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Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom)

Dickdarmkrebs ist eine der häufigsten bösartigen Erkrankungen. Die Erkrankung tritt meist nach dem 50. Lebensjahr auf, wobei Männer etwas häufiger als Frauen betroffen sind. Die Zahl der Betroffen steigt mit dem Alter und ist auch vom Lebensstil abhängig (häufiger Konsum von rotem Fleisch, wenig Ballaststoffe, Rauchen, viel Alkohol, Bewegungsmangel). Als Vorstufe treten oft Polypen auf. Daher sollten diese entfernt werden. Für einen Teil der Erkrankungen ist die familiäre Vererbung verantwortlich.
Verdauungsbeschwerden und ein sich verändernder Stuhlgang mit eventuell abwechselnder Verstopfung und Durchfall können die ersten Beschwerden sein. Bei Blut im Stuhl ist ein Besuch beim Arzt empfehlenswert.
Zur Vorbeugung sind umfangreiche Untersuchungen möglich.
Die Therapie der Wahl ist eine Operation. Dabei wird ein Teil des Dickdarms entfernt. Zusätzlich kann eine Chemotherapie im Anschluss an die Operation notwendig sein. Die Heilungschancen nach der Behandlung sind in frühen Krankheitsstadien gut.
Für Patienten, bei denen der Krebs nicht geheilt werden kann stehen zahlreiche Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden zur Verfügung. Außerdem ist für viele dieser Patienten eine Betreuung zu Hause möglich.

Dickdarmkrebs wird auch Kolonkarzinom genannt. Zu ihm werden alle Tumoren zwischen dem Ende des Dünndarms und dem Beginn des Mastdarms gezählt. Es ist die häufigste Krebsart des Verdauungstrakts, tritt bei etwa sechs Prozent der Bevölkerung auf und steht damit bei den Krebserkrankungen insgesamt an zweiter Stelle. In Deutschland erkranken etwa 46 von 100.000 Menschen pro Jahr. In Österreich und der Schweiz liegen die Erkrankungen etwas unter den deutschen Zahlen (etwa 42 von 100.000 Menschen). Die Erkrankung tritt meist nach dem 50. Lebensjahr auf. Die Zahl der von diesem Krebs Betroffen steigt mit dem Alter und ist auch vom Lebensstil abhängig (häufiger Konsum von rotem Fleisch, wenig Ballaststoffe, Rauchen, viel Alkohol, Bewegungsmangel).

Ursachen

Krebszellen entstehen auch beim gesunden Menschen dauernd. Üblicherweise sterben sie von selbst ab oder werden vom Abwehrsystem unschädlich gemacht. Dabei spielt der sogenannte programmierte Zelltod (Apoptose) - ein Schutzmechanismus, der entartete Zellen zum "Selbstmord" auffordert - eine zentrale Rolle. Warum es manche Krebszellen schaffen, trotzdem am Leben zu bleiben und sich auch ungestört zu vermehren, ist nicht ganz geklärt. Sicher ist, dass es nie eine einzige Ursache allein ist, die zu einer Krebserkrankung führt, sondern dass mehrere Faktoren sehr komplex zusammenwirken müssen, um Krebs auszulösen.
Dickdarmkrebs entsteht häufiger, wenn Polypen oder andere Veränderungen an der Dickdarmschleimhaut vorhanden sind. Diese entwickeln sich nach und nach in einem über Jahre gehenden Prozess. Dabei kommt es entweder zum Ausfall oder zu einer Übersteuerung verschiedener Gene. Für das Entstehen von Dickdarmkrebs aus einem Polypen sind dann letztlich fast immer zwei genetische Veränderungen verantwortlich. Der Grund dieser Entwicklung, und wie sie in Gang gesetzt wird, ist noch nicht bekannt.
Beim Entstehen von Dickdarmkrebs spielt eine Reihe von Faktoren eine Rolle.

  • Ein übermäßiger Alkoholgenuss und das Rauchen sind die beiden wichtigsten Risikofaktoren bei der Entstehung von Dickdarmkrebs.
  • Ein täglicher Konsum von rotem Fleisch erhöht das Erkrankungsrisiko. Besonders stark wirkt sich möglicherweise der häufige Genuss von geräuchertem, gepökeltem und gegrilltem Fleisch bzw. gegrilltem Fisch aus, da diese Speisen krebserregende Stoffe enthalten.
  • Wer sich fettreich ernährt, hat möglicherweise ein erhöhtes Erkrankungsrisiko,
  • Übergewicht und mangelnde Bewegung führt dazu, dass Dickdarmkrebs öfter entsteht.
  • Das Krebsrisiko ist bei Menschen, bei denen ein naher Verwandter ersten Grades, also Eltern, Geschwister, Kinder bereits an Darmkrebs erkrankt war, erhöht. Das Risiko erhöht sich zusätzlich, wenn die verwandte Person zum Zeitpunkt der Erkrankung unter 60 Jahre alt war, oder wenn mehrere nahe Verwandte betroffen sind. War die verwandte Person jedoch bereits über 60 Jahre alt, dann ist das Erkrankungsrisiko der anderen Familienmitglieder nur noch wenig erhöht.

Begünstigende Krankheiten

  • Polypen kommen bei ungefähr sieben Prozent aller Menschen vor. Die weitaus meisten sind gutartig. Bei einigen Menschen können sie jedoch entarten - Krebs kann entstehen. Daher bedeuten Polypen ein Krankheitsrisiko.
  • Menschen, die an Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn erkrankt sind, haben ein erhöhtes Risiko, an Mastdarmkrebs zu erkranken.
  • Bestimmte erblich bedingte Erkrankungen - z.B. das Lynch-Syndrom oder die familiäre adenomatöse Polypose - sind der Grund für etwa 15 Prozent aller Mastdarmkarzinome. Die Zahl dieser Erkrankungen ist etwa gleichbleibend. Auch wenn eine der folgenden Krankheiten festgestellt wurde, tritt nicht bei allen Betroffenen eine Krebserkrankung auf.
    Lynch-Syndrom (HNPCC, Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer) sind für über zehn Prozent aller Darmkarzinome verantwortlich. Mit 80 bis 90 Prozent ist die Wahrscheinlichkeit bei dieser Erkrankung besonders groß, später Mastdarmkrebs zu entwickeln. Bei diesem Syndrom besteht eine familiäre Neigung zu Dickdarmkrebs, ohne dass Polypen auftreten.
    Etwa ein Prozent aller Darmkrebserkrankungen stehen mit der seltenen familiären adenomatösen Polypose (FAP) in Zusammenhang. Über 70 Prozent aller Personen mit FAP sind irgendwann in ihrem Leben von Mastdarmkrebs betroffen.
    Wird Mastdarmkrebs durch eine erblich bedingte Erkrankung ausgelöst, entwickelt er sich in der Regel schneller und früher als bei Menschen, bei denen der Krebs aus anderen Gründen auftritt.

