surfMED - das beste deutschsprachige Gesundheitslexikon

Vorsorgeuntersuchungen

 

Die Teilnahme an Gesunden- oder Vorsorgeuntersuchungen sind gesetzlich geregeltes Recht von allen Staatsbürgern, die älter als 18 Jahre sind. Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen getragen. Pro Jahr ist eine Vorsorgeuntersuchung möglich.

Diese "General-Checks" dienen der Früherkennung von Krankheiten. Sie sollen Risiko- und Verdachtsfälle möglichst früh erfassen, besonders in jenen wenigen Krankheitsgruppen, die einen wesentlichen Anteil an der Kranken- und Sterbestatistik haben. Wichtigstes Kriterium ist, dass die Krankheiten, nach denen gefahndet wird, in einem frühen Stadium erkennbar und auch behandelbar sind. Obendrein muss die Untersuchungsmethode so ausgereift sein, dass nicht unnötig falscher Alarm - mit oft schwerwiegenden Eingriffen und damit verbundenen gesundheitlichen Risken - gegeben wird.

Vorsorgeuntersuchungen findet jeder gut - aber nur die wenigsten gehen hin. So nehmen etwa in Deutschland nur 14 Prozent der Männer und 49 Prozent der Frauen Krebsvorsorgeuntersuchungen wahr. Zur allgemeinmedizinischen Untersuchung, dem "Check ab 35", geht nur etwa ein Fünftel aller deutschen Versicherten.

Zweifellos haben die verstärkten Anstrengungen, Krankheiten in einem möglichst frühen und daher leichter behandelbaren Stadium aufzuspüren, viele Erfolge gebracht. So ist etwa die Sterblichkeit an Gebärmutterhalskrebs durch die Einführung einer harmlosen Abstrichuntersuchung allein in den letzten zwei Jahrzehnten um die Hälfte gesunken. Und auch beim Schlaganfall konnten durch die frühzeitige Erkennung von zu hohem Blutdruck und geeignete Maßnahmen zur Blutdrucksenkung die Todesfälle seit 1980 um 45 Prozent reduziert werden.

Dennoch wird der Wert von Vorsorgeuntersuchungen in den letzten Jahren zunehmend auch kritisch hinterfragt. Wie zahlreiche Studien inzwischen gezeigt haben, erfüllen nämlich längst nicht alle Vorsorgeangebote wirklich die in sie gesetzten Erwartungen. So hat etwa die in Deutschland breit durchgeführte Reihenuntersuchung auf Neuroblastom, einen bösartigen Tumor, der hauptsächlich im Kleinkindalter auftritt, gezeigt, dass zwar die Zahl der entdeckten Fälle deutlich gestiegen war, die dadurch etwas früher einsetzende Therapie hatte aber keine Reduktion der Sterberaten gebracht. Mittlerweile wurde dieses Screening (so nennen Experten solche Reihenuntersuchungen) deshalb eingestellt.
In anderen Fällen können Vorsorgeuntersuchungen sogar mehr schaden als nutzen. So führt etwa die undifferenzierte Suche nach Vorboten von Prostatatumoren oft zu falschem Krebsalarm, zu Angst und Unsicherheit bei den Betroffenen und einer Reihe von unangenehmen und komplikationsreichen weiteren Untersuchungen.

Ob und welche Angebote zur Vorsorge angenommen werden, sollte daher immer gut überlegt werden. Umso mehr, als die offiziellen Vorsorgeprogramme nicht unbedingt das widerspiegeln, was sich in internationalen Studien als sinnvoll herausgestellt hat. Sehr oft spielen bei der Festlegung, was die Krankenkasse zahlt, standes- und einkommenspolitische Überlegungen eine ebenso große Rolle wie der tatsächliche medizinische Wert einer Untersuchung. Es ist gar nicht so einfach, einen einmal eingeführten Test wieder abzuschaffen.

