindlichkeit gegenüber diesem Stoff erreicht werden. Über die Wirkung einer solchen Hyposensibilisierung oder Immuntherapie gibt es jedoch nur wenige kontrollierte Studien, die alle keinen großen Effekt nachweisen. Voraussetzung für die Wirksamkeit ist der exakte Nachweis des auslösenden Allergens und Beschränkung der Hyposensibilisierung auf maximal zwei Allergene. - Vermeidung von Substanzen, die die Situation verschlimmern (können)
- Zigaretten rauchen - aktiv und passiv - sollte für Asthmatiker zum Tabu werden.
- Beta-Rezeptorenblocker vermeiden: Sie hemmen die Erweiterung der Bronchien.
- Nichtsteroidale Antirheumatika
- bestimmte Konservierungsmittel wie Sulfite
Medikamente
Asthmamedikamente werden zur Bekämpfung akuter Anfälle oder zur Langzeitbehandlung eingesetzt. Das Einatmen der Wirkstoffe stellt die wichtigste, schnellste und wirksamste Behandlungsform dar und sollte daher immer an erster Stelle aller medikamentösen Maßnahmen erfolgen. Die Wirkung erfolgt innerhalb weniger Atemzüge.
Behandlung akuter Asthmaanfälle
Bei der Behandlung akuter Asthma-Anfälle werden kurz wirksame bronchienerweiternde Wirkstoffe inhaliert. Neun von zehn Anfällen können dadurch günstig beeinflusst werden. Diese Mittel können aber auch vorbeugend eingesetzt werden, etwa vor einer körperlichen Belastung, die zu einem asthmatischen Anfall führen könnte. Kurz wirkende Betasympathikomimetika, Methylxanthine oder Anticholinergika sind Bronchodilatatoren, das heißt, sie wirken der Verkrampfung der Bronchialmuskulatur entgegen. Sie werden deshalb "Reliever" oder Erleichterer genannt, weil sie nach Bedarf inhaliert werden und jederzeit zur Hand sein sollten. Sie erleichtern die Atmung umgehend, indem sie die Atemwege entspannen und erweitern. Lang wirksame Beta2-[Sympatho]Mimetika werden bei schwereren Erkrankungen auch vorbeugend inhaliert.
Mittel zur Erweiterung der verkrampften Bronchien wirken schnell. Bis zu 90 Prozent der Anfälle sind durch ziemlich einfache medikamentöse Maßnahmen rasch günstig zu beeinflussen. Der schnelle Erfolg birgt jedoch die Gefahr, das Patienten in Eigenregie die weitere Therapie aussetzen. Bestimmte kurzfristig wirkende Betasympathikomimetika sollten nicht zu oft zum Einsatz kommen. Werden sie mehrmals täglich benötigt, gehört das Therapiekonzept neu überdacht.
Langzeitbehandlung von Asthma
Die als "Controller" oder Beschützer bezeichneten Langzeitmedikamente wirken vorbeugend den chronischen Entzündungen der Bronchien entgegen. Kortison zum Einatmen in Sprayform ist dazu wie kein anderes Medikament geeignet. Es beugt Asthma-Anfällen vor und dämpft die ständige Entzündungsbereitschaft in den Atemwegen. Bei schwerem Asthma kann Kortison zeitweise oder auf Dauer als Tabletten eingenommen werden.
Für die medikamentöse Langzeitbehandlung gibt es ein Stufenschema. Die Behandlung mit Arzneimitteln wird individuell angepasst. Die Dosis kann je nach Befinden und dem Wert der selbst gemessenen Lungenfunktionswerte stufenweise gesteigert oder verringert werden.
Stufe 1 - intermittierendes Asthma:
ist gegeben bei Lungenfunktionswerten von mehr als 80 Prozent des persönlichen Bestwertes und bis zu zwei Anfällen pro Woche. Auf dieser Stufe ist die Inhalation von kurz wirksamen Beta2-Sympathikomimetika als Dosieraerosol oder Pulverinhalat sinnvoll - und zwar bei Bedarf oder vorbeugend bei Anstrengungsasthma.