Vorbeugung
Vorbeugung ist in eingeschränktem Maß möglich.

  • Das Rauchen aufzugeben und wenig Alkohol zu trinken sind wichtige Maßnahmen, um das Risiko einer Erkrankung zu senken.
  • Schon fünf Mal Gemüse und Obst täglich können das Erkrankungsrisiko deutlich reduzieren.
  • Fleisch sollte nicht täglich konsumiert werden.
  • Eine ballaststoffreiche Ernährung - d.h. mit etwa 30 g pro Tag - beugt einer Erkrankung vor. Die alleinige Zufuhr von Ballaststoffen, etwa das Essen von Weizenkleie, ohne eine Umstellung der gesamten Ernährung auf Gemüse mit einem reduzierten Fleischkonsum scheint dagegen keine vorbeugende Wirkung zu haben.
  • Sport, mehrmals pro Woche betrieben, fördert die Darmtätigkeit. Schon eine moderate Aktivität von einer halben bis einer Stunde täglich kann das Darmkrebsrisiko senken.
  • Einige Studien gaben Hinweise darauf, dass Acetylsalicylsäure eine starke Reduktion des Risikos bewirkt. In anderen Studien wurde dieser Effekt nicht bestätigt. Von der vorbeugenden Einnahme von Acetylsalicylsäure wird daher abgeraten.
  • Das rechtzeitige Entfernen von Polypen halbiert das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken.
  • Übergewichtigen Personen (mit einem BMI über 25) wird eine Gewichtsreduktion empfohlen.
  • Folsäure- und kalziumreiche Ernährung geht mit einem niedrigeren Darmkrebsrisiko einher. Dabei ist noch nicht geklärt, ob es die Folsäure oder das Kalzium selber sind, die die Reduktion des Risikos bewirken oder andere Nährstoffe, die in diesen Lebensmitteln ebenfalls enthalten sind (folsäurereiche Nahrungsmittel, kalziumreiche Nahrungsmittel). Die Einnahme von reinen Kalzium- oder Folsäurepräparaten ohne Rücksprache mit dem Arzt wird nicht empfohlen.

Früherkennung
Funktioniert der Stuhlgang seit einem längeren Zeitraum nicht mehr so richtig - d.h. wechseln sich häufig Durchfall und Verstopfung ab - oder wird der Stuhl immer dunkler, ist es wichtig, bald zum Arzt zu gehen. Auch bei Blut im Stuhl sollte ein Arzt aufgesucht werden. Dadurch kann ein eventueller Dickdarmkrebs schon in einem frühen Stadium entdeckt werden, was die Heilungschancen deutlich verbessert.

Vorsorgeuntersuchungen
Durch Vorsorgeuntersuchungen kann Krebs in einem frühen Stadium entdeckt werden. Dadurch erhöhen sich die Heilungschancen beträchtlich. Vorsorgeuntersuchungen können jedoch keinen Krebs verhindern.
Um Darmkrebs zu entdecken, wird sowohl der Dickdarm als auch der Mastdarm untersucht.

  • Zur Vorbeugung von Mastdarmkrebs ist ab dem 50. Lebensjahr jährlich eine Untersuchung durch einen Arzt sinnvoll. Dabei tastet er den Mastdarm mit einem Finger ab. Dadurch können etwa zehn Zentimeter des Darms untersucht werden.
    (Bei Männern sieht die Gesundheitsuntersuchung in Deutschland ab dem 45. Lebensjahr eine Prostatakrebsvorsorgeuntersuchung vor. Bei der rektalen Tastuntersuchung fallen sowohl Veränderungen an der Prostata als auch am Mastdarm auf.)
  • Untersuchungen auf Blut im Stuhl (Hämoccult) sind alle ein bis zwei Jahre zu empfehlen, wenn nicht bereits eine Darmspiegelung (Koloskopie) durchgeführt wurde (siehe unten)
    In Deutschland kann diese Untersuchung bis zum Alter von 55 Jahren als Teil der gesetzlichen Vorsorge jährlich in Anspruch genommen werden. Wer sich einer Darmspiegelung unterzieht, kann den Hämoccult-Test alle zwei Jahre wiederholen.
    In Österreich wird diese Untersuchung im Rahmen der Gesundheitsuntersuchung jährlich empfohlen.  
  • Wurde Blut im Stuhl gefunden, sollte eine Darmspiegelung (Koloskopie) gemacht werden, um vorhandene Polypen zu finden und zu beseitigen. Nach zwei bis drei Jahren ist eine Kontrolluntersuchung ratsam.
    Wurde bereits eine Darmspiegelung durchgeführt, erübrigt sich die Untersuchung auf Blut im Stuhl, da die Darmspiegelung allein aussagekräftig genug ist. Wenn die Darmspiegelung keine Auffälligkeiten im Darm zeigt, reicht es, wenn die Untersuchung alle zehn Jahre wiederholt wird.
  • Ab dem 55. Lebensjahr wird in Deutschland eine Koloskopie (Dickdarmspiegelung) empfohlen und von den Krankenkassen als Vorsorgeleistung übernommen, in Österreich ab dem 50. Lebensjahr. Dabei werden mit einem flexiblen Endoskop der gesamte Dickdarm angesehen und Polypen entfernt. Die Untersuchung wird nach zehn Jahren wiederholt. Die Koloskopie ist sinnvoller als die Sigmoidoskopie, bei der mit einem Endoskop der letzte Abschnitt des Darms untersucht wird. Mit der Sigmoidoskopie können die Dickdarmabschnitte des Querdarmes und des rechten Darmes nicht eingesehen werden. Wer die Koloskopie jedoch ablehnt, kann stattdessen alle fünf Jahre eine Sigmoidoskopische Untersuchung machen lassen. In diesem Fall ist der Hämoccult-Test jährlich anzuraten.

Für Menschen, bei denen nahe Verwandte an Dickdarmkrebs erkrankt sind, sind folgende Untersuchungen zu empfehlen:

  • Eine Darmspiegelung zehn Jahre vor dem Alter, in dem der Krebs bei Verwandten aufgetreten ist. Spätestens sollte die Untersuchung ab dem 50. Lebensjahr erfolgen.
  • Weitere Darmspiegelungen sollten im Abstand von fünf Jahren folgen.