Die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen getragen.
Diese Gesundheits-Checks dienen der Früherkennung von Krankheiten. Sie sollen Risiko- und Verdachtsfälle möglichst früh erfassen, besonders in jenen wenigen Krankheitsgruppen, die einen wesentlichen Anteil an der Kranken- und Sterbestatistik haben. Wichtigstes Kriterium ist, dass die Krankheiten, nach denen gefahndet wird, in einem frühen Stadium erkennbar und auch behandelbar sind. Obendrein muss die Untersuchungsmethode so ausgereift sein, dass nicht unnötig falscher Alarm - mit oft schwerwiegenden Eingriffen und damit verbundenen gesundheitlichen Risken - gegeben wird.

Die Vorsorgeuntersuchungen umfassen ein allgemeines Untersuchungsprogramm für alle Versicherten und ein gynäkologisches Untersuchungsprogramm für Frauen.
Nichtversicherte können bei der örtlichen Gebietskrankenkasse einen eigens für die Inanspruchnahme der Untersuchung auszustellenden Krankenschein anfordern. Generell darf eine solche Untersuchung nur jährlich einmal in Anspruch genommen werden.
Der Großteil aller Basisuntersuchungen findet beim Allgemeinmediziner statt. Weitere Vorsorgeuntersuchungen können entweder beim Augenarzt, Chirurgen, Dermatologen, Gynäkologen, Internisten, Pulmologen oder Urologen und bei den dafür ausgestatteten Gesundheitsämtern durchgeführt werden. Die Mammografie ist den Fachärzten für Radiologie vorbehalten.

Die unten dargestellten Untersuchungsempfehlungen zeigen sowohl, was die Krankenkassen bezahlen, als auch was internationalen Standards folgend als sinnvoll erachtet wird.

Für Österreich sind die Intervalle angegeben, die die Krankenkassen zur Untersuchung vorsehen. Auf Wunsch des Patienten können die Untersuchungen aber auch jährlich durchgeführt werden.

Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)

Der Abstrich zur Früherkennung des Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom)
es ist die erfolgreichste Vorsorgeuntersuchung überhaupt. Vor dem Zweiten Weltkrieg war das Zervixkarzinom der Tumor mit der höchsten Todesrate bei Frauen. Seit der Einführung der Vorsorgeuntersuchung ist die Sterblichkeitsrate um zwei Drittel zurückgegangen. Die einfache Untersuchung wird vom Gynäkologen oder der Gynäkologin durchgeführt und dauert nur wenige Minuten. Sie hat so gut wie keine Nebenwirkungen und erreicht eine prognostische Sicherheit  von über 90 Prozent. Gebärmutterhalskrebs tritt am häufigsten zwischen dem 25. und 55. Lebensjahr auf.

Deutschland: Ab 20 Jahren einmal jährlich.
Österreich: 18-40 Jahre alle drei Jahre; ab 40 Jahre alle zwei Jahre-
Internationaler Standard: ab 19 Jahren die ersten drei Abstriche im Abstand von einem Jahr, danach bei unauffälligem Befund alle drei Jahre.

Brustkrebs (Mammakarzinom)