Stufe 2 - leichtes Dauerasthma:
Häufigere Asthmaanfälle pro Woche, aber nicht täglich. Mehr als zwei Anfälle pro Monat in der Nacht. Die Lungenfunktionswerte liegen über 80 Prozent des persönlichen Bestwertes. Auf dieser Stufe sollten niedrig dosierte Glukokortikoide (kleine Dosis Kortison zum Inhalieren) und zusätzlich regelmäßig kurz wirkende Betas2-Sympathikomimetika als Dosieraerosol oder Pulverinhalat eingesetzt werden.
Stufe 3 - mittelgradiges Dauerasthma:
Anfälle täglich, in der Nacht mehr als einmal pro Woche. Die Lungenfunktionswerte liegen zwischen 60 und 80 Prozent des persönlichen Bestwertes. Inhalation von mittelhoch dosierten Glukokortikoide (Kortison), je nach Bedarf Inhalation von kurz wirksamen Beta2-Sympathikomimetika als Dosieraerosol oder Pulverinhalat und zusätzlich regelmäßig lang wirksame Beta2-Sympathomimetika.
Stufe 4 - schweres Dauerasthma:
Ständige Asthmasymptome, tagsüber und in der Nacht. Die Lungenfunktionswerte sind niedriger als 60 Prozent des persönlichen Bestwertes. Therapie der Wahl sind die Medikamente der Stufe 3 in höherer Dosierung, dazu Inhalation langwirksamer Beta2-Sympathikomimetika. Zusätzlich regelmäßig Kortisontabletten in möglichst niedriger Dosierung.
Inhalation der Wirkstoffe
Aufgrund besserer Verteilung des Wirkstoffes schneiden bei gleicher Dosierung Pulverinhalatoren gegenüber Treibgasdosieraerosolen im Allgemeinen besser ab.
Seit Sommer 2000 ist auch das erste Lösungsaerosol eines inhalativen Kortikosteroids am Markt, welches die Eigenschaften von Dosieraerosolen und Pulverinhalatoren in sich vereinigt. Dadurch wird eine bessere und vermehrte Ablagerung des Wirkstoffes in den tiefen Atemwegen erreicht, insbesondere dort, wo die asthmatische Entzündung hauptsächlich sitzt.
Sobald sich das Asthma in einem kontrollierbaren Ausmaß mehrere Wochen stabilisiert hat, sollte die Medikamentendosis nach und nach zurückgenommen werden. Man reduziert so lange dem Stufenplan entsprechend, als der Patient stabil beschwerdefrei bleibt. Wiederholte Überprüfungen der Lungenfunktion (Spirometrie) gehören mit zum Programm. Für Herzkranke und Schwangere gelten prinzipiell die gleichen Therapiemaßnahmen. Es sollte jedoch ganz besonders auf die geringste wirksame Dosis geachtet werden.
Vorsicht beim Inhalieren: Oft wird falsch inhaliert, sodass das Medikament nicht wirksam werden kann.Die einzuatmenden Wirkstoffe (sowohl von schnellwirkenden als auch von langwirkenden Asthmapräparaten) können auf verschiedene Arten zerstäubt werden:
- Pulverinhalator
Pulverinhalatoren haben den Vorteil, dass das Freisetzen des Medikaments direkt durch die Einatmung geschieht. Voraussetzung ist, dass die Einatmung ausreichend kräftig erfolgt. Das kann bei schweren Verengungen der Atemwege - etwa während eines Asthmaanfalls bei Erwachsenen und besonders bei Kindern schwer fallen und zu Problemen führen. - Dosieraerosol
Dosieraerosole bringen die Medikamente als feine Tröpfchen in die Lunge. Nachteil: Die exakte Koordination fällt vereinzelt schwer und muss anfangs geübt werden. Vorsatzkammern, so genannte Spacer, (Hilfsmittel) erleichtern die Koordination. Der Sprühnebel verteilt sich in der größeren Luftkammer und wird direkt nach dem Einsprühen eingeatmet. - Inhalatoren
Inhalatoren sind Geräte, die mit Kompressoren oder Ultraschall einen geringen Überdruck erzeugen und die Wirkstoffe über ein Mundstück an die Atemwege heranbringen.
Ergänzende Maßnahmen
Atemgymnastik und Atemtechnik:
Atmen mit Lippenbremse
bedeutet durch die Nase einatmen und mit leicht geschlossenen Lippen ausatmen. Der Luftstrom wird dadurch etwas gebremst und gleichmäßiger.