Für Menschen, bei denen nahe Verwandte vor dem 50. Lebensjahr Darmpolypen hatten, sind folgende Untersuchungen zu empfehlen:

  • Eine Darmspiegelung zehn Jahre vor dem Alter, in dem die Polypen bei dem Verwandten aufgetreten sind.
  • Weitere Darmspiegelungen sollten im Abstand von fünf Jahren erfolgen.

Für Menschen, bei denen die familiäre adenomatösen Polypose (FAP) bei einem Elternteil vorhanden ist, sind folgende Untersuchungen zu empfehlen:

  • Mit 10 Jahren ist eine genetische Untersuchung sinnvoll, um festzustellen, ob die Anlage für diese Erkrankung vorhanden ist oder nicht. Wenn die Veranlagung nicht vererbt wurde, sind keine speziellen Maßnahmen notwendig, die über die normale Vorsorge hinausgehen, da sich das Risiko nicht von dem der übrigen Bevölkerung unterscheidet. War die Untersuchung nicht aussagekräftig, können weitere Tests sinnvoll sein, um das persönliche Risiko zu erkennen (u. a. eine Augenuntersuchung mit Spiegelung der Netzhaut, da bestimmte erbliche Veränderungen der Netzhaut häufig mit der Veranlagung zu FAP einhergehen).
  • Ist die Anlage vorhanden, ist ab dem zehnten Lebensjahr einmal im Jahr eine Endoskopie des untersten Viertels des Darms sinnvoll. Werden dabei Polypen entdeckt, sollte eine komplette Darmspiegelung erfolgen. Diese Empfehlung gilt, solange noch keine Darmoperation zur Vermeidung einer Erkrankung durchgeführt worden ist (Proktocolektomie). Bei dieser Operation wird der Dickdarm entfernt und der Dünndarm an den Schließmuskel angeschlossen. Der Eingriff sollte, wenn vertretbar, nach der Pubertät, aber noch vor dem 20. Lebensjahr vorgenommen werden. Anschließend sind jährliche Kontrollen der Nahtstelle empfohlen.
  • Eine endoskopische Untersuchung der Speiseröhre, Magens und des Zwölffingerdarms sollte ab dem 30. Lebensjahr alle drei Jahre durchgeführt werden.
  • Um andere Weichteiltumore rechtzeitig entdecken zu können, sollten der Bauchraum und die Schilddrüse ab dem Alter von zehn Jahren jährlich mittels Ultraschall untersucht werden.

Für Menschen, bei denen das Lynch-Syndrom (HNPCC, Hereditary Non-Polyposis Colorectal Cancer) in der Familie vorhanden ist, sind folgende Untersuchungen zu empfehlen:

  • Mit 18 Jahren ist eine genetische Untersuchung sinnvoll um festzustellen, ob die Anlage für diese Erkrankung vorhanden ist oder nicht. Wenn keine Anzeichen für eine Vererbung gefunden wurden, sind keine speziellen Vorsorgeuntersuchungen notwendig, da sich das Risiko nicht von dem der übrigen Bevölkerung unterscheidet. Es gelten die allgemeinen Vorsorgerichtlinien (siehe oben).
  • Ist die Anlage vorhanden, sollte eine jährliche Darmspiegelung ab dem 25. Lebensjahr gemacht werden, allerdings spätestens fünf Jahre vor dem Erkrankungsalter desjenigen Verwandten, der im jüngsten Alter erkrankt ist.
  • Bei Frauen sind ab dem 25. Lebensjahr Ultraschalluntersuchungen einmal jährlich zu empfehlen, um gegebenenfalls einen Gebärmutter- oder Eierstockkrebs frühzeitig zu erkennen.
  • Eine Ultraschalluntersuchung des Bauches sollte ab dem 25. Lebensjahr einmal im Jahr gemacht werden.
  • Wenn in der Familie Magenkrebs aufgetreten ist, ist eine Magenspiegelung sinnvoll. Wenn eine bösartige Veränderung gefunden wird, kann sie durch eine Operation beseitigt werden.

Für Menschen, die seit mehr als acht Jahren an Pancolitis ulcerosa (d.h. Entzündung des gesamten Dickdarmes) oder seit über 15 Jahren an linksseitiger Colitis erkrankt sind (d.h. Entzündung des absteigenden Dickdarmes bis zum Enddarm), gilt folgende Empfehlung:

  • Eine jährliche Darmspiegelung mit einer Entnahme von Gewebeproben.

Für Menschen, die an Morbus Crohn erkrankt sind, werden keine Darmkrebs-Vorsorgemaßnahmen, die über die allgemeinen Empfehlungen hinausgehen empfohlen.

Beschwerden

Dickdarmkrebs bleibt oft lange unbemerkt, weil die Krankheit lange keine Beschwerden verursacht.
Häufige Beschwerden bei Dickdarmkrebs sind:

  • Sich langsam verändernder Stuhlgang
  • Abwechselnd Verstopfung und Durchfall
  • Blut im Stuhl
  • Schmerzen im Bauch

Später auftretende Beschwerden sind:

  • Anhaltende Verstopfung mit Erbrechen oder starken Bauchschmerzen

Häufig treten auch allgemeine Beschwerden auf:

  • Unerklärliche Gewichtsabnahme
  • Aufgeblähter Bauch
  • Appetitlosigkeit
  • Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit

Auch wenn diese Beschwerden vorhanden sind muss es sich nicht um Krebs handeln.
Bis das endgültige Ergebnis einer vollständigen Diagnose vorliegt, ergibt sich eine für den Patienten schwierige Situation. Von vielen Patienten wird diese Zeit als die schwierigste empfunden. Gespräche mit Angehörigen und Freunden können helfen, Ordnung in die Gedanken zu bringen. Unter Umständen ist es sinnvoll, professionelle psychotherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Diagnose

Die genaue Diagnose zur Feststellung der Lage und Ausbreitung des Tumor sowie des Stadiums ist entscheidend für die Wahl der richtigen Behandlung. Untersuchungen sollten von einem darauf spezialisierten Arzt durchgeführt werden.
Die Untersuchungen sollten in der Reihenfolge, wie sie hier beschrieben sind durchgeführt werden:

