HIV-Infektion und Aids
Die zu Anfang der achtziger Jahre erstmals beobachtete Immunschwächekrankheit gilt immer noch als die Seuche unseres Zeitalters. Innerhalb der letzten zwanzig Jahre haben sich weltweit 40 Millionen Menschen mit dem für Aids verantwortlichen humanen Immundefizienzvirus HIV angesteckt Im Jahr 2004 haben sich 4,9 Millionen Menschen neu infiziert. Jedes Jahr sterben drei Millionen Menschen an Aids.
Trotz gezielter Aufklärungskampagnen vor allem in der westlichen Welt wird das Immunschwächevirus auch heute noch in 75 bis 85 Prozent der Fälle bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr übertragen. In Deutschland infizieren sich pro Jahr etwa 2000 Menschen mit HIV, in Österreich ca. 400.
Während zu Anfang die HIV-Infektion hauptsächlich bei homosexuellen Männern und Drogensüchtigen diagnostiziert wurde, sind in letzter Zeit auch immer mehr Heterosexuelle, die keiner Risikogruppe angehören, HIV-positiv. Weltweit gesehen sind ungefähr die Hälfte der HIV-Infizierten Frauen und ca. 50 Prozent der Neu-Infizierten jünger als 25 Jahre.
Die Zahl der Neuinfektionen steigt auf allen Kontinenten, wenngleich in Mittel- und Westeuropa und in den USA die Ausbreitung der Immunschwächekrankheit ziemlich unter Kontrolle scheint. Anders in Asien und Afrika: Dort hat sich Aids tatsächlich zu jener Seuche entwickelt, die Mediziner und Experten des Gesundheitswesens befürchtet haben. Allein in Ostasien nahm die Zahl der Infizierten binnen zweier Jahre um 50 Prozent zu. Die am schlimmsten betroffene Region ist Afrika südlich der Sahara: Dort leben zwei Drittel aller HIV-Infizierten. Denn in diesen Ländern fehlen die Mittel, die Ausbreitung von HIV einzudämmen und die Krankheit wirksam zu behandeln.
Ursachen
Ursache für die Immunschwächekrankheit ist ein Virus, das erst 1983 entdeckt wurde: das menschliche Immunschwäche-Virus (human immunodeficiency virus - HIV). Es gehört zu den Retroviren - besonderen Viren, die ihr eigenes Erbgut in das Erbgut der von ihnen befallenen Zelle ("Wirtszelle") schmuggeln und sie veranlassen, Virus-Kopien zu erzeugen (zu "replizieren"). HIV wählt als Wirtszelle im Immunsystem vor allem jene Zellen des Körpers, die eine wichtige Rolle im Abwehrsystem spielen (so genannte CD4-T-Zellen), wodurch immer weniger dieser Immunzellen für die Abwehr anderer Krankheitserreger zur Verfügung stehen.
Das Virus, das nur im Blut (auch im Menstruationsblut), in der Samenflüssigkeit und im Vaginalschleim überleben kann, wird nur durch Geschlechtsverkehr und direkten Blutkontakt übertragen: etwa durch Bluttransfusionen - bis zum Beginn der konsequenten Untersuchung von Blutkonserven im Jahr 1985 -; oder wenn Drogensüchtige bereits von HIV-Infizierten gebrauchte Nadeln verwenden; oder bei medizinischen Eingriffen, wenn z. B. kontaminierte Instrumente verwendet würden (was in der westlichen Welt nicht mehr der Fall sein dürfte). Aber auch durch Piercing oder Tätowierung mit nicht-sterilen Nadeln kann es zur Virusübertragung kommen. Zur Infektion genügt ein einmaliger Kontakt.
Übertragen kann das Virus aber auch auf Ungeborene werden: Ist die Mutter Virusträgerin, besteht ein Risiko von 15 Prozent, dass das Kind infiziert auf die Welt kommt. Die Übertragung findet in erster Linie während der Geburt statt.
Bei normalem sozialem Kontakt, also etwa beim Händeschütteln oder dem gemeinsamen Benützen der Toilette, besteht keine Ansteckungsgefahr, da das Virus außerhalb des menschlichen Körpers nicht überdauern kann.
