Bandscheibenvorfall
Ein Bandscheibenvorfall hat so wie eine Bandscheibenvorwölbung viele Gesichter. Er kann völlig unbemerkt verlaufen, unerträgliche Schmerzen verursachen oder gar mit Lähmungserscheinungen oder einem Taubheitsgefühl einhergehen. Dementsprechend unterschiedlich sind auch die Behandlungsformen, die von krankengymnastischen Übungen über medikamentöse Behandlung bis hin zu ausgedehnten chirurgischen Maßnahmen gehen. Ein rückenfreundliches Leben und kräftige Bauch-, Rücken- und Gesäßmuskulatur sind die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung.
Die Bandscheibe besteht aus einem Faserring und einem Gallertkern. Sie liegt zwischen zwei Wirbelkörpern und hilft mit, die Wirbelsäule abzufedern. Bei einer Bandscheibenvorwölbung verlagert sich der Gallertkern im Faserring, sie ist Vorstufe des Bandscheibenvorfalls. Bei diesem tritt Material des Gallertkerns aus dem Faserring teilweise oder vollständig aus. Der Sammelbegriff für alle Veränderungen an der Bandscheibe lautet Bandscheibenschaden.
Ein vorgefallener Gallertkern kann auf die Nervenwurzeln drücken, die vom Rückenmark ausgehen. Die von diesen Nerven versorgten Muskeln können Lähmungserscheinungen zeigen, oder es kommt zu einem Taubheitsgefühl bestimmter Hautbezirke. Bandscheibenprobleme treten häufig auf. In vielen Fällen wissen die Betroffenen gar nichts davon. Am häufigsten werden Menschen mittleren Alters davon betroffen. Die meisten akuten Schmerzen im Zusammenhang mit einem Bandscheibenvorfall bei älteren Patienten entstehen durch eine Lageveränderung eines bereits bestehenden Vorfalls. Bis zu 70 Prozent der Gesamtbevölkerung hat einen Bandscheibenvorfall, der allerdings symptomlos und somit unerkannt bleibt. Bei Jugendlichen und im hohen Alter ist diese Krankheit selten.
Betroffen sind in 95 Prozent der Fälle die Bandscheiben zwischen oberstem Kreuzbeinwirbel und unterstem Lendenwirbel und zwischen dem untersten und dem nächst höheren Lendenwirbel. Etwa fünf Prozent der Bandscheibenvorfälle ereignen sich im Halswirbelbereich, die Bandscheiben der Brustwirbel sind außerordentlich selten betroffen.
Ursachen
Beim natürlichen Alterungsprozess werden die Bandscheiben mehr und mehr entwässert, das macht den Faserring spröde. Risse und Verletzungen treten häufiger auf. Der geschwächte Faserring kann den Gallertkern nicht mehr gut stützen, der Gallertkern kann sich allmählich oder bei schnellen Bewegungen und plötzlicher Überbeanspruchung als Bandscheibenvorwölbung verlagern oder beim Bandscheibenvorfall aus dem Faserring austreten.
Rissig wird der Faserring auch durch andauernde Druckbelastung der Bandscheibe. Ständige Vibrationen der Wirbelsäule schwächen die Bandscheiben enorm. Eine angeborene Bindegewebsschwäche kann die "Haltbarkeit" der Bandscheiben zusätzlich herabsetzen. Ungenügend trainierte Bauch-, Rücken- und Gesäßmuskeln begünstigen die Entstehung eines Bandscheibenschadens, weil die Wirbelsäule schlecht gestützt wird. Eine schlechte Haltung, langes Sitzen und falschen oder zu häufiges Bücken, Tragen und Heben zu schwerer Gewichte belasten die Wirbelsäule sehr stark, das setzt die "Lebenserwartung" der Bandscheiben herab.
Psychische "Verspannungen" begünstigen eine schlechte Haltung und damit auch Bandscheibenschäden.
Vorbeugung
Eine allgemein "rückenfreundliche" Lebensweise beugt Bandscheibenschäden vor. Die Einhaltung einfacher Regeln im Alltag trägt bereits sehr viel dazu bei. So entlastet es die Bandscheiben, beim Bücken in die Knie zu gehen und beim Heben die Oberschenkelmuskulatur die Hauptarbeit machen zu lassen. Lasten sollten immer gleichmäßig auf beide Seiten verteilt werden. Eine aufrechte Haltung bringt die Wirbelsäule in ihre natürliche Form. Die richtige Matratze ermöglicht es, sogar beim Schlafen die Bandscheiben zu schonen.