  • Bei einer ersten Untersuchung fragt der Arzt nach dem bisherigen Verlauf der Beschwerden. Auch die Krankengeschichte von nahen Verwandten ist relevant. Die wichtigste Untersuchung ist das Austasten des Mastdarms durch den Arzt. Dadurch kann zwar Dickdarmkrebs nicht, aber möglicherweise ein Mastdarmkrebs gefunden werden.
  • Durch eine labormedizinische Untersuchung auf Blut im Stuhl (Hämoccult) kann eine Verletzung der Darmschleimhaut festgestellt werden. Sie liefert für den Arzt erste Anhaltspunkte. Die Aussagekraft der Untersuchung ist allerdings mäßig. Eine größere Genauigkeit gibt der Prevent-ID-Test auf Blut im Stuhl. Die Kosten dafür werden derzeit jedoch noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
  • Durch eine Endoskopie des Darms (Darmspiegelung) können Veränderungen der Schleimhaut des Darms und Polypen entdeckt werden. Sie ist die genaueste und wichtigste Untersuchung, um Dickdarmkrebs fest zu stellen. Die bei der Untersuchung gefundenen Polypen werden meist gleich entfernt. Falls ein Tumor gefunden wird, kann so der Entstehungsort genau bestimmt werden. Während der Untersuchungen werden Gewebeproben genommen. Im Labor kann der Pathologe feststellen, ob der Polyp einen Tumor aufweist und ob dieser gutartig oder bösartig ist. Um Irrtümer auszuschließen, sollte die Laboruntersuchung von einem zweiten Spezialisten überprüft werden. Unter Umständen gelingt bei dieser Untersuchung durch die Entfernung von Polypen gleichzeitig eine frühzeitige Behandlung der Krankheit.
  • Durch eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel kann die genaue Lage des Tumors im Darm bestimmt werden. Um weitere Informationen zu erhalten, kann diese Untersuchung mit der Darmspiegelung kombiniert werden. So können ein eventuell vorhandener weiterer Tumor und auffällige Metastasen entdeckt werden.
  • Eine labormedizinische Untersuchung des Blutes, bei der die Tumormarker (CA 19-9) bestimmt werden, dient zur Verlaufskontrolle der Krankheit.
  • Eine Ultraschallendoskopie kann durchgeführt werden, um festzustellen, wie tief der Tumor in den Darm vorgedrungen ist. Außerdem können die Lymphknoten auf einen Befall hin untersucht werden. Die Ultraschallendoskopie dient damit der Beurteilung des Stadiums.
  • Eine Computertomografie (CT) des Bauches in Ergänzung zur Ultraschalluntersuchung wird gemacht, um die genaue Lage und die Ausbreitung des Tumors zu bestimmen.
  • Anstelle der Computertomografie kann in speziell ausgerüsteten Krankenhäusern eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden.
  • Eine Computertomografie (CT) des Brustkorbs dient dem Auffinden von Lungenmetastasen und zur Vorbereitung auf eine Operation.
  • Konnte durch Untersuchungen ein Verdacht auf die Beteiligung der Harnblase oder der Gebärmutter nicht ausgeräumt werden, sind eine Zystoskopie (Blasenspiegelung) oder bestimmte gynäkologische Untersuchungen notwendig.

Ergebnisse der Untersuchungen
Dickdarmkrebs bildet sich meist aus den Drüsenzellen des Darms. Der Dickdarm liegt wie ein umgekehrtes U im Körper. Die Tumoren bilden sich besonders oft links unten im letzten Teil des Darms (45 Prozent) und an der rechten Seite.
Metastasen treten bei Dickdarmkrebs vor allem in Leber, Lunge und Knochen auf.
Nachdem Dickdarmkrebs festgestellt wurde, befürchten viele Patienten, dass sie zukünftig mit einem künstlichen Darmausgang leben müssen. In den weitaus meisten Fällen ist diese Furcht unbegründet, da es heute Operationstechniken gibt, bei denen der natürliche Darmausgang erhalten bleibt und ein normaler Stuhlgang weiterhin möglich ist.

Stadien bei Dickdarmkrebs
Auch nachdem die vollständige Diagnose durchgeführt wurde, steht das Stadium der Dickdarmkrebserkrankung nicht immer fest. Ganz genau kann dieses erst nach einer Operation bestimmt werden, wenn entnommene Lymphknoten durch einen Pathologen untersucht worden sind.
Die Stadien bei Dickdarmkrebs werden nach der internationalen TNM-Klassifikation eingeteilt. Diese richtet sich vor allem danach, wie tief der Tumor in das Organ eingedrungen ist. (T = Tumorgröße, N = befallene Lymphknoten / Nodus, M = Metastasen).

Behandlung

Die Wahl der Behandlungsmethoden hängt vom Krebsstadium, von der Lage des Tumors, dem Allgemeinzustand des Patienten und weiteren individuellen Faktoren ab. Nachdem die Diagnose vorliegt, schlägt der Arzt die weitere Behandlung vor. Die Auswirkungen der jeweiligen Behandlungsmethoden sind unterschiedlich. Die Therapie wird in einer Tumorkonferenz mit mehreren Fachärzten besprochen. Empfehlenswert ist es jedenfalls, eine zweite ärztliche Meinung über die weitere Vorgehensweise einzuholen.
Die Entfernung des Tumors durch eine Operation ist die Standardtherapie. Wann immer es möglich ist, wird die Operation durchgeführt, denn sie bietet als einziges Therapieverfahren gute Aussichten, vollständig vom Krebs geheilt zu werden. Die Operation kann durch zusätzliche Verfahren wie Chemo-, Strahlen-, oder Immuntherapie unterstützt werden.
Zusätzlich können verschiedene Verfahren zur Linderung von Beschwerden angewendet werden.

Heilungschancen
Beim Darmkrebs gilt: Je früher der Krebs erkannt wird, desto besser sind die Überlebensraten.
Die Überlebensraten hängen vor allem von der vollständigen Entfernung des Tumors ab. Wird in den Stadien 3 und 4 eine Chemotherapie, evtl. mit einer Immuntherapie, durchgeführt, führt das zu einer entscheidenden Verbesserung.

Stadium 0:
Wurde Dickdarmkrebs im Stadium 0 entfernt, unterscheidet sich die Lebenserwartung nicht vom Rest der Bevölkerung.
Stadium 1:
Die 5-Jahres-Überlebensrate nach einer Operation liegt bei Stadium 1 bei etwa 90 Prozent.
Stadium 2:
Die 5-Jahres-Überlebensrate nach einer Operation liegt bei Stadium 2 zwischen 70 und 80 Prozent.
Stadium 3:
Die 5-Jahres-Überlebensrate nach einer Operation liegt bei Stadium 3 etwa zwischen 50 und 60 Prozent.
Stadium 4:
Die 5-Jahres-Überlebensrate nach einer Operation liegt bei Stadium 4 um zehn Prozent.