Begünstigende Krankheiten
Viren sind Trittbrettfahrer. Bei bereits bestehenden Krankheiten des Genitaltraktes (Trichomonaden- oder Chlamydieninfektion, Herpes genitalis, Pilzerkrankungen, Tripper, Syphilis, Feigwarzen), die Entzündungen und damit Verletzungen der Schleimhäute verursachen, ist die Ansteckungsgefahr erhöht.
Als Risikogruppen gelten vor allem Drogensüchtige, Homosexuelle, Prostituierte oder Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartnern.
Mögliche Folgeerkrankungen
Da die körpereigenen Abwehrkräfte durch HIV geschwächt werden, ist das Immunsystem mit der Zeit nicht mehr in der Lage, Krankheitserreger abzuwehren oder ihre Zahl so gering zu halten, dass sie für den Organismus harmlos bleiben.
HIV-Infizierte sind deshalb - auch wenn sie noch nicht Aids entwickelt haben - besonders anfällig für jede Art von Infektionskrankheiten, die dann auch einen schlimmeren Verlauf nehmen können als bei Nicht-Infizierten.
Vorbeugung
Sicherheit vor einer Ansteckung mit dem HI-Virus bietet die Verwendung von Kondomen (Präservativen) beim Geschlechtsverkehr - auch beim oralen. Diese Maßnahme des "Safer Sex" hat in der Vergangenheit zumindest in der westlichen Welt dazu beigetragen, die Ausbreitung des HI-Virus in engen Grenzen zu halten. Allerdings verzeichnen die Gesundheitsbehörden in letzter Zeit eine Kondom-Müdigkeit, die einerseits auf das schwindende Interesse der Öffentlichkeit an Aids zurückgeführt wird, andererseits auf das Vorhandensein wirksamer Behandlungsmethoden. Die Folgen sind schwerwiegend: Viele betrachten Aids als ein kalkulierbares Risiko, und Experten verzeichnen eine Laisser-faire-Haltung bei HIV-Positiven und ihren Partnern.
Menschen, die in Gesundheitsberufen arbeiten, sollten sich bei Kontakt mit Blut oder mit Körperflüssigkeiten durch das Tragen von Gummihandschuhen vor einer Infektion schützen - denn schon über kleine Verletzungen kann das Virus in die Blutbahn eindringen.
Drogensüchtige sind immer noch eine besondere Risikogruppe für eine Infektion mit HIV. Doch nicht die Sucht selbst, sondern die Verwendung von Nadeln, die bereits von anderen (HIV-Infizierten) gebraucht wurden, ist verantwortlich für die Übertragung des Virus. Eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung ist deshalb die Verwendung von Einmal-Injektionsnadeln.
Besteht der begründete Verdacht einer Ansteckung, kann - auch wenn die eindeutige Diagnose noch nicht gestellt werden kann - der sofortige Beginn einer antiretroviralen Behandlung in Erwägung gezogen werden ("HIV-Postexpositionsprophylaxe"), um so die Vermehrung des Virus hintan zu halten. Einen hundertprozentigen Schutz von einer Infektion bietet diese Therapie jedoch nicht.
Außerdem ist zu bedenken, dass die Medikamente zur Behandlung einer lebensbedrohlichen Krankheit und nicht zur Vorbeugung zugelassen und die (Langzeit-)Nebenwirkungen mitunder beträchtlich sind.
Da Retroviren ungemein wandlungsfähig sind und immer neue Untergruppen ("Subtypen") ausbilden, ist es noch nicht gelungen, einen Impfstoff zu entwickeln, der eine Infektion mit HIV unmöglich machen würde.
Früherkennung
Die frühesten Symptome zeigen sich kurz nach der Ansteckung mit HIV und bestehen in grippeähnlichen Beschwerden mit Müdigkeit, Fieber und geschwollenen Lymphknoten, zuweilen treten auch Hautausschläge auf. Alle diese Beschwerden klingen bald wieder ab. Besteht der Verdacht auf eine Infektion und zeigen sich solche Beschwerden, sind Bluttests zur Bestätigung oder zum Ausschluss einer Ansteckung mit HIV angeraten.
