Welche Abführmittel helfen bei Verstopfung?

Die Lösung einer Verstopfung kann so einfach sein – das denken sich viele Betroffene, wenn die Hand in der Apotheke zum nächsten Abführmittel geht. Immerhin schluckt man nur eine Pille oder nimmt ein paar wenige Tröpfchen und schon geht der Toilettengang wie von allein weg.

Doch auch beim Abführmittel trennt sich die Spreu vom Weizen. Sowohl zwischen den Wirkstoffen als auch zwischen den Einsatzgebieten gibt es Unterschiede und die sind nicht ohne. Schauen wir uns das Angebot der Abführmittel einmal genauer an.

1. Natürliche Mittel gegen Verstopfung

Olivenöl gegen VerstopfungWer nicht unbedingt auf ein medikamentöses Abführmittel zurückgreifen möchte, kann sich für Hilfe aus der Natur entscheiden. Es gibt eine Reihe natürlicher Abführmittel. Eines der bekanntesten natürlichen Abführmittel ist die Dörrpflaume. Sie wirkt in der Regel über Nacht.

Wer Dörrpflaumen an sich nicht mag, kann sich am Morgen auch für eine Tasse Pflaumensaft entscheiden. Sie sollte auf nüchternen Magen getrunken werden. An die genaue Menge musst du dich herantasten, denn dein Darm kann hier auch sehr schnell überreagieren.

Auch Rizinusöl ist eine natürliches Hausmittel. Es kann zur erwünschten Entleerung beitragen. Hier sind auf nüchternen Magen ein oder auch zwei Esslöffel vollkommen ausreichend. Vorteil ist die schnelle Wirkung, denn nach zwei bis höchstens vier Stunden schaffen sie meist eine Entleerung. Weiterhin gibt es Flohsamenschalen. Im Verdauungstrakt quellen diese Samen auf. Das Stuhlvolumen legt erheblich zu und auf sanfte Weise wird die Verdauung angeregt.

Ein sehr praktisches natürliches Hausmittel ist Olivenöl. Am Morgen reicht ein Teelöffel vollkommen aus, um die Darmschleimhäute zu ölen. Auf diesem Weg wird auch die Verdauung angeregt.

Man sollte viel Wasser trinkenUm dauerhaft für eine gesunde Verdauung zu sorgen, solltest du darauf achten, dass du jeden Tag zwei Liter Wasser konsumierst. Das Wasser sollte still, also kohlensäurefrei sein. Der Darm wird durch diese Wassermenge befeuchtet und das erleichtert wiederum den Stuhlgang.

Auch Schüsslersalze haben sich als Hilfe bei Verstopfung einen Namen gemacht. Hier wird auf die Salze 7, 8, 10, 18 und 20 zurückgegriffen. Der Reihe nach handelt es sich um

  • Magnesium Phosphoricum
  • Natrium Chloratum
  • Natrium Sulfuricum
  • Calcium sulfuratum
  • Kalium Aluminium sulfuricum

Bei Verstopfung werden Globuli gern zur Unterstützung eingesetzt. Allein schaffen sie allerdings keinen entscheidenden Erfolg. Sie können hier jedoch eine Lebens- und Ernährungsumstellung begünstigen. Hier gibt es verschiedene Mittel mit unterschiedlichen Erfolgschancen. Wichtig ist, dass die Globuli etwa eine halbe Stunde vor dem Essen eingenommen werden. So umfassend sollte auch der Verzehr zu Tee und Kaffee sein.

Infografik Osmose

2. Osmotische Abführmittel

Das Prinzip der Osmose ist einfach. Sind in eingesetzten Wasser mehr Zucker oder auch Salze enthalten, sorgt dies in ärmeren Wassergebieten für den besonderen Frischekick. Am einfachsten kann man das mit einem simplen Kopfsalat erklären. Ist ein Salat alt und sieht nicht mehr frisch aus, kann es helfen, ihn in frisches Wasser zu legen. Dort zieht er Salze und weitere wichtige enthaltene Stoffe und nach einer halben Stunde sieht er wie von Zauberhand wieder ganz frisch aus.