Das Sitzen belastet den Rücken stärker als das Stehen, daher ist bei sitzender Tätigkeit am Arbeitsplatz besonders auf ergonomisch richtig eingestellte Sessel zu achten. Einen Ausgleich schafft es, immer wieder aufzustehen, herumzugehen und sich hin und wieder durchzustrecken.
Rückengymnastik kräftigt die Bauch-, Rücken- und Gesäßmuskulatur, die Wirbelsäule wird dadurch besser unterstützt. Übergewicht "drückt" auf die Bandscheiben, es sollte reduziert werden.
Bandscheibenvorfälle haben meist nicht nur körperliche Ursachen. Eine entspannte Lebenseinstellung, die genügend Raum für die eigenen Bedürfnisse lässt, wirkt sich auch positiv auf die Haltung des Menschen aus. Hat sich über die Jahre die Seele "verspannt" und dabei der Rücken versteift, so kann eine Psychotherapie helfen.
Auch Chiropraktik kann dem Bandscheibenvorfall vorbeugen, ist jedoch schon eine Bandscheibe vorgefallen, ist davon abzuraten, weil zusätzlich Nerven eingeklemmt werden können und der Zustand sich verschlimmern kann.
Beschwerden
Eine Bandscheibenvorwölbung und sogar ein Bandscheibenvorfall können völlig symptomlos bleiben. Der Betroffene erfährt dann meist nur durch eine Zufallsdiagnose von seiner Erkrankung. Die beschädigte Bandscheibe kann sich aber auch als Hexenschuss bemerkbar machen, der in Form eines plötzlichen, stechend-ziehenden Schmerzes ins Kreuz fährt und bis ins Bein ausstrahlen kann. Die Muskulatur ist verspannt. Die Beschwerden können unerträglich werden, jede Lageänderung ist dann eine Qual. Husten und Pressen verstärken die Schmerzen. Ein wenig Linderung verschafft nur eine liegende Haltung mit angewinkelten und abgestützten Beinen. Klemmt der ausgetretene Gallertkern beim Bandscheibenvorfall eine Nervenwurzel ein, so können Lähmungserscheinungen und Taubheitsgefühl oder Kribbeln die Folge sein.
Das Reithosen-Syndrom ist eine sehr gefährliche Folge des Bandscheibenvorfalls und der -vorwölbung. Die Muskeln in dem Bereich, der bei einer Fahrradhose gepolstert ist, fallen plötzlich aus oder die Haut wird taub und gefühllos. Es kann zu Harnverhalten kommen, auch bei einer bereits übervollen Blase hat der Betroffene nicht das Bedürfnis, diese zu entleeren; seltener kommt in diesem Zusammenhang ein spontanes Entleeren des Darmes vor. In diesem Fall muss so schnell wie möglich operiert werden, da schon nach zwölf Stunden die Gefahr irreversibler Schäden besteht.
Mögliche Folgeerkrankungen und Komplikationen
Drückt der hervorgetretene Gallertkern auf die Nervenwurzel, können Lähmungserscheinungen, Taubheit oder Kribbeln in den Beinen auftreten. Bei andauernden Schmerzen können Fehlhaltungen weitere Bandscheibenschäden begünstigen.
Beim Reithosen-Syndrom mit Harnverhalten kann es durch den großen Druck, den die übervolle Blase ausübt, zu Schädigungen der Harnwege kommen.
Diagnose
Die erste Diagnose kann der Allgemeinmediziner stellen. Plötzlicher, stechend-ziehender Schmerz im Bereich der Wirbelsäule, meist im Bereich der Lendenwirbelsäule, lassen den Verdacht auf eine Bandscheibenvorwölbung oder einen Bandscheibenvorfall zu, vor allem, wenn sie zusammen mit Lähmungserscheinungen, Taubheit oder Kribbeln in den Beinen (bei einem Bandscheibenvorfall im Lendenwirbelbereich) oder in den Armen (bei einem Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule) auftreten. Eine genaue Diagnose kann erst nach einer Röntgenaufnahme vom Orthopäden gestellt werden.
Der Orthopäde zieht Rückschlüsse aus dem Gang des Patienten: Ist ein Hinken zu beobachten, hat der Patient wegen großer Schmerzen eine Schonhaltung eingenommen? Auch Lähmungen kann der Orthopäde in Zusammenhang mit der Aufnahme des Reflexstatus beurteilen. Er überprüft die Rückenmuskulatur auf Klopf- und Druckschmerz. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule gibt weitere Hinweise auf die Schwere und den Sitz der Erkrankung.