Atemgymnastik
hilft, die gegebenen Lungenreserven voll auszuschöpfen.
Körperliches Training bei Asthma
Körperliches Belastungstraining wirkt sich günstig auf den Schleimtransport aus den Lungen und die Fitness aus. Bereits nach einem Vierteljahr kann sich die Ausdauerleistung bis zu 20 Prozent und die Kraft um bis zu 50 Prozent gesteigert haben. Die Entscheidung über Trainingsumfang und Art der körperlichen Ertüchtigung sollte gemeinsam mit einem Lungenfacharzt fallen. Am häufigsten werden Laufen, schnelles Gehen, Schwimmen, Rudern oder Radfahren (auch Zimmerfahrrad) gewählt. Im Rahmen einer Lungensportgruppe können auch schwer an Asthma Erkrankte unter der Leitung speziell geschulter Trainer Sport betreiben. Alternative Methoden. Die Wirksamkeit alternativer Methoden bei Asthma wie Akupunktur, Phytotherapie, Luftionisation, Entspannungsmethoden wie Yoga, autogenes Training und progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, manuelle Therapie und Höhlentherapie (Einatmen von allergenarmer Luft in Höhlen) wurde bisher nicht in größeren Studien bewiesen und kann deshalb nicht für alle empfohlen werden. Im Einzelfall können sie aber eine positive Wirkung erzielen und es spricht nichts dagegen, die eine oder andere Methode in Absprache mit dem Arzt auszuprobieren.
Richtig Husten
Richtig husten lässt sich erlernen. Am Morgen - gleich nach dem Aufstehen - wird der Husten gezielt herbeigeführt (Bronchialtoilette). Dabei wird nicht - wie beim "normalen" Husten - explosionsartig ausgeatmet, sondern tief eingeatmet und unter leichtem Räuspern halb ausgeatmet. Danach erst wird mit dem Rest der vorhandenen Atemluft mehrmals leicht gehustet.
Psychologische Unterstützung
Psychologische Betreuung beinhaltet die Unterstützung des Betroffenen beim Umgang mit seiner Erkrankung. Im Gespräch und durch Verhaltensübungen werden Strategien erlernt, wie asthmakranke Personen bestmöglich mit ihrer Erkrankung leben können. Dazu gehören z. B. Maßnahmen zur Angst- und Stressbewältigung, progressive Muskelentspannung, um asthmatische Situationen zukünftig besser unter Kontrolle zu bringen oder möglichst ganz zu vermeiden.
Häufig werden auch Selbstsicherheitstrainings durchgeführt, damit Betroffene sich trotz asthmabedingter Einschränkungen in ihrem sozialen Umfeld (weiterhin) angemessen behaupten können. Weil die Erkrankung häufig auch das persönliche Umfeld beeinflusst - etwa wenn der Freundeskreis übertrieben fürsorglich reagiert oder sich abwendet oder sich die Rollenverteilung in der Partnerschaft ändert -, ist es oft günstig, Angehörige und Lebenspartner in die psychologische Behandlung mit einzubeziehen.
Krankheit bedeutet, dass der Körper nicht so funktioniert, wie der Betroffene es eigentlich möchte. Der Asthmapatienten kann diese immer wiederkehrende Erfahrung als unausweichlichen Kontrollverlust erleben, der sich auf andere Bereiche des Lebens ausweitet. Die allgemeine Verunsicherung wirkt zurück auf die Haltung des Patienten gegenüber seiner Krankheit. Mutlosigkeit, Zweifel und das Gefühl, ohnehin nichts bewirken zu können, führen dann leichter zu einem unentschlossenen Umgang mit einer - möglicherweise gut verlaufenden - Therapie. Psychotherapeutische Unterstützung kann es dem Patienten ermöglichen, (wieder) zu einer besseren Perspektive zu gelangen, wenn es um die Möglichkeiten geht, seiner Krankheit erfolgreich zu begegnen. Im Gespräch werden Ängste auf ihre Ursachen hin untersucht und gemeinsam wird nach Möglichkeiten geforscht, wie sich die angstmachenden Situationen bewältigen lassen.
Oft ist es günstig, Angehörige und Lebenspartner in die psychotherapeutische Behandlung miteinzubeziehen.