Zwei Bluttests sind es, die das Vorhandensein einer Infektion auch dann aufzeigen, wenn die frühen Symptome wieder abgeklungen sind und der Betroffene beschwerdefrei ist: der Screeningtest ELISA und der Bestätigungstest Western-Blot. Mittels dieser labormedizinische Untersuchungen kann aber nicht das Virus, sondern nur die Antikörper nachgewiesen werden, die vom Immunsystem speziell gegen das Virus gebildet werden. Dieser Prozess dauert eine Weile, deshalb sind verlässliche Resultate erst etwa zwölf Wochen nach der Ansteckung zu erwarten (Diagnose).
Beschwerden
Nach den Frühsymptomen der Infektion sind die meisten HIV-Infizierten auch ohne Behandlung völlig oder nahezu beschwerdefrei - das kann von wenigen Monaten bis zu zehn Jahren dauern, je älter der Infizierte ist, desto kürzer. Die symptomlose Zeit wird als "klinische Latenz" bezeichnet.
Doch das Virus ist währenddessen nicht untätig, im Gegenteil, es repliziert sich weiter in rasantem Tempo: Etwa 10 Milliarden Viren werden pro Tag gebildet. Dieser fortscheitenden Belastung ist das Immunsystem auf die Dauer nicht gewachsen - und schließlich ist es anderen Krankheitserregern hilflos ausgeliefert.
Aids
Aids ("acquired immunodeficiency syndrome" - erworbenes Immunmangelsyndrom) ist nicht eine durch HIV hervorgerufene Krankheit, sondern das Zusammenwirken verschiedener Symptome oder Erkrankungen ("Syndrom"), deren Ursache in der durch das HI-Virus verursachten fortschreitenden Schwächung des Immunsystems liegt. Deshalb ist die HIV-Infektion noch nicht gleichbedeutend mit Aids.
Zu den Aids definierenden Krankheiten gehören vor allem so genannte "opportunistische Infektionen", Erkrankungen, die bei nicht HIV-Infizierten kaum gefährlich sind oder überaus selten, bei HIV-Trägern jedoch häufig vorkommen und tödliche Folgen haben können:
- die Infektion mit Pneumocystis carinii - dem Erreger einer besonderen Art der Lungenentzündung; außerdem die Tuberkulose.
- die Ansteckung mit dem Zytomegalie-Virus (ZMV), die zu verschiedenen Symptomen wie Entzündungen der Augen, der Lunge, des Gehirns oder der Nieren führen kann
- Sprosspilzerkrankungen ("Soor")
- ausgedehnte nicht heilende Geschwüre durch Herpes-simplex-Infektion
- das Kaposi-Sarkom, eine ansonsten seltene Tumorart an der Haut
- das Non-Hodgin-Lymphom, eine bösartige Wucherung der Lymphknoten
Zudem tritt bei Aids ein Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent auf, es kommt zu chronischem Durchfall, allgemeiner Schwäche und Erschöpfung.
Diagnose
Zur eindeutigen Diagnose einer HIV-Infektion sind derzeit zwei Blutuntersuchungen notwendig und auch vorgeschrieben. Sie müssen an zwei verschiedenen Blutabnahmen vorgenommen werden:
Der erste Such- oder Screeningtest (ELISA) führt durch seine Empfindlichkeit oft zu falsch-positiven Ergebnissen; ist das Resultat positiv, bedarf es deshalb einer Bestätigung durch den Western-Blot-Test.
Festgestellt wird dabei, ob das Immunsystem Antikörper gegen das HI-Virus gebildet hat. Ist auch der Western-Blot-Test positiv, so bedeutet das mit 99-prozentiger Sicherheit, dass eine Infektion mit HIV stattgefunden hat.
Aufschluss über den Gesundheitszustand des Betroffenen und darüber, wie weit das Immunsystem bereits beeinträchtigt ist, gibt ein weiterer Bluttest, bei dem die Anzahl der CD4-Zellen gemessen wird - jener Zellen, die das HI-Virus zu seiner Vermehrung befällt. Während die Zahl beim Gesunden ca. 600 bis 1500 pro Mikroliter Blut beträgt, sinkt sie bei einer HIV-Infektion auf weniger als 500, bei fortschreitender Infektion auf weniger als 50 ab.
Ebenfalls zur Bestimmung des Krankheitszustandes (oder aber von Behandlungserfolgen) geeignet sind die erst seit wenigen Jahren möglichen Bluttests zur Messung der Virusmenge im Blut ("Viruslast"). Drei Tests stehen dazu zur Verfügung. Ihre Ergebnisse werden so interpretiert, dass eine Virusmenge von weniger als 10.000 pro Milliliter Blut als niedrig, Virusmengen von über 100.000 als hoch angesehen werden.