Bei der Mammographie wird die weibliche Brust mit Röntgenstrahlen auf Veränderungen untersucht. Das hat insgesamt gesehen sicher zur Reduzierung der Sterblichkeitsraten beigetragen, ebenso sicher aber haben die zahlreichen Kampagnen dazu beigetragen, dass die Möglichkeiten dieser Vorsorgeuntersuchung auch stark überschätzt werden. So sollten Frauen in einer Schweizer Studie einschätzen, wie viele Todesfälle verhindert werden könnten, wenn 1.000 über 50-jährige Frauen regelmäßig zur Mammographie gingen. Die meisten tippten auf eine Zahl zwischen 80 und 100 verhinderten Todesfällen. Die richtige Antwort lautet hingegen: etwa ein Fall.
Problematisch ist, dass die technischen Standards der Untersuchungsgeräte immer noch höchst unterschiedlich sind, zudem hängt die Qualität der Diagnose in hohem Maße von der Erfahrung des interpretierenden Radiologen oder Frauenarztes ab. In Deutschland werden bei der Einladung zur Vorsorgeuntersuchung daher ab 2007 nur noch zertifizierte Einrichtungen empfohlen.
Diese Unwägbarkeiten führen zu zwei Problemen. Zum einen werden vorhandene Tumoren in bis zu zehn Prozent der Fälle übersehen. Zum anderen zeigte eine große US-Studie, dass beinahe jede zweite Frau, die regelmäßig zu den Untersuchungen geht, im Lauf ihres Lebens mit einem falschen Brustkrebsverdacht konfrontiert wird. Für die betroffenen Frauen führt ein solches "falsch positives" Mammogramm zu weiteren nervenaufreibenden Untersuchungen.
Bei Frauen unter 50 Jahren, bei denen kein erhöhtes Brustkrebsrisiko besteht, sind internationale Fachleute von der generellen Empfehlung einer Mammographie inzwischen abgekommen. Mehrere breit angelegte Langzeitstudien in den USA und Europa haben gezeigt, dass Reihenuntersuchungen von Frauen in den Vierzigern keine positiven Effekte bringen: Weder zeigte sich eine bessere Prognose der erkannten Fälle, noch konnte durch die Mammographie die Gesamt-Sterblichkeit gesenkt werden.
Erst in der Gruppe der 50- bis 69-jährigen Frauen ergibt sich – auch nicht in allen, aber zumindest in einigen großen Studien – ein statistisch signifikanter Überlebensvorteil für Frauen, die regelmäßig zum Röntgenarzt gehen. Frauen, deren enge weibliche Blutsverwandte an Brustkrebs erkrankt sind, werden allerdings kürzere Untersuchungsintervalle angeraten.

Deutschland: Tastuntersuchung: ab 30 Jahren einmal pro Jahr; Mammographie: 50-69 Jahre, alle zwei Jahre.
Österreich: Ab 40 Jahren alle zwei Jahre.
Internationaler Standard: Ab 50 Jahren alle zwei Jahre.

Darmkrebs (Kolorektalkarzinom)

Ein im Frühstadium entdeckter Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom)
erhöht die Überlebensrate signifikant. Neun von zehn Patienten, die in diesem Stadium behandelt werden, leben fünf Jahre später noch. Wenn der Tumor bereits Tochtergeschwülste abgesiedelt hat, sind es nur zehn Prozent.
Bei der Untersuchung werden ein Tastbefund des Darms und ein einfacher Test auf verborgenes Blut im Stuhl gemacht. Wird solches gefunden, wird der Darm entweder mit einer so genannten kurzen Darmspiegelung (Sigmoidoskopie) oder einer hohen Darmspiegelung (Rektoskopie und Koloskopie
) weiter untersucht. Dazu wird ein endoskopisches Instrument in den Darm eingeführt, das mit einer Kamera die Darminnenwand inspiziert und Instrumente für kleinere chirurgische Eingriffe enthält. Diese Untersuchung sollte von einem erfahrenen Spezialisten durchgeführt werden. Wie internationale Statistiken zeigen, kommt es bei 10.000 Untersuchungen in 30 Fällen zu schweren Blutungen und in zehn Fällen zu einer Verletzung der Darmwand.
Da bei Darmkrebs eine erbliche Komponente besteht, ist die Vorsorgeuntersuchung für jene, die enge Blutsverwandte mit Darmkrebs haben, besonders sinnvoll. Ein erhöhtes Erkrankungsrisiko tragen zudem Personen, die zur Polypenbildung neigen, sowie Patienten mit langwierigen, chronisch immer wiederkehrenden Dickdarmentzündungen.

Deutschland: Untersuchung auf verborgenes Blut: 50-55 Jahre einmal pro Jahr, ab 55 alle zwei Jahre; oder wahlweise: Ab 55 Jahren Darmspiegelung: zwei im Abstand von zehn Jahren.
Österreich: Untersuchung auf verborgenes Blut: ab 50 Jahren einmal pro Jahr; Darmspiegelung: alle zehn Jahre.
Internationaler Standard: Untersuchung auf verborgenes Blut: ab 50 Jahren einmal pro Jahr; Darmspiegelung: alle zehn Jahre.