Die exakte Diagnose des Orthopäden ist vor allem von Bedeutung, um festzustellen, ob eine Operation notwendig ist oder nicht. Eine genaue Kenntnis der Lage des Vorfalls hilft auch mit, Überraschungen während der Operation zu vermeiden. Eine Röntgenuntersuchung der Wirbelsäule von der Seite und von vorn zeigt die genaue Lage und Stellung der einzelnen Wirbel. Anschließend wird eine Computertomografie oder eine Magnetresonanztomografie durchgeführt, die zeigen, ob nur Teile des Gallertkerns oder der gesamte Gallertkern vorgefallen ist, oder ob nur eine Bandscheibenvorwölbung vorliegt. Auch die Lage des ausgetretenen Gewebes ist sichtbar.
In Einzelfällen werden Liquoruntersuchungen, eine Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit und eine Diskografie (Kontrastdarstellung der Bandscheibe) durchgeführt.
Ist eine Operation nicht zu vermeiden und sind die vorangegangenen Untersuchungen nicht aussagekräftig genug, so wird mittels einer Myelografie genauer auf die Lage des Vorfalles oder der Vorwölbung geschlossen. Dabei wird der Wirbelkanal vor der Röntgenuntersuchung mit einem Kontrastmittel sichtbar gemacht. Der ausgetretene Gallertkern kann auf den Wirbelkanal drücken und ihn einengen. Die Myelografie zeigt diese Stelle.
Bestehen bereits Lähmungserscheinungen, so ist in jedem Fall auch eine neurologische Untersuchung durchzuführen.
Behandlung
Die Behandlungsform einer Bandscheibenvorwölbung oder eines -vorfalls ist von den Symptomen abhängig. Bleibt ein Bandscheibenschaden beschwerdefrei, so braucht er auch nicht behandelt zu werden. Bei Schmerzen, die nach wenigen Tagen wieder vergehen und nicht von Lähmungserscheinungen begleitet werden, reicht oft die Selbsthilfe aus. Bei starken oder länger als drei bis vier Tagen andauernden Schmerzen und vor allem bei Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühl in den Extremitäten und Kribbeln in Armen oder Beinen ist ein Arztbesuch nötig. Er entscheidet über die weitere Vorgehensweise. Nur in etwa zehn Prozent der diagnostizierten Bandscheibenvorfälle ist eine Operation unumgänglich. Ist kein chirurgischer Eingriff nötig, ergreift der Arzt Maßnahmen zur Schmerzlinderung, zur Entspannung der Muskulatur und zur Entlastung der Nervenwurzeln.
Selbsthilfe
Sind die Schmerzen nicht sehr stark und treten vor allem keine Lähmungserscheinungen auf, so ist ein Arztbesuch in den ersten Tagen nicht unbedingt nötig. Schmerzen werden durch leichte Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure erträglich. Ruhe, Schonung und Wärme für die betroffenen Stellen helfen, die Beschwerden zu lindern. Die Stufenlagerung, liegend am Rücken, die Beine leicht angewinkelt und durch Kissen gestützt, entlastet die Nervenwurzeln.
Ärztliche Hilfe
Ein Arztbesuch ist sofort nötig, wenn neben Schmerzen auch Lähmungserscheinungen oder Taubheit und Kribbeln in Armen, bei Vorfällen oder Vorwölbungen in der Halswirbelsäule, oder Beinen bei einem Bandscheibenvorfall oder einer -vorwölbung in der Lendenwirbelsäule auftreten. Der vorgefallene Teil des Gallertkerns drückt auf eine Nervenwurzel, die Muskulatur kann nicht mehr ausreichend versorgt werden. Besonders beim Reithosen-Syndrom muss augenblicklich der Arzt konsultiert werden. In dem Bereich, in dem eine Fahrradhose gepolstert ist, tritt plötzlich Taubheit auf, alle Nervenwurzeln im lumbalen Wirbelkanal werden in diesem Fall von dem vorgefallenen oder vorgewölbten Gallertkern komprimiert. Die Mastdarm- und die Blasenfunktion sind nicht mehr kontrollierbar, was dazu führen kann, dass der Stuhl oder Harn plötzlich abgeht oder auch bei einer übervollen Blase kein Bedürfnis besteht, diese zu entleeren. Eine Notoperation ist innerhalb von zwölf Stunden notwendig, da der Ausfall sich sonst kaum mehr regeneriert.