So ähnlich funktionieren osmotische Abführmittel. In ihnen finden sich bestimmte Salze, Molekülketten und auch Zucker. Alles zusammen gelangt als Abführmittel in den Dickdarm. Während sie sich ihren Weg durch den Körper bahnen, ziehen sie so viel Wasser wie sie nur können. Der Stuhlgang wird dadurch geschmeidiger. Nimmst du osmotische Abführmittel in zu großen Mengen, wird Durchfall das Resultat sein. Es werden verschiedene Wasserziehmittel eingesetzt. Neben Zucker gehören dazu Salze und diverse Molekülketten, die aber recht klein sind. Am bekanntesten ist der Abführzucker Lactulose. Seine Beliebtheit verdankt er vor allem einem Doppeleffekt. In Lactulose sind neben dem Stoff, der der Wasserrekrutierung dient, auch Darmbakterien enthalten. Sie übernehmen zwei Funktionen:

  • Sie machen die hergestellten Stoffe weicher.
  • Sie sorgen für mehr Bewegung der Darmwand.

Leider kommen diese Stoffe nicht ohne Nebenwirkungen aus. Sind Bakterien falsch oder überfüttert, sind unangenehme Gase die Folge. Diese ziehen wiederum Blähungen und Bauchweh nach sich. Hergestellt wird Lactulose übrigens aus Laktose – der Milchzucker, den immer mehr Menschen nicht vertragen. Lactulose ist bei weitem nicht der einzige Milchzucker, den es gibt. Es gibt auch Abführzucker, der keine milchige Basis hat. Vorwiegend stellt dies Sorbit dar. Sorbit ist oftmals in Obst wie Birnen, Äpfeln und Pflaumen zu finden. Deswegen ist es empfehlenswert, wenn du Verstopfung oder sehr harten Stuhl hast, Pflaumensaft zu trinken. Studien haben gezeigt, dass die Wirkung von Sorbit ähnlich ist wie von Lactulose. Die nicht-milchige Variante geht aber mit weniger Nebenwirkungen einher.

Bei den Abführmitteln kommen Molekülketten in unterschiedlichen Längen vor. Am verträglichsten sind die kleinen, die als PEG bezeichnet werden. Sie haben im Vergleich zu Salzen nicht einen so großen Einfluss auf den Salzhaushalt, sind aber auch leichter verträglich wie Zucker. Schon am Namen der Moleküle kann abgelesen werden, wie lang diese sind:

  • PEG3350 hat ein Molekülgewicht von 3350.
  • Bei PEG150 ist die Molekülkette so kurz, dass sie im Darm ungewollt aufgenommen werden kann.

Ein Beispiel für ein solches Abführmittel ist: Movicol.

3. Kotgleiter

Kotgleiter gegen Verstopfung
Ein Abführmittel, das nicht ganz so bekannt ist, ist der Kotgleiter. Der Kotgleiter verhilft dem Dickdarm quasi zum Paragliding. Die Idee der Kotgleiter ist älter als vielleicht angenommen wird. Schon Robert Chesebrough gehörte zu denen, die einen Löffel Vaseline täglich verzehrten. Es liegt nahe, dass die Vaseline eine ähnliche Wirkung hat, wie fetthaltige Kotgleiter.

Kotgleiter sind eine Art Hülle um das Transportgut. Sie haben eine entscheidende Aufgabe: Sie sollen den Abtransport entscheidend vereinfachen. Doch so ganz unbedenklich ist die Einnahme von Vaseline und anderen Kotgleitern nicht. Mit den Kotgleitern werden nämlich auch alle fettlöslichen Vitamine abtransportiert und diese sind für den Erhalt der Gesundheit wichtig.

Zwar ist Vaseline alles andere als ein offizieller Kotgleiter, doch auch die anderen Lösungen, die es hier gibt, sind nicht wirklich besser. Dazu gehört beispielsweise Paraffinöl.

AchtungEine Lösung sind Kotgleiter nur für kurze Zeit. Abhilfe können sie allerdings schaffen, wenn am Darmausgang kleine Wunden vorhanden sind. Eine Alternative hierzu sind übrigens gelbildende Ballaststoffe, die in der Apotheke angeboten werden. Sie sind verträglicher als die Kotgleiter und haben weniger Gefahrenpotential.