Hautkrebs (Melanom)

Sowohl in Deutschland als auch in Österreich gehört die Untersuchung der Haut auf verdächtige Veränderungen zum Vorsorgeprogramm beim Allgemeinmediziner. Internationale Studien, vor allem aus Australien, wo eine besondere UV-Belastung herrscht, haben aber gezeigt, dass Hautkrebs
mit solchen Screenings nicht verlässlich früher erkannt wurden. Verdächtige Hautveränderungen sollten daher immer gewissenhaft vom Facharzt oder der Fachärztin untersucht werden.
Besonderes Augenmerk auf jede Veränderung sollten Personen mit blasser Haut ab 65 Jahren legen und solche, die mehr als 50 Muttermale am Körper haben oder einen nahen Verwandten, bei dem bereits ein Melanom diagnostiziert wurde.

Deutschland: Frauen: ab 30 Jahren einmal pro Jahr; Männer: ab 45 Jahren einmal pro Jahr.
Österreich: 18-39 Jahre alle drei Jahre, ab 40 Jahren alle zwei Jahre.
Internationaler Standard: Untersuchung durch den Facharzt im Verdachtsfall.

Prostatakrebs (PSA-Bestimmung)

Die Vorsorgeuntersuchung auf Prostatakrebs (Prostatakarzinom)
ist international höchst umstritten. Der dafür - neben einer Tastuntersuchung - eingesetzte PSA-Test misst den Spiegel des so genannten Prostata-spezifischen Antigens. PSA ist eine Substanz, die von der Prostata ins Blut abgegeben wird. Ist sie erhöht, kann das ein Zeichen für einen vorhandenen Tumor sein. Allerdings gibt es auch eine ganze Reihe von harmlosen Ursachen, die diesen Wert erhöhen können: eine Blasenentzündung ebenso wie eine lange Fahrradfahrt oder Sex in der Nacht davor.
Zudem ist der Aussagewert des Tests sehr ungenau: Bei der weltweit ersten Studie, bei der auch Männer mit einem normalen PSA-Wert weiter untersucht wurden, stellte sich heraus, dass 15 Prozent von ihnen einen Tumor hatten, den der Test glatt übersehen hatte.
Ebenso problematisch ist die Zahl der falsch positiven Befunde. Acht bis zehn Prozent der Untersuchten müssen nach einem erhöhten PSA-Befund zur weiterführenden Biopsie, bei der mit einer Nadel Gewebeproben aus der Prostatadrüse genommen werden. 60 bis 90 Prozent davon lassen diese Prozedur unnötigerweise über sich ergehen und erhalten danach einen negativen Befund. Das ist umso problematischer, als die Biopsie vergleichsweise hohe Komplikationsraten hat: Etwa die Hälfte der Männer hat nach der Untersuchung Blutspuren im Harn oder Samenerguss. Bei einem Prozent kommt es zu Infektionen.
Selbst wenn ein Prostatatumor entdeckt wird, ist der Wert dieser Erkenntnis fraglich. Prostatakarzinome wachsen meist sehr langsam und würden in vielen Fällen zu Lebzeiten keine Probleme machen. Autopsiestudien haben gezeigt, dass fast jeder zweite Mann ein undiagnostiziertes Prostatakarzinom hatte, das aber mit der Todesursache nicht in Zusammenhang stand. Bei einem generellen Screening, fürchten Experten, würden etwa 40 Prozent dieser "schlafenden" Tumoren entdeckt - und in der Folge meist auch behandelt werden. Was seinerseits wieder hohe Risiken bedeutet: Rund 80 Prozent der operierten Männer klagen in der Folge über Impotenz, 15 Prozent haben Inkontinenz-Probleme.
In den offiziellen Vorsorgeplänen ist das Prostata-Screening international nirgendwo vertreten. Allerdings wird die Untersuchung dennoch von der Krankenkasse bezahlt, wenn ein begründeter Verdacht besteht oder der Patient eine solche Untersuchung auch nach ausführlicher Aufklärung über die Vor- und Nachteile wünscht. Viele Ärzte setzen diesen Wunsch einfach voraus und führen die Untersuchung routinemäßig durch - auch bei jüngeren Männern, obwohl Prostatakrebs vor dem 50. Lebensjahr nur selten auftritt.