Chirurgische Maßnahmen
Vor einer Operation wird in den meisten Krankenhäusern der Darm zwei bis drei Tage langsam gespült. Vorbereitend werden oft Antibiotika eingesetzt.
Es gibt inzwischen auch das Verfahren der Fast-Track-Vorbereitung, bei dem nicht der ganze Darm gespült werden muss, sondern während der Operation der zu operierende Darmabschnitt nach Abklemmung separat gereinigt wird. Dieses Verfahren wird besonders bei älteren, kreislaufinstabilen Menschen bevorzugt.
Noch während der Operation wird das genaue Stadium der Erkrankung bestimmt. Dabei werden die Lymphknoten und die Leber auf einen Befall durch Tumorzellen untersucht.
Stadium 0:
In diesem Stadium sind meist nur Polypen oder Veränderungen der Darmschleimhaut vorhanden. Die Entfernung der Polypen ist die Therapie der Wahl. Wenn möglich, wird die Operation im Zuge einer Endoskopie oder einer Laparoskopie durchgeführt. Das entnommene Gewebe wird daraufhin im Labor durch einen Pathologen untersucht. Handelt es sich um eine aggressive Krebsart, was allerdings nur selten der Fall ist, wird der Darm aus Sicherheitsgründen wie im Stadium 1 operiert.
Ist die Schleimhaut auf einem längeren Abschnitt des Darms verändert, muss ein größerer Darmabschnitt entfernt werden.
Stadium 1 bis 3:
Das Standardverfahren ist die vollständige Entfernung des Tumors mitsamt dem Abschnitt des Darms, in dem sich der Tumor befindet. Lymphknoten, die sich um den Darmabschnitt herum befinden, werden ebenfalls entfernt und auf einen Befall durch Tumorzellen untersucht. Wenn möglich werden die beiden Enden des Dickdarms sofort wieder miteinander verbunden. Wie groß der Eingriff ist, hängt auch vom Entstehungsort des Tumors ab.
Ist der Tumor bereits in einem fortgeschrittenen Stadium, müssen je nach Entstehungsort auch benachbarte Organe entfernt werden, um eine Heilung zu erreichen. In manchen Fällen ist eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie vor der Operation notwendig, um den Tumor zu verkleinern.
Sind bei der Untersuchung der Lymphknoten im Labor Tumorzellen gefunden worden (Stadium 3), wird nach einer erfolgreichen Operation eine unterstützende Therapie durchgeführt. Die Verfahren die dabei zur Verfügung stehen, sind die Chemotherapie mit oder ohne Immuntherapie.
Wenn der Patient unter einem akuten Darmverschluss leidet oder in einem schlechten Allgemeinzustand ist, wird für eine bestimmte Zeit ein künstlicher Darmausgang angelegt. Bessert sich der Zustand, kann dieser bei einer neuerlichen Operation wieder entfernt werden. Dabei verbindet der Chirurg die beiden Darm-Enden wieder. Durch neuartige Operationsverfahren ist ein künstlicher Darmausgang immer seltener notwendig.
Ein künstlicher Darmausgang wird in den Bauchmuskeln links oder rechts unterhalb des Bauchnabels angelegt. Vor der Operation wird die genaue Lage mit dem Patienten gemeinsam festgelegt, damit später keine unnötigen Behinderungen durch eine ungünstige Lage (etwa am Hosenbund) entstehen.
Stadium 4:
Wenn es der Allgemeinzustand sowie die Lage und Ausbreitung der Metastasen zulassen, kann auch im Stadium 4 eine Operation durchgeführt werden. Sie wird genau so durchgeführt wie in den Stadien 1 bis 3. Zusätzlich muss eventuell bei einer zweiten Operation auch das Organ entfernt werden, in dem Metastasen gefunden wurden. In der Regel ist entweder die Leber oder die Lunge betroffen. Ist mehr als ein Organ zusätzlich miterkrankt, wird eine Chemotherapie der Operation vorgezogen.
Die Wahl der Betäubung
Für die Operation ist eine Vollnarkose notwendig.
Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung während und nach der Operation verringert die Beschwerden danach beträchtlich.
Risiken und Komplikationen
Die teilweise Entfernung des Dickdarms ist ein sehr umfangreicher, trotzdem aber sicherer Eingriff, bei dem in der Regel nicht oft Komplikationen auftreten.
Bei einigen Patienten kann es zu Nahtbrüchen an den Verbindungsstellen kommen. Die häufigste Komplikation besteht darin, dass sich Abszesse im Bauchraum bilden. In beiden Fällen muss erneut operiert werden. Zur Kontrolle dienen Röntgen- und Blutuntersuchungen.
Durch die lange Bettlägerigkeit kann eine Lungenentzündung entstehen. Diese kann erfolgreich mit Antibiotika behandelt werden.
Viele Patienten haben Schmerzen bei der Atmung, weil bei der Operation die Muskeln der Bauchdecke durchtrennt wurden. Eine medikamentöse Behandlung dieser Schmerzen ist möglich und kann auch durch den Patienten eingefordert werden.
Zur Vorbeugung von Thrombosen (Blutgerinnseln) erhält der Patient Injektionen mit blutverdünnenden Medikamenten.
In für diese Operationen spezialisierten Kliniken ist die Komplikationsrate niedrig und die Sterblichkeitsrate liegt bei etwa zwei Prozent. Daher ist es wichtig, eine geeignete Klinik aufzusuchen.
Nach der Operation
Nach der Operation bleibt der Patient manchmal einen Tag auf der Intensivstation.
Wenn es der Kreislauf zulässt, kann der Patient schon am Tag der Operation wieder aufstehen.
Während der Operation wird eine Magensonde durch die Nase in den Magen eingeführt. Sie wird erst etwa zwei Tage nach der Operation entfernt bzw. wenn aus diesem Schlauch kein Magensaft mehr fließt. Die Sonde wird zwar oft als irritierend empfunden, dient aber dazu, Übelkeit und Erbrechen zu vermeiden.
Da durch die Operation eine große innere Wunde entstanden ist, muss das Wundsekret mit einem Drainageschlauch abgeführt werden. Dieser wird nach einigen Tagen entfernt. Etwa ein bis zwei Tage lang ist ein Blasenkatheter notwendig, weil die Blase durch die Operation meist irritiert ist und viele Patienten dadurch Probleme beim Wasserlassen haben.
Die ersten drei Tage nach der Operation ist eine künstliche Ernährung notwendig, um die Nähte zu entlasten. Der weitere Verlauf ist von Krankenhaus zu Krankenhaus leicht unterschiedlich. Meist beginnt ab dem vierten Tag ein langsamer Kostaufbau. Zuerst kann schluckweise Tee getrunken werden, später passierte Nahrung, dann Schonkost.
Der Krankenhausaufenthalt dauert je nach Größe der Operation, dem Alter, aber auch abhängig von der körperlichen Verfassung zwischen einer und drei Wochen.