Die Zusammenhänge von Krankheit und Psyche werden von vielen Patienten unterschätzt - vermutlich ist das ein wesentlicher Grund dafür, dass die psychotherapeutischen Angebote von Asthmapatienten nur schlecht angenommen werden.
Auch psychologisch nicht geschulte Menschen sollten versuchen, die subjektiven Gefühle des Patienten - besonders Angstempfinden - ernst zu nehmen und mit Einfühlungsvermögen darauf einzugehen.
Trinken und Inhalieren
Asthmapatienten sollten ausreichend trinken, denn Flüssigkeit hilft bei der Schleimlösung. Inhalieren von Kochsalzlösung oder Sole über Inhalatoren ist ebenfalls sinnvoll.
Heilungschancen
Als chronische Krankheit ist Asthma bei Erwachsenen nicht heilbar. Anders bei Kindern: Bei jedem dritten bis fünften Kind bleiben bei einer guten Behandlung als Erwachsene schließlich die Symptome aus. Die zugrunde liegende übermäßige Erregbarkeit der Atemwege bleibt jedoch erhalten. Auch von Asthma betroffene Erwachsene können bei einer optimalen Behandlung ihre beschwerdefreien Zeiten deutlich verlängern und die Symptome lindern. Sie können ihre Lebensqualität entscheidend verbessern und ihre normale Leistungsfähigkeit - auch bei sportlichen Übungen und anderen stärker belastenden körperlichen Aktivitäten - wiederherstellen. Mit einer optimalen Behandlung kann zudem verhindert werden, dass es zu bleibenden Verschlechterungen der Lungenfunktion, erhöhter Anfälligkeit für Infektionen, Lungenentzündung, chronischer Bronchitis und schließlich zum Emphysem kommt. Schätzungsweise stirbt einer von 10.000 Asthmatikern an seiner Krankheit.
Angesichts der großen Zahl von Asthmapatienten ist die Prognose insgesamt als günstig zu betrachten.
Leben mit der Krankheit
Asthmapatienten sollten vor allem die richtigen Selbsthilfemaßnahmen bei einem Anfall beherrschen lernen.
Jederzeit sollte Klarheit herrschen über:
- Aufbewahrungsort der Medikamente für den akuten Anfall
- Erreichbarkeit von Arzt und/oder Helfer
Darüber hinaus sollte der Patient ...
- ... die richtige Inhalationstechnik beherrschen,
- ... zwischen Dauer- und Bedarfsmedikation unterscheiden können,
- ... einen Anfall (und möglichst auch die Auslöser) erkennen,
- ... die Peak-flow-Messung (Hilfsmittel) durchführen können,
- ... die richtige Körperhaltung bei einem Asthmaanfall kennen (Akute Anfälle). Atemerleichternde Stellungen und Techniken (etwa die Lippenbremse) unterstützen den Patienten dabei, mit der Atemnot im Falle eines Asthma-Anfalls besser umzugehen.
- ... ein Asthma-Tagebuch führen, denn das Notieren des gesundheitlichen Befindens und der gemessenen Peak-flow-Werte hilft, den augenblicklichen Gesundheitszustand und dessen Entwicklung selbst zu erkennen und sie auch mit dem Arzt besprechen zu können. So gelingt es vor allem Asthma-Patienten, die sich häufig bei der Einschätzung der Schwere ihres Asthmas verschätzen, leichter, die medikamentöse Therapie richtig durchzuführen.
Hilfsmittel
Peak-flow-Meter
Mit dem Peak-flow-Meter überprüft der Patient selbst seine maximale Atemflussgeschwindigkeit beim Ausatmen (Peakflow). Das mechanische, zylinderförmige Gerät (etwa 20 Zentimeter lang) kann problemlos mitgeführt werden und jederzeit zum Einsatz gelangen. Der Lungenfacharzt legt zunächst einen Richtwert fest, der bei richtigem Therapieverlauf erreicht werden sollte. Messungen erfolgen etwa zweimal täglich und/oder in belastenden Situationen (am Arbeitsplatz, nach oder bei körperlicher Belastung etc.). Dabei wird so stark wie möglich durch das Peak-flow-Meter ausgeatmet und der erreichte Wert angezeigt. Bei nachhaltigen Veränderungen der gemessenen Werte nach oben oder unten wird der Richtwert entsprechend nachgestellt. Die Aufzeichnung der gemessenen Werte ist Teil des Asthma-Tagebuches.