Deutschland: Tastbefund: ab 45 Jahren einmal pro Jahr; PSA-Test: bei begründetem Verdacht.
Österreich: PSA-Test: ab 50 Jahren ausschließlich auf ausdrücklichen Patientenwunsch.
Internationaler Standard: PSA-Test: ab 50 Jahren, nach umfassender und wahrheitsgetreuer Aufklärung ausschließlich auf Wunsch des Patienten.

Herz-Kreislauferkrankungen

Zur Früherkennung einer Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems erstellt der Arzt oder die Ärztin ein umfangreiches Risikoprofil. Dabei werden die Lebensgewohnheiten (Rauchen, Alkoholkonsum) der Untersuchten erhoben und mit den körperlichen Werten wie Gewicht, Blutdruck und einer Reihe von Laborwerten in Beziehung gesetzt. Daraus lässt sich errechnen, wie hoch das Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung ist. International sind einige der durchgeführten Laboruntersuchungen wegen ihrer geringen Aussagekraft umstritten. Allerdings sind sie für die Teilnehmer harmlos und gesamt gesehen ist diese Untersuchung höchst sinnvoll. Durch frühzeitige Erkennung und eine entsprechende Umstellung des Lebensstils kann diesen Erkrankungen wirksam vorgebeugt werden.

Deutschland: ab 35 Jahren alle zwei Jahre.
Österreich: 18-39 Jahre alle drei Jahre; ab 40 Jahren alle zwei Jahre.
Internationaler Standard: 18-39 Jahre alle drei Jahre; ab 40 Jahren alle zwei Jahre.

Diabetes mellitus Typ 2

Diabetes vom Typ 2 entwickelt sich meist unbemerkt. Schätzungsweise zwei Prozent der Bevölkerung wissen gar nicht, dass sie erkrankt sind. Eine Vorsorgeuntersuchung, bei der der Blutzuckerspiegel gemessen wird, ist gerade bei dieser Krankheit sinnvoll: Im Frühstadium lässt sie sich durch entsprechende Umstellungen der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten soweit behandeln, dass ein ganz normales Leben möglich ist. Lange Zeit unbehandelt kann Diabetes aber zu schweren Komplikationen führen und die Lebensqualität erheblich einschränken.
In Deutschland wird die Diabetes-Früherkennung im Rahmen des "Check ab 35" durchgeführt.
In Österreich ist die Blutzuckerspiegelmessung ab 18 Jahren möglich. Experten halten diese Untersuchung bei unter 55jährigen nur dann für sinnvoll, wenn Diabetes schon bei nahen Verwandten oder in der Schwangerschaft  aufgetreten ist, der BMI über 25 liegt oder eine Fettstoffwechselstörung vorliegt.

Deutschland: ab 35 Jahren alle zwei Jahre.
Österreich: 18-24 Jahre alle drei Jahre; ab 40 Jahren alle zwei Jahre.
Internationaler Standard: Risikoprofil: 19-49 Jahre; Blutzuckerspiegelmessung: ab 55 Jahren alle drei bis fünf Jahre.

Glaukom (Grüner Star)

Glaukom (Grüner Star)
wird eine Reihe von Augenerkrankungen genannt, deren gemeinsames Zeichen meist ein erhöhter Augeninnendruck ist. Eine genaue Untersuchung kann nur der Augenfacharzt durchführen. Wenn keine besonderen Risiken vorliegen, halten internationale Fachleute eine Vorsorgeuntersuchung ab 60 Jahren für sinnvoll. Wenn nahe Verwandte bereits an einem Glaukom erkrankt sind oder eine starke Sehschwäche vorhanden ist, sollten Vorsorgeuntersuchungen bereits ab 20 vorgenommen werden, da ab dem Krankheitsbeginn meist um die zehn Jahre vergehen, bevor ein Glaukom zu Sehschäden führt. Im fortgeschrittenen Stadium lässt sich die Krankheit nicht mehr beseitigen, sondern nur noch das Fortschreiten aufhalten.
In Deutschland wird diese Vorsorgeuntersuchung nicht von den Kassen bezahlt.
In Österreich erhebt der Allgemeinmediziner ein Risikoprofil und überweist im Verdachtsfall zum Facharzt.