Unterstützende Behandlungen nach der Operation
Chemotherapie nach der Operation
Auch nach einer erfolgreichen Operation kann es notwendig sein, eine Chemotherapie durchzuführen.
Stadium 0 bis 1:
Bei Krebs im Stadium 0 bis 1 ist eine Chemotherapie nicht notwendig.
Stadium 2:
Im Stadium 2 soll eine Chemotherapie durchgeführt werden, wenn Risikofaktoren vorliegen (aggressives Wachstum, wenige operierte Lymphknoten, angrenzende Organe mitbetroffen, Darmverschluss).
Stadium 3:
Wurde ein Befall der Lymphkoten festgestellt - das ist bei Stadium 3 der Fall - liegen die Heilungschancen nach einer Operation, wenn keine zusätzlichen Maßnahmen durchgeführt werden, bei 50 Prozent. Hier bringt eine gut durchgeführte Chemotherapie entscheidende Vorteile und ist daher die Standardvorgangsweise. Ist der Tumor tief in den Darm und auch in angrenzende Organe eingedrungen (T4), kann es notwendig sein, die Chemotherapie schon vor einer Operation durchzuführen und so den Tumor zu verkleinern. Die Überlebensrate kann dadurch auf über 65 Prozent gesteigert werden. Patienten mit kleinen Tumoren (T1) mit geringem Lymphknotenbefall (N1) können so in 80 Prozent aller Fälle geheilt werden.
Die Behandlung beginnt frühestens drei Wochen nach der Operation, um dem Körper genug Zeit zur Regeneration zu gönnen. Die bei dieser Therapie eingesetzten Medikamente (Zytostatika) hemmen die Teilung der Zellen. Als Standardtherapieverfahren ist eine Kombination von Fluorouracil und Folinsäure mit Oxaliplatin die Therapie der Wahl, wobei die ersten beiden Mittel auch durch Capecitabine, das als Tablette eingenommen werden kann, ersetzbar sind. In manchen Situationen kann Oxaliplatin weggelassen oder durch Irinotecan ersetzt werden. Die Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen können durch Medikamente (Antiemetika) und eine geeignete Ernährung bei Krebs beseitigt werden. Bei einigen Patienten kann es zu einer Entzündung der Mundschleimhaut kommen. Um das zu vermeiden, hilft es, während und nach der Infusion Eis zu lutschen.
Die Therapie dauert etwa sechs Monate und kann ambulant durchgeführt werden.
Es ist vorteilhaft, die für den Patienten beste Behandlung mit dem behandelnden Arzt genau zu besprechen.
Stadium 4:
Wenn es der Allgemeinzustand zulässt, kann auch bei Stadium 4 zur Vorbereitung auf eine Operation eine Chemotherapie durchgeführt werden. Wenn das Stadium 4 durch Lebermetastasen bedingt ist, kann unter Umständen eine primäre Chemotherapie bei gutem Ansprechen, gefolgt von einem Versuch der operativen Entfernung der in der Leber verbliebenen Herde, versucht werden.
Immuntherapie
In Chemotherapie können auch so genannte monoklonale Antikörper eingesetzt werden. Sie gelangen direkt durch eine Infusion in die Blutbahn. Es sind dies Cetuximab (Abwehr-Eiweißkörper, die gegen Vorgänge gerichtet sind, die das Tumorwachstum unterstützen) und Bevacizumab (ein humanisierter monoklonaler Antikörper gegen den Vascular Endotheliar Growth Factor).
Gelegentlich tritt Übelkeit auf, diese kann durch eine Umstellung der Ernährung und medikamentös mit Antiemetika behandelt werden. In seltenen Fällen kann es bei der Immuntherapie zu einem Schock kommen, daher ist die Beobachtung durch einen Arzt nach der Infusion unbedingt notwendig.
Strahlentherapie nach der Operation
Eine Dickdarmkrebsoperation besonders geeigneten Krankenhauses nach der Operation ist keine Standardtherapie.