Osmotisches Abführmittel

4. Hydragoga

Mit der Einnahme von Hydragoga wird der Darm massiv angekurbelt. Verstopfte, die sehr schüchterne Darmnerven haben, die zudem nur langsam agieren, finden mit Hydragoga genau die richtige Lösung. Ob sich dieses Abführmittel für den eigenen Bedarf wirklich eignet, sollte jedoch ein Mediziner klären. Ärzte verabreichen in diesem Fall kleine Kügelchen. Auf ihrem Weg durch den Körper werden diese per Röntgenapparat fotografiert. Diese Kügelchen müssen in einem bestimmten Zeitfenster den Weg bis zum Darmausgang hinter sich haben. Ist dies nicht der Fall, sind Hydragoga genau die richtige Wahl. Das Besondere an diesem Abführmittel ist die Funktionsweise. Hydragoga sind so aufgebaut, dass sie sich auf Rezeptoren des Darms setzen. Diese Rezeptoren können entsprechende Signale an den Darm weitergeben. Dieses Mittel kann sowohl die Wassertransporter als auch die Nervenzellen im Körper anleiten. So wird vermieden, dass der Darm weiteres Wasser, das Teil des Nahrungsbreis ist, aus diesem herauszieht. Gleichzeitig animieren sie den Darm aber auch dazu, mehr Wasser zu beschaffen. Wer die Abführmittel am Abend nimmt, profitiert besonders stark davon, denn so können die Mittel über Nacht sacken und ihre Wirkung entfalten.

In der Regel entfalten die Hydragoga dann am Morgen ihre komplette Wirkung. Reicht das nicht aus und wird schnellere Hilfe verlangt, kann das mit einem Zäpfchen glücken. Innerhalb einer Stunde bewirken die Zäpfchen dann die gewünschte Entleerung. Eine ähnliche Wirkung wie Hydragoga haben übrigens pflanzliche Mittel wie Senna und Aloe vera. Möchtest du darauf zurückgreifen, solltest du dich aber auf eine kleine Besonderheit einstellen, denn beides färbt den Darm von innen schwarz. Die Farbe verschwindet irgendwann wieder.

Es gibt noch eine weitere Nebenwirkung, die nicht ganz unbedenklich ist. Wissenschaftler haben in Untersuchungen herausgefunden, dass Aloe vera und Hydragoga bei häufiger Einnahme Nervenschäden verursachen können. Grund ist eine Überreizung der Nerven. Deswegen sollte die Einnahme mit Vorsicht und höchstens jeden zweiten oder dritten Tag erfolgen.

Prokinetika gegen Verstopfung

5. Prokinetika

Prokinetika gehören zu den größten „Innovationen“ unter den Abführmitteln. Das Besondere an diesen Medikamenten ist, dass sie den Darm in seiner ganz normalen Arbeitsweise stärken. Er übt durch diese Mittel keine unnatürlichen Bewegungen oder ähnliches aus. Darüber hinaus sind sie noch recht geschickt, denn sie können beispielsweise nur einen Rezeptor des Darms ansprechen und somit beeinflussen. Zudem gehen sie nicht in den Blutkreislauf über. Prokinetika sind ein bislang noch nicht sehr intensiv erforschtes Gebiet. Forschungen und Untersuchungen dazu laufen noch. Einige Mittelchen sind schon auf dem Markt.

Einlauf gegen Verstopfung

6. Der Einlauf

Anwendung des EinlaufsViele fürchten ihn, obwohl er eigentlich relativ unproblematisch ist. Den besten Ruf genießt der Einlauf trotzdem nicht. Dem Patienten wird hier Flüssigkeit über den Anus in den Darm geleitet. Der Einlauf hilft dabei, den Darm zu reinigen und die Verstopfung zu lösen. Die Flüssigkeit sorgt dafür, dass im Enddarm vorhandene Ablagerungen zuverlässig ausgespült werden. Er ist als Behandlung bei Verstopfung schnell durchzuführen und wirkt zügig. Je Durchgang werden dabei 500 bis 2000 Milliliter Flüssigkeit in den Darm gegeben.

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