Der Arzt sollte auch aufgesucht werden, wenn die Beschwerden nach drei bis vier Tagen nicht merklich besser geworden sind oder wenn die Schmerzen sehr stark sind.
Der Arzt kann durch Analgetika wie nichtsteroidale Antirheumatika die akuten Schmerzen lindern. Er kann sie als Infusion, als Tablette oder Zäpfchen verabreichen. Die Muskulatur kann durch Myotonolytika gelockert werden. Für die weitere Behandlung wird er eine entsprechende physikalische Therapie, insbesondere Extensionen, das sind passive Dehnungsübungen, verordnen.
Akupunktur oder Akupunktmassage (APM nach Penzel) können zu einer deutlichen Linderung der Beschwerden beitragen.
Bandagen, Mieder oder Korsetts können helfen, die Wirbelsäule ruhig zu stellen und zu entlasten, sollen aber nur bei Maximalbelastungen getragen werden, da die Muskulatur sonst zu stark entlastet wird und nach Ablegen des Korsetts die Wirbelsäule nur noch schlecht stützen können.
Medikamentöse Behandlung
In 90 Prozent der Fälle ist nach einem Bandscheibenvorfall keine Operation nötig. Zentrales Ziel ist es dann, die Beschwerden in den Griff zu bekommen. Medikamente können dazu beitragen, dass Schmerzen vergehen oder gelindert werden. Zu diesem Zweck werden Analgetika wie nichtsteroidale Antirheumatika eingesetzt. Bei starken Beschwerden können sie als Infusion gegeben werden, später als Medikament. Muskelentspannung wird durch Myotonolytika herbeigeführt.
Physikalische Therapie
In der akuten Phase ist der Schwerpunkt der Physiotherapie die Schmerzlinderung. Mithilfe von Wärmereizen und Zug wird eine möglichst schmerzfreie Ausgangsstellung gesucht. Um diese Stellung zu finden, ist der Schlingentisch ein wichtiges Hilfsmittel. Durch Manualtherapie werden die Muskeln mobilisiert. Der Schmerz kann durch Elektrotherapie mit niederfrequenten Reizströmen oder Hochfrequenztherapie gelindert werden. Lassen die schlimmsten Schmerzen nach, kann der Patient mit der Rückenschule beginnen und rückenfreundliche Verhaltensweisen im alltäglichen Leben einüben.
Wenn die Schmerzen deutlich nachgelassen haben, sollte der Patient die rückenschonenden Verhaltensweisen, wie richtiges Heben, Tragen, Sitzen und Stehen, verinnerlichen. Durch PNF (propriozeptive neuromuskuläre Fazilitation) und Übungen aus der FBL (Funktionelle Bewegungslehre nach Klein-Vogelbach) werden Bauch-, Rücken- und Beinmuskeln trainiert. Die Wirbelsäule wird mobilisiert. Durch einen Wechsel von Be- und Entlastung lernt der Patient zu erkennen, wie belastbar sein Rücken ist und was diesen besonders anstrengt.
Meist dauert es mindestens sechs Wochen bis die Beschwerden verschwunden sind. Der Patient erlernt die optimale Beckenbalance und -stabilisation. Er soll die Grenzen seiner Belastbarkeit kennenlernen und dieses Wissen im Alltag umsetzen können.
Massagen, auch Reflexzonentherapie, und Entspannungsübungen tragen wesentlich zum Erfolg der Behandlung bei..
Ergänzende Maßnahmen
Eine vollständige Auflistung und Einteilung der komplementärmedizinischen Verfahren in anerkannte, zweifelhafte, nicht allgemein anerkannte oder gesichert nutzlose therapeutische Verfahren ist angesichts der mangelhaften Datenlage kaum durchführbar. Eine Auswahl und Bewertung der Einschätzung kann sich in den nächsten Jahren sicherlich wieder verändern und stellt auch derzeit keine Konsensmeinung dar.
- Zu den Naturheilverfahren zur Behandlung eines Bandscheibenvorfalls gehören Thermotherapie, Ultraschalltherapie, Massagen und Bewegungstherapie.
- Von der Chiropraktik muss im akuten Falle eines Bandscheibenvorfalles, selbst wenn nur der geringste Verdacht besteht, abgeraten werden, da diese Behandlung zur Verschlimmerung des Zustandes durch Einklemmen von Nerven führen kann.