Palliative Maßnahmen bei nicht heilbarem Krebs
Kann der Tumor nicht durch eine Operation entfernt werden, kommt es durch das Wachstum und durch die Bildung von Metastasen zu erheblichen Beschwerden. Diese können aber durch die folgenden Methoden entweder ganz oder zum Großteil beseitigt werden.
Chemotherapie
Die Chemotherapie dient zur Beseitigung von Schmerzen, die durch den Tumor oder durch die Metastasen verursacht werden.
Die Behandlung erfolgt etwa alle drei bis vier Wochen. Oft verschwinden Schmerzen im Oberbauch ganz, bei manchen Patienten treten sie jedoch kurz vor der nächsten Behandlungsrunde wieder auf. Das Standardtherapieverfahren ist derzeit eine Behandlung durch eine Kombination mit Fluorouracil und Folinsäure oder aber Capecitabine kombiniert mit Irinotecan oder Oxaliplatin. Diese beiden Stoffe haben gegen über anderen Chemotherapeutika geringere Nebenwirkungen. Übelkeit und Erbrechen treten bei diesen Medikamenten nur gelegentlich auf und können durch Medikamente (Antiemetika) und geeignete Ernährung bei Krebs beseitigt werden. Bei einigen Patienten kann es zu einer Entzündung der Mundschleimhaut kommen. Um das zu vermeiden hilft es, während und nach der Infusion Eis zu lutschen.
Die Chemotherapie wirkt zusätzlich lebensverlängernd und kann ambulant durchgeführt werden.
In den letzten Jahren sind neue Zytostatika in Tablettenform entwickelt worden. Capecitabine ist gleich gut wirksam und mindestens so gut verträglich. Daher ist es heute schon genauso einsetzbar wie Fluorouracil.
Welche Therapieform geeignet ist, hängt von vielen Faktoren ab. Auf jeden Fall muss dies durch ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt geklärt werden. Unter Umständen ist es vorteilhaft, Rat bei einem zweiten Spezialisten einzuholen.
Chirurgische Maßnahmen
Das Ziel einer Operation ist die Erhaltung der Darmfunktion. Dadurch verbessert sich Lebensqualität für den Patienten. Beschwerden von Bauchschmerzen bis zur totalen Verstopfung, die durch die Blockade des Darms durch den Tumor verursacht wird, können durch die Operation vollständig beseitigt werden.
In der Regel wird der betroffene Teil des Darms gemeinsam mit dem Tumor entfernt. Ist das nicht möglich kann auch eine Umleitung angelegt werden. Der Darminhalt nimmt dann den neuen Weg und eine normale Verdauung wird wieder möglich. Ein künstlicher Darmausgang wird bei dieser Art der Operation nicht angelegt.
Die Operation wirkt sich zudem lebensverlängernd aus.
Strahlentherapie
Die Dickdarmkrebsoperation besonders geeigneten Krankenhauses ist das Mittel der Wahl, wenn sich Metastasen in Knochen festgesetzt haben und starke Schmerzen verursachen. Mit einer Strahlentherapie lassen sich diese Metastasen verkleinern oder ganz zerstören. Diese Therapie ist bei Dickdarmkrebs aber nur selten notwendig.
Metastasen in der Leber werden mit Radiofrequenzthermoablation behandelt, d. h. die Tumorzellen werden mittels Radiofrequenzwellen über eine Sonde "verkocht". Auch eine operative Entfernung ist möglich. Außerdem kann auch eine so genannte Embolisation versucht werden: Damit sollen die Metastasen von der Blutversorgung abgeschnitten werden. In das Blutgefäß, das die Krebszellen versorgt, wird mit einem Katheter eine Substanz eingebracht, die verhindert, dass die Krebszellen weiterhin mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden, und sie sterben ab.
Bei Hirnmetastasen kommen Strahlentherapie bzw. Gamma-Messer (Gammaknife) zum Einsatz. Dabei handelt es sich um eine gebündelte computergestützt gezielte Strahlentherapie, welche die Metastasen sehr gezielt zum Absterben bringt.

Ergänzende Maßnahmen
Komplementärmedizinische Verfahren können helfen, die Lebensqualität zu verbessern oder die Nebenwirkungen der Standardtherapie zu reduzieren. Eine vollständige Auflistung und Einteilung der komplementärmedizinischen Verfahren in anerkannte, zweifelhafte, nicht allgemein anerkannte oder gesichert nutzlose therapeutische Verfahren ist angesichts der mangelhaften Datenlage kaum durchführbar. Eine Auswahl und Bewertung bestimmter Therapieformen wird aber dennoch angeführt: Diese Bewertung der Einschätzung kann sich in den nächsten Jahren sicherlich wieder verändern und stellt auch derzeit keine Konsensmeinung dar.
Die Akupunktur kann Schmerzen lindern und die oft durch die Chemotherapie verursachte Übelkeit und das Erbrechen verringern. Entspannungstechniken können Muskelverspannungen lösen, Angst und Hoffnungslosigkeit reduzieren. Autogenes Training zusammen mit Hypnose verringert die Nebenwirkungen der Chemotherapie. Außerdem kann der Patient durch diese Verfahren lernen, seine Schmerzen zu kontrollieren und auch selbst zu lindern.
Die Misteltherapie kann bei einer Chemotherapie als Ergänzung hilfreich sein.
Biofeedback kann Schmerzen, Schlafstörungen, Nervosität und Angst, die durch die Erkrankung entstanden sind, lindern.
Günstig auf die Heilung wirkt sich eine vollwertige Ernährung bei Krebs aus. Jede Art von Fasten dagegen ist bei einer Krebserkrankung gefährlich, da es zu einer Schwächung des Immunsystems führt.
Eine Beratung durch einen Psychoonkologen oder einen speziell ausgebildeten Psychologen kann helfen, das seelische Gleichgewicht wieder zu finden.
Physikalische Medizin kann die Durchblutung fördern, Entspannung bringen und die Regulierung des Lymphsystems nach der Operation deutlich beschleunigen.
Krebsschmerztherapie kann die Schmerzen deutlich lindern.

Rehabilitation
Ob es für den Patienten vorteilhaft ist, nach der Behandlung eine Rehabilitationsklinik aufzusuchen, hängt von seiner Situation ab. Viele Patienten sehnen sich danach, wieder in den Kreis der Familie zurückzukehren, andere ziehen den Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik vor. Aber auch ambulante Rehabilitationsmaßnahmen sind möglich.
Ziel von Rehabilitationsmaßnahmen nach der Behandlung ist es, dem Patienten wieder die Teilnahme am Berufs-, Familien- und Sozialleben zu ermöglichen.
Je nach Patient und Schwere der Erkrankung bzw. der Krankheitsfolgen liegt der Schwerpunkt auf einer Wiedereingliederung in das Berufsleben und auf einer Förderung sozialer Kontakte.
Durch Rehabilitationsmaßnahmen kann der Patient lernen, sein Leben an die neue Situation anzupassen, mögliche Beschwerden zu lindern und mit Problemen richtig umzugehen. Eine gute Rehabilitation kann erfolgreich Schmerzen bekämpfen, die Lebensmöglichkeiten durch spezielles Training verbessern und neue Lebenserfahrungen ermöglichen. Auf den Patienten abgestimmte Übungen lassen ihn wieder an Körperkraft gewinnen, tragen aber auch dazu bei, das Selbstbewusstsein zu steigern. Dadurch kann Mobilität und Selbständigkeit erreicht werden, wodurch weniger Pflege nötig wird. Bevorzugt wird die aktive Bewegungstherapie, aber auch passive Behandlungen sind möglich.
Vor allem bei Operationen, die den letzten Darmabschnitt betroffen haben, kann es zu einer vorübergehenden Schwäche des Schließmuskels kommen. Durch gezielte Übungen kann der Muskel so trainiert werden, dass er wieder voll funktioniert. Dies ist jedoch ein langwieriger Prozess, der bis zu eineinhalb Jahren in Anspruch nehmen kann.
Musste ein künstlicher Darmausgang angelegt werden, gibt es zum einen eine Vielzahl von Hilfsmitteln. Zum anderen kann in einem Rehabilitationszentrum auch das Ausspülen des Darms erlernt werden. Nach einem Wassereinlauf entleert sich der Darm vollständig. Der Ausgang kann daraufhin unauffällig durch eine Klappe verschlossen werden. Durch diese Technik ist bald ein weitgehend normales, aktives Leben möglich. Auch Sportarten wie etwa Schwimmen können wieder ausgeübt werden.
Durch ein spezielles Beckenbodentraining kann man eine Blasenschwäche in den Griff bekommen. Allerdings dauert es einige Zeit, bis der Schließmuskel der Blase wieder richtig arbeitet. Für die Übergangszeit kann der Patient auf eine Reihe von Hilfsmittel zurückgreifen.