Behandlung
Die seit Mitte der neunziger Jahre zur Verfügung stehende so genannten Kombinationstherapie ("HAART"), die den Ausbruch von Aids erheblich hinauszögern kann, ist mittlerweile Standardtherapie geworden: Zum Einsatz kommen verschiedene Wirkstoffe, von denen jeder einen anderen Virusbaustein, den der Erreger zu seiner Vermehrung braucht, an seiner Funktion hindert: so genannte Reverse-Transkriptase-Hemmer und Proteasehemmer. Mehr als 20 solcher antiretroviraler Wirkstoffe sind bisher zugelassen.
Verschiedene Kombinationen davon können die Virusmenge innerhalb kurzer Zeit so sehr verringern, dass das Virus schon nach wenigen Monaten im Blut überhaupt nicht mehr nachweisbar ist - wenngleich es nicht völlig verschwindet. Ein Therapieerfolg kann frühestens nach vier Wochen, oft erst nach drei oder sechs Monaten beurteilt werden.
Noch keine Einigkeit herrscht in Expertenkreisen darüber, wann der richtige Zeitpunkt für den Beginn der Therapie ist: ob unmittelbar nach Feststellung der HIV-Infektion, wenn die Anzahl der CD4-Zellen ungefähr 500 pro Mikroliter Blut beträgt, oder erst, wenn diese Zahl auf 350 gesunken ist. Für einen möglichst frühzeitigen Therapiebeginn spricht unter anderem, dass dann die Zerstörung des Immunsystems noch nicht so weit fortgeschritten ist. Ein späterer Behandlungsbeginn scheint hingegen z. B. deshalb sinnvoll, weil Einnahmefehler wahrscheinlich sind und damit durch Resistenzentwicklung spätere Therapien unwirksam werden können.
Die Behandlung muss lebenslang durchgeführt werden und verlangt vom Betroffenen jedenfalls viel Disziplin: Es müssen zwar nicht mehr wie in den Anfangsphasen der retroviralen Therapie bis zu 20 verschiedene Tabletten pro Tag eingenommen werden, sondern in der Regel nur noch zwei bis vier. Dies muss aber nach einem genauen Behandlungsschema geschehen, und es kann - je nach Arzneimittel - zu mitunter beträchtlichen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall, Hautausschlägen, Diabetes, psychischen Veränderungen oder zu entstellendenVerschiebungen der Fettverteilung ("Lipodystrophie") im Körper kommen.
Da noch nicht bekannt ist, ob diese Medikamente zu Fehlbildungen bei Ungeborenen führen, ist die Behandlung von Schwangeren problematisch.
Resistenzentwicklung
Immer wieder kommte es zu Resistenzentwicklung: Die Viren sprechen auf die Wirkstoffe nicht an. Das kann bei manchen Patienten an einer rascheren Verstoffwechslung der Substanzen liegen, andererseits an Medikamentenwechselwirkungen, oder auch daran, dass sich der Betroffene mit einem gegen die Wirkstoffe resistenten Virus angesteckt hat. Untersuchungen haben auch gezeigt, dass enttäuschender Behandlungserfolg zu einem nicht geringen Anteil auf mangelnde Therapietreue ("compliance") von Seiten des Patienten zurückzuführen ist: Die Medikamente werden nicht dem Behandlungsschema entsprechend eingenommen - was bei komplizierten Einnahmevorschriften um so eher vorkommen kann. Wichtig zu wissen ist, dass die Dosierungsvorschriften so aufgebaut sind, dass eine wirksame Menge der jeweiligen Substanz im Blut gewährleistet ist. Werden die Arzneimittel nicht rechtzeitig genommen oder wird eine Dosis ganz ausgelassen, kann das den Behandlungserfolg ernsthaft gefährden. Mehr noch: Wird der notwendige Wirkstoffspiegel im Blut nicht aufrecht erhalten, kann das dazu führen, dass eine große Anzahl von Viren überlebt und resistent gegen die Medikamente wird.