Chirurgische Maßnahmen
Nur etwa zehn Prozent der Bandscheibenvorfälle bedürfen tatsächlich einer Operation. Die Entscheidung fällt deshalb besonders schwer, weil etwa 20 Prozent bis ein Viertel der Betroffenen nach der Operation weiterhin über Schmerzen klagen, manchmal werden die Beschwerden sogar schlimmer. Eine genaue Diagnose und die Meinung mehrerer Spezialisten helfen dabei, über diese heikle Frage zu entscheiden.
Bei folgenden Beschwerden wird ein chirurgischer Eingriff in Frage kommen:
- Tritt das Reithosen-Syndrom auf, bei dem die Mastdarm- und Blasenmuskulatur nicht mehr kontrolliert werden können, so muss eine Notfall-Operation durchgeführt werden.
- Bei Lähmungen oder Sensibilitätsstörungen, die eindeutig mit einem Bandscheibenvorfall in Zusammenhang stehen, ist ein chirurgischer Eingriff sinnvoll.
- Unerträgliche Beschwerden, die chronisch zu werden drohen, machen eine Operation erforderlich.
- Halten starke Schmerzen über Wochen hinweg an und spricht keine therapeutische Maßnahme an, so ist eine Operation ebenfalls sinnvoll.
- Treten immer wieder Bandscheibenvorfälle auf, die jeder Vorbeugemaßnahme, auch psychotherapeutischer Beratung, trotzen, kann eine Operation ernsthaft in Erwägung gezogen werden.
Die Endoskopische Operation
Wenn die Diagnose zweifelsfrei erkennen lässt, dass der Gallertkern sich nur vorgewölbt hat, oder der vorgefallene Teil nicht frei in den Wirbelkanal abgegeben wurde und der Faserring der Bandscheibe noch weitgehend in Ordnung ist, so kann diese schonende Form der Bandscheibenoperation durchgeführt werden. Bei Lähmungserscheinungen muss offen operiert werden.
Beim endoskopischen Eingriff wird ein dünnes Röhrchen zum Gallertkern geführt. Der Aufenthaltsort der Kanüle wird ständig am Röntgenbild überwacht. Das ausgetretene Gewebe des Gallertkerns wird nun auf verschiedene Arten entfernt:
- Mit kleinsten Zangen, die durch das Röhrchen eingeführt werden, wird der vorgewölbte oder vorgefallene Teil des Gallertkerns zerschnitten und entfernt (Mikrokürettage). Das Verfahren sollte nicht bei Patienten mit einer Verengung des Wirbelkanals (medizinisch: Spinalkanalstenose) angewendet werden.
- Bei der Entfernung mit Laserstrahl wird das vorgefallene oder vorgewölbte Material verdampft.
- Der vorgefallene oder vorgewölbte Teil des Gallertkerns wird mit einem Ferment aufgelöst (Chemo-Nukleolyse) und danach abgesaugt. Hierbei besteht jedoch ein hohes Allergierisiko. Diese Methode darf nur einmal durchgeführt werden, da beim zweiten Mal das Allergierisiko noch ansteigt. Diese Methode wird heute kaum mehr verwendet.
Die Wahl der Betäubung
Die endoskopische Operation wird unter regionaler Betäubung (Regionalanästhesie) durchgeführt. Es kann jedoch bei Komplikationen nötig sein, eine offene Bandscheibenoperation anzuschließen. Dann wird eine Vollnarkose nötig. Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung während und nach der Operation verringert die Beschwerden beträchtlich.
Risiken und Komplikationen
Kommt es zu Komplikationen während der Operation, ist etwa der Bandscheibenschaden doch gravierender als die Untersuchungen vermuten ließen, so wird eine offene Bandscheibenoperation nötig. Die Klinik, in der die Operation durchgeführt wird, muss die entsprechenden Einrichtungen haben.
Durch die regionale Betäubung fallen die Risiken der Thrombose und Embolie praktisch weg. Eine allergische Reaktion auf das Betäubungsmittel ist möglich. Durch die ständige Röntgenüberwachung ist die Strahlenbelastung höher als bei den anderen Methoden.
Es kann zu einer Verschlechterung der Bewegungsfähigkeit der Beine bis hin zu Lähmungen kommen, die aber selten dauerhaft sind. Unter Umständen ist eine neuerliche Operation nötig. Starke Blutungen im Wirbelkanal treten ebenso wie Verletzungen an den Rückenmarkshäuten selten auf. Sehr selten werden benachbarte Gewebe oder Organe verletzt.