Probleme nach einer Dickdarmoperation
Eine Umstellung der Ernährung wirkt sich positiv aus. Besondere Maßnamen, wie der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, sind bei den meisten Patienten aber nicht notwendig. War der bei der Operation entnommene Darmabschnitt besonders groß, ist eine nicht blähende Ernährung vorteilhaft.

Leben mit der Krankheit

Auch nach einer erfolgreich verlaufenen Dickdarmkrebsoperation bleibt der Patient in einer schwierigen Situation.
Die besten Erfolge mit der Krankheit umzugehen werden durch eine ganzheitliche Herangehensweise erzielt. Eine Umstellung der Ernährung ist sinnvoll, außerdem ist es empfehlenswert, konsequent auf Alkohol zu verzichten, das Rauchen aufzugeben und keine anderen Drogen einzunehmen.
Gespräche mit Angehörigen, Freunden oder auch einem geschulten Therapeuten können helfen, die Situation leichter zu bewältigen.

Leben mit einem künstlichen Darmausgang
Für einen Teil der Patienten bedeutet eine Darmkrebsoperation das Leben mit einem künstlichen Darmausgang. Im Gegensatz zu früher sind heute Hilfsmittel wie der Kolostomiebeutel so weit ausgereift, dass Geruchs- oder Hygieneprobleme praktisch nicht mehr vorkommen. Der Beutel muss zwar immer wieder gewechselt werden, je nach Größe in unterschiedlichen Zeitabständen. Manche Patienten ziehen einen Ausstreifbeutel vor. Welches Hilfsmittel gewählt wird, kann bei einer Beratung durch Stomatherapeuten im Krankenhaus und durch Ausprobieren herausgefunden werden.

Die Schmerzen besiegen
Die Hälfte aller Krebspatienten leiden schon recht bald unter Schmerzen, ein Drittel der unheilbar Krebskranken ist mit schweren chronischen Schmerzen konfrontiert. Doch nur selten sind die Schmerzen stärker als jedes Medikament - eine gut ausgewogene Krebsschmerztherapie kann da viel ausrichten, ohne zusätzlichen Schaden anzurichten.
Physikalische Medizin und eine Massagetherapie können die Beschwerden ebenfalls lindern.

Isolation vermeiden
Nach einer Dickdarmoperation ist es bisweilen nicht mehr möglich, weiter im früheren Beruf tätig zu bleiben. Vor allem körperlich belastende Tätigkeiten und das Arbeiten in heißen Räumen sind für die meisten Patienten nicht mehr zumutbar. Durch Anpassungen des Arbeitsplatzes kann jedoch in vielen körperlich nicht belastenden Berufen die Arbeit wieder aufgenommen werden. Einfache Maßnahmen sind eine Absenkung der Raumtemperatur oder ein kurzer Weg zur Toilette.
Es ist auf jeden Fall wichtig, dass der Patient einen Teil seines früheren Alltags aufrechterhält, um sein Selbstwertgefühl und seine sozialen Kontakte zu bewahren.  

Betreuung zu Hause
Ist eine Heilung von der Krankheit nicht möglich, wünschen sich viele Erkrankte eine Betreuung und Pflege in den eigenen vier Wänden.
Ihnen stehen finanzielle Leistungen und fachliche Unterstützung zu (Pflegeversicherung). Wenn die persönlichen Antiemetika stimmen, ermöglicht die Zusammenarbeit mit einem ambulanten Pflegedienst eine optimale pflegerische Betreuung auch außerhalb der Klinik. Wer für eine gute Organisation der Pflege sorgt und sich das nötige Wissen über die Pflegepraxis aneignet, kann die Belastungen in Grenzen halten. Dazu trägt auch eine individuelle Anpassung der Wohnung bei.

Nachuntersuchungen
Dickdarmkrebs tritt nur bei etwa fünf Prozent aller behandelten Patienten noch einmal auf.
Da im Stadium 0 und 1 die Heilungschancen für Dickdarmkrebs besonders gut sind, bringen eine intensive Nachuntersuchungen für diese Patienten keine Verbesserung der Lebenserwartung. Für Patienten mit Stadium 1 sind Untersuchungen durch einen Arzt und eine Darmspiegelung nach zwei bzw. nach fünf Jahren sinnvoll.
Nachuntersuchungen sind bei vor allem für Patienten mit Stadium 2 und 3 sinnvoll.

Halbjährliche Untersuchungen:

  • Körperliche Untersuchung durch den Arzt, bei der gezielt nach Körpergewicht, Verdauungsbeschwerden und Schmerzen gefragt wird. Dadurch können körperliche Beschwerden schnell erkannt und beseitigt werden.
  • Eine Ultraschallendoskopie des Bauches dient dazu, Metastasen in der Leber festzustellen.
  • Eine labormedizinische Untersuchungdes Blutes zur Bestimmung der Tumormarker kann hilfreich sein.

Jährliche Untersuchungen:

Nach zwei und nach fünf Jahren:

  • Um den Darm direkt zu untersuchen, wird eine Endoskopie des Darms durchgeführt.
    Wenn Krebs nach einer Behandlung erneut auftritt, ist das bei drei Viertel aller Patienten innerhalb der ersten zwei Jahre der Fall, bei 90 Prozent innerhalb der ersten vier Jahre. Das ist auch der Grund dafür, dass Nachuntersuchungen ab dem fünften Jahr nach einer Operation nicht mehr vorgenommen werden. Etwa die Hälfte aller wiederauftretenden Tumoren können durch die Nachuntersuchungen schon frühzeitig entdeckt werden. Die Heilungschancen nach einer neuerlichen Operation sind ebenso gut wie beim ersten Mal. Daher ist es wichtig, sich selbst genau zu beobachten und auf seinen Körper zu hören, um Veränderungen schnell zu erkennen.

Experten:

Dr. med. Rainer Pöhnl (Innere Medizin) Doris Treytnar (Fachärztin für Innere Medizin) Univ. Prof. Dr. med. Michael Wolzt (Pharmakologie)

Zuletzt aktualisiert am:

2007-12-03

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.