Wenn der Patient auf die Therapie nicht (oder nicht mehr) genügend anspricht, werden deshalb Resistenztestungen durchgeführt, um die weitere Behandlung steuern zu können. Manche Experten empfehlen eine solche Resistenztestung vor Beginn der ersten antiretroviralen Therapie.
Heilungschancen
Bei ungefähr zehn Prozent der HIV-Infizierten bleibt die Zahl der CD4-Zellen auch ohne Behandlung über mehr als zehn Jahre konstant, auch die Virusmenge im Blut ist bei ihnen erheblich geringer als bei anderen HIV-Positiven, und sie haben keine Beschwerden - warum, ist bisher noch nicht geklärt. Es wird angenommen, dass diese HIV-Infizierten erst zwanzig Jahre nach der Infektion an Aids erkranken. Allerdings ist unmittelbar nach der Ansteckung nicht vorhersehbar, welchen Verlauf die Krankheit nehmen wird, sondern erst anhand der in gewissen zeitlichen Abständen durchgeführten Bestimmung der Viruslast.
Seit es die Kombinationstherapie gibt, sind die Zahlen der Aids-Erkrankungen und -Todesfälle in Europa deutlich zurück gegangen. Aus noch nicht ganz geklärten Ursachen sprechen bis zu 20 Prozent der Infizierten jedoch nicht auf die Proteasehemmer an.
Eine Heilung - nämlich das Virus restlos aus dem Organismus zu entfernen - ist auch mit diesen Maßnahmen nicht möglich. Denn auch wenn es im Blut nicht mehr nachweisbar ist, hält sich HIV doch noch im Körper versteckt.
Ergänzende Maßnahmen
Da HIV-Infizierte besonders anfällig für gewisse Infektionen sind, ist eine Impfung bzw. eine vorsorgliche Einnahme bestimmter Arzneimittel gegen die jeweiligen Erreger zu erwägen. Das gilt vor allem für die Grippeimpfung, Impfungen gegen Lungenentzündung und Impfungen gegen Hepatitis B sowie für Medikamente, die ein Überwuchern des Pneumocystis-carinii-Erregers unmöglich machen. Zwar haben Untersuchungen gezeigt, dass die Viruslast unmittelbar nach einer Impfung ansteigt; dieser Anstieg ist jedoch nur vorübergehend und sicher geringer als jener durch das Grippevirus hervorgerufene.
Wichtig ist, dass der Betroffene sich bei jeder Art von Krankheitszeichen so bald wie möglich behandeln lässt, da selbst so genannte banale Infekte wie Schnupfen oder Halsentzündungen seinen Gesundheitszustand dramatisch verschlechtern können.
Leben mit der Krankheit
Die Diagnose "HIV positiv" ist für die Betroffenen ein Schock. Obwohl die HIV-Infektion durch die Aufklärungskampagnen und die neuen Behandlungsmöglichkeiten in Europa etwas von ihrem Schrecken verloren hat, fühlen sich viele Infizierte gebrandmarkt, zumal die Vorurteile und Vorbehalte der Mitmenschen immer noch groß sind. Nach der Diagnose sind Gefühle wie Angst, Ärger, Hilflosigkeit natürlich. Psychologische Hilfe in Anspruch zu nehmen kann deshalb ebenso sinnvoll sein wie den Kontakt zu anderen Kranken zu suchen.
Gespräche mit Leidensgenossen in Selbsthilfegruppen, Aids-Hilfen oder -Beratungsstellen können dazu beitragen, die HIV-Infektion als das zu akzeptieren, was es ist: eine chronische Erkrankung. Zudem hilft auch das Sammeln von Informationen, die Mechanismen der Krankheit und die Therapiemaßnahmen zu verstehen. Da die Einnahme der Medikamente nach einem genauen Zeitschema erfolgen muss (manche der Tabletten sollen vor oder nach dem Essen, am Morgen oder am Abend oder in bestimmten zeitlichen Abständen eingenommen werden), ist es wichtig, mit dem behandelnden Arzt genau über die Lebens- und Arbeitsgewohnheiten zu sprechen, damit die Behandlung so gut wie möglich dem Alltagsleben angepasst werden kann. Bei vielen HIV-Infizierten schränken die Nebenwirkungen der Medikamente die Lebensqualität stärker ein als die Beschwerden der Krankheit. Der Arzt sollte auch über diese unerwünschten Nebenwirkungen informiert werden, da immer auch eine Änderung der Therapie in Betracht gezogen werden kann. Überhaupt ist es wichtig, ein Vertrauensverhältnis zum behandelnden Arzt aufzubauen und mit ihm nicht nur über körperliche Beschwerden, sondern auch über Sorgen und Ängste offen zu sprechen.