Nach der Operation
Der Patient kann oft sofort wieder aufstehen. Gezielte Gymnastik und der Aufenthalt in einer Rehabilitationsklinik sind entscheidend für den Erfolg der Operation und helfen, weitere Bandscheibenvorfälle zu verhindern. Schmerzen bleiben nach diesem schonenden Verfahren seltener bestehen als bei den anderen nachfolgenden Methoden.
Langes Stehen oder Sitzen und schweres Heben und Tragen sind zu vermeiden. Sportarten wie Krafttraining, Fußball, Handball, Volleyball sollten nicht mehr betrieben werden. Auch sollte im Bereich der Operationsnarbe auf Massagen verzichtet werden.
Die offene Bandscheibenoperation
Die klassische Operationsmethode ist die offene Bandscheibenoperation. Sie kommt bei stärker ausgeprägten Bandscheibenschäden zum Einsatz. Ein vier bis fünf Zentimeter langer Schnitt über den Dornfortsätzen der Wirbelsäule legt die Rückenmuskeln frei, die dann auseinander geschoben werden. Aus den Wirbelbögen wird nun ein kleines Knochenstück entnommen, danach kann der Chirurg den Wirbelkanal erreichen. Nun wird zuerst der vorgefallene Teil der Bandscheibe entfernt, dann folgt der Teil der Bandscheibe, der noch zwischen den Wirbeln liegt. Das Entfernen der gesamten Bandscheibe führt dazu, dass die beiden beteiligten Wirbel zusammenwachsen können. Die Wirbelsäule sinkt um das fehlende Bandscheibenmaterial ein und verkürzt sich bis zu einem Zentimeter.
Die offene Methode (medizinisch: mikrochirurgische Diskektomie) kann auch unter Verwendung eines Operationsmikroskops (mikrochirurgische Methode) durchgeführt werden. Dabei wird über einen etwa zwei Zentimeter langen Schnitt neben der Lendenwirbelsäule der die Nervenwurzel bedrängende Bandscheibenvorfall erreicht. Dieser und noch zusätzlich bestehende knöcherne Veränderungen des Wirbelkörpers können dann entfernt werden. Die vorher weggeschobene Rückenmuskulatur und der Bandapparat der Wirbelsäule werden zurückgenäht. Der Wundverschluss erfolgt schichtweise durch selbstauflösende Nähte, die Haut wird heute mit speziellen kleinen Pflasterstreifen oft nur mehr verklebt.
Die Wahl der Betäubung
Vollnarkose ist bei einer offenen Bandscheibenoperation die Narkose der Wahl. Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung während und nach der Operation verringert die Beschwerden beträchtlich.
Risiken und Komplikationen
Die üblichen Operationsrisiken sind Infektionen, Thrombosen und Embolien. Sie können auch bei einer Bandscheibenoperation auftreten. Daneben kann es zu Blutungen der Venen der Rückenmarkshaut oder zur Verletzung derselben kommen. Sehr selten werden angrenzende Organe oder Gewebe in Mitleidenschaft gezogen. Bandscheibenoperationen an der Halswirbelsäule sind kritischer, weil die Kehlkopfnerven und die Speiseröhre verletzt werden können.
Etwa 75 Prozent der Patienten, die eine Bandscheibenoperation hinter sich haben, geht es danach wirklich besser. Etwa 20 bis 25 Prozent der Operierten haben jedoch weiterhin Rückenbeschwerden, manchmal werden die Schmerzen sogar schlimmer. Der Grund dafür kann sein, dass sich Narbengewebe bildet und auf die Nervenwurzeln drückt. Eine Nachoperation kann nötig werden, die Heilungschancen sinken aber mit jedem neuerlichen Eingriff. Durch die Versteifung der von der ersten Bandscheibenvorwölbung oder ersten Bandscheibenvorfall betroffenen Wirbel, wird die Beweglichkeit der Nachbarwirbel stärker gefordert - in manchen Fällen überfordert. Die Operation beugt daher neuen Bandscheibenschäden nicht vor. Etwa zehn Prozent der Patienten, die bereits einmal operiert wurden, erleiden eine weitere Bandscheibenvorwölbung oder einen weiteren Bandscheibenvorfall.