Deutschland: nicht vorgesehen.
Österreich: Risikoerhebung beim Allgemeinmediziner: 18-39 Jahre alle drei Jahre; ab 40 Jahren alle zwei Jahre.
Internationaler Standard: Risikoerhebung beim Allgemeinmediziner: 19-64 Jahre in angemessenem  Intervall; fachärztliche Untersuchung: ab 60 Jahren in angemessenem Intervall.

Zahnerkrankungen

In Deutschland wird die Vorsorgeuntersuchung zur Feststellung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten vom Zahnarzt oder der Zahnärztin durchgeführt. Die Teilnahme bringt eine Eintragung ins Bonusheft und hilft so, bei den Kosten für einen allfälligen Zahnersatz zu sparen. Kinder haben auf drei Untersuchungen bis zum 6. Lebensjahr Anspruch, danach einmal pro Kalenderhalbjahr. Erwachsene können einmal jährlich zur Kontrolluntersuchung. Wenn nötig, kann sich daran eine Zahnsteinentfernung anschließen. Je nach Diagnose ist darin auch eine Röntgenuntersuchung eingeschlossen.
In Österreich erhebt der Allgemeinmediziner das Risiko für das Auftreten einer Paradontitis mit einem Fragebogen und einer Inspektion der Mundhöhle. Wenn dabei Alarmzeichen entdeckt werden, erfolgt eine Überweisung zum Zahnarzt.

Deutschland: bis 6 dreimal pro Jahr; 6-18 Jahre einmal je Kalenderhalbjahr; ab 18 Jahren einmal pro Jahr.
Österreich: 18-39 Jahre alle drei Jahre, ab 40 Jahren alle zwei Jahre.
Internationaler Standard: 19-64 Jahre alle sechs Jahre.

Rauchen, Alkohol, Medikamentenmissbrauch

In Österreich gibt es seit dem Jahr 2005 einen eigenen Schwerpunkt zur Prävention von Suchterkrankungen. Dabei wird der Umgang mit Tabak, Alkohol und Medikamenten erhoben sowie Rat und Hilfe bei der Entwöhnung geboten. Wie Studien zeigen, sind etwa Versuche, mit dem Rauchen aufzuhören, etwas erfolgreicher, wenn sie vom Arzt empfohlen und begleitet werden.

Hörschwäche, Sehschwäche

Im Österreichischen Vorsorgeplan gibt es spezielle Untersuchungen für ältere Menschen. Dabei werden bei Personen über 65 Jahren Sehschwächen erhoben und das Hörvermögen wird mit einem einfachen Flüstertest untersucht. Im Bedarfsfall wird zum Facharzt oder der Fachärztin überwiesen. Vor allem der Hörtest ist höchst sinnvoll, weil nachlassendes Hörvermögen von vielen nicht rechtzeitig erkannt wird und mit entsprechenden Behandlungen oder der Anpassung eines Hörgeräts die Lebensqualität erheblich gesteigert werden kann.

Redakteur

Inge Smolek

Zuletzt Aktualisiert

12.12.2006

Experten

Dr. med. Reinhard Dörflinger (Allgemeinmedizin)

Dr. med. Christian Euler (Allgemeinmedizin)

Dr. med. Gert Vetter (Allgemeinmedizin)

 

Diese Informationen können den Besuch beim Arzt nicht ersetzen, sondern können Ihnen helfen, sich auf das Gespräch mit dem Arzt vorzubereiten. Eine Diagnose und die individuell richtige Behandlung kann nur im persönlichen Gespräch zwischen Arzt und Patient festgelegt werden.