Wundermittel
Dass chronisch Kranke nichts unversucht lassen, um ihrer Krankheit Herr zu werden, ist nur allzu verständlich. Gerade die anfangs mysteriöse Aids-Seuche hat auch viele Scharlatane auf den Plan gerufen, die versuchen, aus dem Schicksal der Kranken Kapital zu schlagen. Vorsicht und Zweifel bei allen als Therapie angebotenen und als "Wundermittel" gepriesenen Methoden und Wirkstoffen sind daher geboten.
Sex
Jeder HIV-Positive kann das Virus an seine Geschlechtspartner weitergeben. Deshalb ist es wichtig, die Partner über die bestehende Infektion aufzuklären - sicherlich kein leichter Schritt. Kondomen sind derzeit die einzige Möglichkeit, eine Ansteckung zu vermeiden. Umgekehrt schützen Kondome aber auch den HIV-Infizierten, sich mit anderen Keimen, die durch Geschlechtsverkehr übertragen werden - wie Pilzerkrankungen, Herpes-simplex-Virus, Hepatitis-C-Virus oder dem Erreger der Syphilis - anzustecken. Das ist eine wichtige Maßnahme, da diese Mikroben für HIV-Positive extrem gefährlich werden können. Deshalb sind Präservative auch dann wichtig, wenn beide Partner mit HIV infiziert sind. Hingegen schützen andere Verhütungsmittel wie die Pille, die Spirale oder das Diaphragma nicht vor Ansteckung.
Drogen
Die Einnahme oder das Spritzen von Drogen führt nicht zu einer HIV-Infektion, sie kann den allgemeinen körperlichen Zustand aber drastisch verschlechtern, wodurch sich das Virus umso leichter vermehren kann.
Ernährung
Es gibt keine Diät, mit der es gelingen könnte, HIV aus dem Körper zu eliminieren oder auch nur einzudämmen. Eine gesunde, vollwertige Kost ist aber sicherlich eine vernünftige Maßnahme, um die Abwehrkräfte insgesamt zu stärken. So legen Untersuchungen den Schluss nahe, dass Mangelernährung die Komplikationsrate bei bakteriellen Infektionen steigert und die Wundheilung beeinträchtigt.
Jedenfalls verzichtet werden sollte auf den Genuss von rohem Fleisch oder nicht pasteurisierter Milch. Bei Reisen in südliche Länder gelten die allgemeinen Vorsichtsmaßnahmen, die für jedermann sinnvoll sind: kein rohes Obst oder Gemüse essen und sicherheitshalber auch kein unverpacktes Speiseeis.
Schwangerschaft
Untersuchungen haben gezeigt, dass HIV-positive Schwangere das Virus mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 15 Prozent an ihre Kinder weitergeben; nach dem derzeitigen Stand des Wissens geschieht das hauptsächlich während der Geburt. Eine gezielte antivirale Behandlung der werdenden Mutter ist deshalb ebenso wichtig wie das Kind vorsorglich durch Kaiserschnitt zu entbinden, dem Neugeborenen in den ersten Lebenswochen eine entsprechende Therapie angedeihen zu lassen und es vorsorglich auch nicht zu stillen. Mit diesen Maßnahmen lässt sich das Übertragungsrisiko in den europäischen Ländern auf zwei bis drei Prozent senken.
Haustiere
Es besteht zwar keine Veranlassung, dass sich HIV-Positive von ihren Haustieren trennen, vorsichtiger Umgang ist jedoch empfohlen. So sollte das Tier sofort zum Tierarzt gebracht werden, wenn es Durchfall hat; Menschen mit HIV-Infektionen sollten auch den unmittelbaren Kontakt mit Tierkot vermeiden und den Tieren kein rohes Fleisch füttern - es besteht die Gefahr von einer Ansteckung mit Toxoplasmose; auch der spielerische Umgang mit Katzen oder Hunden, bei dem es zu Kratzwunden kommen kann, sollte vermieden werden.