Nach der Operation
Etwa 24 Stunden strikte Bettruhe in Rückenlage ist einzuhalten, danach kann der Patient vorsichtig aufstehen, um den Kreislauf wieder auf Touren zu bringen. Nach ein paar Tagen ist Gehen und Stehen möglich. Sitzen belastet die Wirbelsäule immer noch zu sehr. Die Entlassung aus dem Krankenhaus erfolgt acht bis zehn Tage nach der Operation.
Langes Stehen oder Sitzen, schweres Heben und Tragen und Sportarten wie Krafttraining, Fußball, Handball, Volleyball sind nach Bandscheibenoperationen zu vermeiden. Auch sollte im Bereich der Operationsnarbe auf Massagen verzichtet werden.
Die Spondylodese (Wirbelsäulenversteifung)
Diese Operation ist die "Erweiterung" der offenen Bandscheibenoperation. Sie wird häufig bei Instabilität eines Bewegungssegmentes nach einem früher operierten Bandscheibenvorfall notwendig (Postdiskektomiesyndrom). Es werden hier meist nicht nur zwei, sondern mehrere Wirbel knöchern miteinander verbunden. Der Eingriff darf nur durchgeführt werden, wenn es sonst keine andere Möglichkeit mehr gibt, um Beschwerden, die chronisch geworden sind, zu lindern.
Die Operation kann entweder über den hinteren Zugang aus - vom Rücken her - oder vom vorderen Zugang aus - vom Bauchraum her - erfolgen. Auch eine Kombination der beiden Vorgehensweisen ist möglich.
Beim Eingriff vom hinteren Zugang wird ein Hautschnitt entlang der Wirbelsäule angelegt und die Wirbelsäule freigelegt. Die Bandscheiben der betreffenden Region werden entfernt. Die kleinen Wirbelgelenke werden angeraut und mit Knochenspänen, die entweder aus dem Beckenkamm oder der Knochenbank kommen, verstärkt. Die Gelenke verwachsen miteinander und mit den Knochenspänen. Da dies einige Zeit dauert, werden die betroffenen Segmente oft noch mit Metallstäben oder Platten verstärkt, der Patient muss sonst liegen oder ein Korsett tragen, bis die Knochenteile sich fixiert haben.
Der größere Eingriff ist die Operation vom vorderen Zugang. Vom Bauch her werden nach dem Entfernen der Bandscheiben die Wirbelkörper aufgerauht und mit Knochenspänen verstärkt. Auch hier wird die Stabilität oft mit Stäben oder Platten erhöht. Durch diese zusätzliche Festigung kann der Patient bald nach der Operation aufstehen und damit seinen Kreislauf wieder zum Laufen bringen. Das vermindert das Thromboserisiko.
Die Wahl der Betäubung
Die Spondylodese wird unter Vollnarkose durchgeführt. Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung während und nach der Operation verringert die Beschwerden beträchtlich.
Risiken und Komplikationen
Die üblichen Operationsrisiken sind Infektionen, Thrombosen und Embolien. Eine Spondylodese ist der größte Eingriff, der bei Bandscheibenschäden gemacht wird, die Risiken sind dementsprechend hoch.
Schmerzen durch Narbenbildung werden durch die Größe des betroffenen Abschnittes wahrscheinlicher.
Lähmungserscheinungen können auftreten, sind aber in der Regel nicht von Dauer. Eventuell wird dadurch eine Nachoperation nötig. Blutungen im Wirbelkanal sowie Verletzungen der Rückenmarkshäute sind selten.
Wurden Implantate verwendet, können diese sich lockern und eine Nachoperation notwendig machen. Beim Eingriff vom Bauch her können selten innere Organe verletzt oder größere Blutungen verursacht werden.
Dieser Eingriff führt zu einer Versteifung der Wirbelsäule. Die Beweglichkeit ist damit dauerhaft eingeschränkt.
Nach der Operation
Die Erholungsphase nach diesem Eingriff ist entsprechend der Schwere der Operation länger als bei einer "einfachen" offenen Bandscheibenoperation. Wurde auf stützende Implantate verzichtet, kann wochenlanges Liegen oder Tragen eines Korsetts nötig sein.
Der betroffene Wirbelsäulenabschnitt bleibt unbeweglich. Inwieweit das den Alltag beeinflusst, hängt davon ab, wie viele Wirbel beteiligt sind und in welchem Bereich der Wirbelsäule die Versteifung stattgefunden hat. Im Brustwirbelbereich, der auch beim gesunden Menschen wenig beweglich ist, macht dem Patienten die Verfestigung meist kaum zu schaffen, Bandscheibenschäden sind in diesem Bereich allerdings extrem selten. Bei Operationen im Lendenwirbelbereich, in dem Bandscheibenschäden am wahrscheinlichsten sind, kann es jedoch zu massiven Beschwerden kommen, je nachdem, wie stark die Beweglichkeit der Hüfte beeinträchtigt ist. Tätigkeiten wie Tragen oder Bücken können zum Problem werden.
Manchmal wird es nötig, häusliche Pflege in Anspruch zu nehmen, zumindest so lange, bis der Patient gelernt hat, mit den neuen Umständen zurecht zu kommen.
Auf jeden Fall sollten langes Stehen und Sitzen und schweren Heben oder Tragen, Sportarten wie Krafttraining, Fußball, Handball, Volleyball nach dieser Operation vermieden werden. Auf Massagen im Bereich der Operationsnarbe sollte verzichtet werden.
Rehabilitation
Nach jeder Art einer Bandscheibenoperation, besonders nach einer Spondylodese, ist eine Rehabilitation sinnvoll. Krankengymnastische Übungen, welche die Bauch-, Rücken- und Gesäßmuskulatur kräftigen, werden erlernt und vertieft. Auch Entspannungstechniken werden geübt, die es dem Patienten ermöglichen sollen, mit den alltäglichen Problemen besser fertig zu werden. Nach der Rehabilitation sollte noch eine sechs- bis achtwöchige Phase der Schonung folgen, in welcher der Patient jedoch meist wieder arbeitsfähig ist. Die erlernten Übungen sollen zu Hause als Vorsorge eines weiteren Bandscheibenschadens regelmäßig durchgeführt werden.
Heilungschancen
Viele Bandscheibenschäden bleiben von den Betroffenen völlig unbemerkt. Die Beschwerden nach einer schmerzhaften Bandscheibenvorwölbung oder einem Bandscheibenvorfall vergehen in den meisten Fällen mit der richtigen Behandlung nach einigen Tagen oder wenigen Wochen wieder. Dies ist jedoch keine Garantie dafür, dass sich dieser Vorfall nicht wiederholt. Gezielte Gymnastik zum Training der die Wirbelsäule unterstützenden Muskulatur als Vorbeugung macht die Wahrscheinlichkeit dafür jedoch wesentlich geringer.
Nach einer offenen Operation bessert sich der Zustand von etwa 75 Prozent der Patienten wesentlich bis zur Beschwerdefreiheit. Bei 20 bis 25 Prozent bleiben aber Schmerzen bestehen, manchmal verschlimmern sie sich sogar durch Narbenbildung, die auf die Nerven drückt. Jede Nachoperation verschlechtert die Aussichten auf völlige Heilung.
Endoskopische Operationen haben bei korrekter Indikation eine Erfolgsquote von bis zu 94 Prozent. Bei Operationen, die zur Versteifung von Wirbelsäulensegmenten führen, können angrenzende Bereiche durch die höheren Ansprüche an ihre Beweglichkeit überlastet werden. Das kann zu neuerlichen Bandscheibenschäden führen, die bei etwa zehn Prozent der Patienten nach einer offenen Bandscheibenoperation oder einer Spondylodese auch tatsächlich auftreten.
Leben mit der Krankheit
Nach einem Bandscheibenvorfall kann, auch wenn die Heilung gut verläuft, eine berufliche Umorientierung nötig werden, um das Risiko weiterer Bandscheibenprobleme zu minimieren.
Betreuung zu Hause
Nach einer schweren Bandscheibenoperation kann eine Betreuung des Betroffenen für die Zeit der Umgewöhnung oder auf Dauer nötig werden. Viele Erkrankte wünschen sich eine Betreuung und Pflege in den eigenen vier Wänden.
Ihnen stehen finanzielle Leistungen und fachliche Unterstützung zu (Pflegeversicherung). Wenn die persönlichen Voraussetzungen für die häusliche Pflege stimmen, ermöglicht die Zusammenarbeit mit einem ambulanten Pflegedienst eine optimale pflegerische Betreuung auch außerhalb der Klinik. Wer für eine gute Organisation der Pflege sorgt und sich das nötige Wissen über die Pflegepraxis aneignet, kann die Belastungen in Grenzen halten. Dazu trägt auch eine individuelle Anpassung der Wohnung bei.